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18.07.2011

15:43 Uhr

Streitfall des Tages

Wenn ein falscher Schufa-Eintrag zum Verhängnis wird

VonBettina Blaß

Wenn die Schufa falsche Angaben zur Zahlungsfähigkeit macht, hat das für Betroffene Folgen. Sie erhalten keinen Kredit, werden von Vermietern aussortiert oder haben Probleme beim Einkauf. Was Betroffene tun können.

Der Schmu des Tages. Illustration: Tobias Wandres

In der Rubrik "Der Streitfall des Tages" analysiert Handelsblatt Online eine Gaunerei oder ein Ärgernis aus Bereichen des Wirtschaftslebens. Betroffene erhalten konkrete Unterstützung, können ihren Fall öffentlich machen und mit Gleichgesinnten diskutieren. Illustration: Tobias Wandres.

Der Fall


Australien ist das Wunschziel für Lydia W. aus Berlin. Dort will die Studentin ein Auslandssemester verbringen. Doch als sie einen Bildungskredit bei der Bank beantragt, bekommt sie einen Schreck: Das Darlehen wird nicht bewilligt, weil angeblich ein Betrag von 69 Euro offen sei und sie deswegen einen negativen Eintrag bei der Schufa habe.

Schufa ist die Kurzform für „Schutzgemeinschaft für allgemeine Kreditsicherung“. Sie ist wie beispielsweise Creditreform oder Bürgel Wirtschaftsinformationen eine Auskunftei, die Daten über Geld-, Waren- und Dienstleistungskredite von Privatpersonen sammelt. Diese Daten gibt die 1927 gegründete Schufa an ihre Vertragspartner weiter, die auf die Bonität ihrer Kunden angewiesen sind. Das können beispielsweise Finanz- oder Telekommunikationsunternehmen sein. Von ihnen bekommt die Schufa im Gegenzug die Informationen über die säumigen Zahler.

„Diese Informationen werden aber vermutlich oft nicht überprüft“, sagt Rechtsanwalt Thomas Hollweck aus Berlin, der monatlich einige Anfragen von Bürgern bekommt, die wegen eines falschen Schufa-Eintrages Ärger mit einem anderen Unternehmen haben. Auch bei Lydia W. war der Eintrag nicht korrekt: Sie hatte die Rechnung eines Onlinehändlers aufgrund eines Missverständnisses nur teilweise bezahlt.

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Der Onlinehändler schickte ihr jedoch keine Mahnungen. Stattdessen bekam sie Post vom Inkassobüro: Sie sollte jetzt fast den doppelten Betrag begleichen. Und weil sie keinen Ärger wollte, hat sie das getan. Trotzdem blieb bei der Schufa ein Vermerk über sie. Die Studentin schaltete den Rechtsanwalt ein, der teilte der Schufa mit, dass sie keine Mahnungen bekommen habe und somit die sogenannten Eintragsvoraussetzungen nicht vorlägen.

Außerdem teilte er mit, dass die Rechnung längst beglichen sei. „Der Eintrag wurde dann sehr schnell gelöscht“, so Hollweck. Lydia W. bekam ihren Bildungskredit und ist nun auf dem Weg nach Australien.

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Kommentare (4)

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Diamant

18.07.2011, 16:17 Uhr

Hier noch zu erwähnen wäre, das jeder seit 1.1.2010 einen Onlinezugang zu seinen Daten beantragen kann. Dies ermöglicht jedem Bürger jederzeit Einblick auf seine Daten und man kann schnell agieren. Kostet Einmalig 18,50 € die sich aber lohnen (derzeit sogar im angebot unter 10 Euro).


https://www.meineschufa.de/index.php?site=11_2&via=menu

Das nur mal so als Anmerkung zur Recherche^^

Account gelöscht!

18.07.2011, 16:36 Uhr

Das Problem ist aber nicht allein die Schufa, sondern unsere heut zu Tage ach so gelobten automatischen Ratings und Kreditentscheidungsprozesse, die natürlich alle zertifiziert, TÜV-geprüft, BAFIN-geprüft und was weiss ich alles sind...

Vor gar nicht all zu langer Zeit war es so, dass mit einem kreditsuchenden Kunden ein klärendes Gespräch gesucht wurde, wenn es einen kritischen Schufa-Eintrag gab. Entweder der Kunde konnte das plausibel klären (z. B. strittige Forderung, vorliegender Schriftwechsel u.s.w.) oder der Verdacht gegen den Kunden hat sich bestätigt, als dem Kunden auf den Zahn gefühlt wurde.

Natürlich kann man sich als Verbraucher gegen unberechtigte Einträge zu Wehr setzen. Aber das alles dauert seine Zeit, und es gibt Situationen, in denen man diese ganz einfach nicht hat. So ist es zum Beispiel höchst ärgerlich, wenn einem die seit Jahren gesuchte Traumimmobilie deswegen durch die Lappen geht, weil die Bankentscheidung für den Immobilienkredit durch einen ungerechtfertigten Schufa-Eintrag um Wochen verzögert wird.

Thomas-Melber-Stuttgart

18.07.2011, 16:40 Uhr

Ich persönlich werte die Androhung eines "Schufa-Eintrages" ohne gerichtsfest festgestellte Schuld als Nötigung. Oftmals ist nämlich eine Vertragsstörung seitens des Warenschuldners ursächlich für eine Nichtzahlung bzw. Kaufpreisminderung. Da die Schufa (u.a.) dies ungeprüft vom Gläubiger übernimmt muß sie sich Kreditgefährdung und üble Nachrede zurechnen lassen.

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