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07.01.2013

11:27 Uhr

Streitfall des Tages

Wenn Erben keinen Spaß mehr macht

VonCatrin Gesellensetter

Die Deutschen sind ein Volk von Erben. Glück und Wohlstand zieht jedoch nicht bei allen ein. Das gilt vor allem, wenn sie sich den Nachlass mit der Familie teilen müssen. Warum auf Erbengemeinschaften kein Segen liegt.

Der Schmu des Tages. Illustration: Tobias Wandres

In der Rubrik "Der Streitfall des Tages" analysiert Handelsblatt Online eine Gaunerei oder ein Ärgernis aus Bereichen des Wirtschaftslebens. Betroffene erhalten konkrete Unterstützung, können ihren Fall öffentlich machen und mit Gleichgesinnten diskutieren. Illustration: Tobias Wandres.

Der Fall

Das Verhältnis von Sahra Blohmanns zu ihren Stieftöchtern Lena und Laura war noch nie gut gewesen. Die beiden jungen Frauen machten sie noch immer für das Scheitern der Ehe ihrer Eltern verantwortlich, wechselten kaum ein Wort mit ihr und straften auch ihren Halbbruder mit zur Schau getragener Nichtbeachtung.

Die Fassade bröckelte erst, als ihr Vater, Werner Blohmann, unerwartet starb und ein beträchtliches Vermögen, nicht aber ein Testament hinterließ. Plötzlich bildeten die Hinterbliebenen einen unfreiwilligen Zwangsverband. Wirklich miteinander sprechen wollte die Erbengemeinschaft wider Willen aber noch immer nicht.

Vor- und Nachteile eines Erbteilverkaufs

Katze im Sack

Die Suche nach einem Käufer ist nicht immer einfach, da niemand vorhersagen kann, wie sich die Werte der im Nachlass enthaltenen Immobilien, Kunstwerke oder Depots entwickeln werden.

Knallharte Kunden

Investoren wissen, welcher Druck oft auf den einzelnen Miterben lastet und versuchen, den Preis so weit wie möglich zu drücken.

Nicht ohne meinen Anwalt

Um juristische Fehler zu vermeiden, ist die Beratung durch einen Anwalt und/oder Notar unvermeidbar.

Vorfahrt Verwandtschaft

Sobald fest steht, zu welchen Konditionen der Erbteil über den Tisch gehen soll, haben die übrigen Mitglieder der Erbengemeinschaft zwei Monate lang die Möglichkeit, um in das Geschäft einzusteigen. Um Investoren nicht zu verprellen sollte daher im Vorfeld geklärt werden, ob die Miterben von ihrem Vorkaufsrecht Gebrauch machen wollen.

Gebühren fürs Notariat

Ein Erbschaftsverkauf muss notariell beurkundet werden. Das kann teuer werden. Die Gebühr richtet sich nach dem Wert des Erbteils.

Die Relevanz

Auf Deutschland rollt eine Erbschaftswelle historischen Ausmaßes zu. Die jüngste Postbank-Studie zur Nachlassplanung in Deutschland kommt zu dem Ergebnis, dass sich die Chance, ein Eigenheim zu erben, auf absehbare Zeit verdoppeln wird – und auch die Werte der Nachlässe insgesamt steigen deutlich.

Dennoch dürfte die Zahl der lachenden Erben überschaubar bleiben. Der Grund: Nicht einmal 20 Prozent der Über-16-Jährigen in Deutschland haben ein Testament aufgesetzt, das die Verteilung ihres Nachlasses regelt. Die überwiegende Zahl der Erbschaften in Deutschland wird daher nach den gesetzlichen Regelungen abgewickelt. Und die bewirken, dass alle Erbberechtigten, auch wenn sie sich hassen, eine sogenannte Erbengemeinschaft bilden. Harmonisches Miteinander? Fehlanzeige.

Das ABC der Erben

Alleinerbe

Alleinerbe ist, wie der Name schon sagt, derjenige, der die gesamte Erbmasse allein übernimmt. Möglich ist das, wenn ein entsprechendes Testament vorliegt oder wenn es nur einen gesetzlichen Erben (zum Beispiel Vater, Mutter, Kind oder Ehegatten) gibt.

Erbengemeinschaft

Erben mehrere Personen bilden sie eine sogenannte Erbengemeinschaft. Das bedeutet: Der gesamte Nachlass steht zunächst allen gemeinsam zu. Aus diesem Grund kann die Erbengemeinschaft auch nur zusammen rechtswirksam handeln kann. Um Wohnungen zu vermieten, Autos zu verkaufen oder Häuser zu verwalten ist meist eine einstimmige Entscheidung aller Beteiligten erforderlich. Sind sich die Erben untereinander spinnefeind – was fast schon die Regel ist – sind Streitigkeiten programmiert. Experten empfehlen daher, durch entsprechende testamentarische Anordnungen eine solche Konstellation wenn möglich zu vermeiden.

Erbschein

Der Erbschein ist ein amtliches Zeugnis des Nachlassgerichts und wirkt wie ein Ausweis über das Erbrecht einer oder mehrerer Personen. Auch Beschränkungen des Erbrechts, zum Beispiel durch eine Testamentsvollstreckung, sind hier vermerkt. In Stein gemeißelt ist die Aussage dieses Dokuments allerdings nicht: Erweist sich der Erbschein als unrichtig, muss das Nachlassgericht den Erbschein einzuziehen. Die entstandenen Kosten werden in diesem Fall nicht erstattet.

Testament

Der letzte Wille eines Menschen ist nur wirksam, wenn er den strengen Formvorschriften des Bürgerlichen Gesetzbuchs genügt. Denkbar ist zum einen das handschriftliche (eigenhändige)Testament. Alternativ besteht die Möglichkeit, den letzten Willen von einem Notar beurkunden zu lassen. Eine Sonderform des Testaments ist das gemeinschaftliche Testament, das oft von Eheleuten erstellt wird. Auf diese Weise lassen sich wichtige Familienangelegenheiten einvernehmlich regeln. Nachteil: Gemeinschaftliche Testamente können grundsätzlich auch nur gemeinsam widerrufen werden.

Vorsorgevollmacht

Eine Vorsorgevollmacht ermöglicht es einer Vertrauensperson des Vollmachtgebers, für diesen zu handeln, falls er selbst nicht mehr in der Lage ist, seinen Willen zu äußern – sei es, weil er schwer erkrankt oder eben verstorben ist. Eine Vorsorgevollmacht muss grundsätzlich schriftlich erteilt und dem Bevollmächtigten ausgehändigt werden, damit dieser sich im Ernstfall auch als Vertrauensperson legitimieren kann Für maximale Rechtssicherheit empfiehlt es sich zudem, von den beteiligten Banken eine Bestätigung anzufordern, damit die Institute die Vollmacht im Ernstfall auch wirklich akzeptieren. Wichtig: Soll der Bevollmächtigte auch Immobiliengeschäfte abwickeln können, schreibt das Gesetz eine notarielle Beurkundung der Vollmacht vor.

Der Experte

„Erbengemeinschaften führen meist zu einer Menge Streit – auch und gerade in Patchwork-Familien wie den Blohmanns“, sagt Nina Lenz-Brendel, Fachanwältin für Erbrecht aus Mannheim. Grund: Der gesamte Nachlass – von der Münzsammlung über das Ferienhaus bis hin zu etwaigen Schulden - wird mit allen Rechten und Pflichten gemeinschaftliches Vermögen der Miterben.

„Jeder Miterbe ist damit anteiliger Eigentümer oder Inhaber jedes einzelnen Nachlassgegenstandes. Die logische Konsequenz ist, dass die Erbschaft auch nur gemeinschaftlich verwaltet werden kann“, erläutert Lenz-Brendel.

Streitfall des Tages: Wie Erbschleicher Vertrauen missbrauchen

Streitfall des Tages

Wie Erbschleicher Vertrauen missbrauchen

Weil sie auf Hilfe angewiesen sind, stellen immer mehr ältere Menschen eine Vorsorgevollmacht an Personen ihres Vertrauens aus. Oft wird dieses Vertrauen von Erbschleichern missbraucht. Was Erben wissen müssen.

Im Falle Blohmann müssen also sowohl die beiden Töchter des Erblassers, Lena und Laura eine gemeinsame Linie finden; sie müssen sich auch mit der ungeliebten Stiefmutter und deren Sohn, ihrem Stiefbruder, arrangieren. Ein schwieriges Unterfangen, weil Entscheidungen der Erbengemeinschaft mehrheitlich, mitunter sogar einstimmig fallen müssen. Klappt das nicht, stehen alle Räder still.

Kommentare (8)

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MBoudik

07.01.2013, 12:06 Uhr

Der Tod jedes Menschen ist erschütternd.

Die Erbschafts-Welle "rollt" lt. Banken und Versicherungen schon seit Jahren

Komisch, dass die Erträge aus der Erbschaftssteuer meilenweit hinter den Erträgen aus der Grunderwerbssteuer zurückbleiben.

Entweder werden die Erbschaften extrem lau besteuert (was teilweise richtig ist) oder so viel wird gar nicht vererbt (was man auch vermuten muss)!

Die Pflegekosten und der Kapitalbedarf für die Absicherung der Langlebigkeit werden jedenfalls chronisch unterschätzt, der Immobilienwert von älteren Häusern auf dem Lande dürfte auch nicht toll sein….

Die 1 Promille der „Top-Erbschaften“ werden die legalen Tricks wie Umzug in das Ausland nutzen. Die andere Seite: Bei ca. 50 % der Erbschaften fällt quasi gar kein Vermögen an.

Na klar, wer rechnet denn schon nach, dass für eine „lebenslange Rente“ von 2.500 Euro / Monat ca. 600.000 Euro im Schnitt aufgebraucht werden. Pflegefall im Heim: Kosten ab 3000 Euro / Monat.


TRO

07.01.2013, 13:52 Uhr

Den leistungslosen Vermögenszuwachs stark abschöpfen (Freibetrag von 200.000 Euro / Rest 50 Prozent Steuer) und mit dem Geld die Lohnsteuer und Einkommenssteuer senken! Es ist eine Schande, dass Leistung höher besteuert wird als die Zugewinne von Herrn Millionärssöhnchen.

abc

07.01.2013, 14:07 Uhr

Die These vom "leistungslosen" Vermögenszuwachs lässt mich vermuten, dass Sie kein Vermögen haben. Das kann an den kapitalistischen Schweinehunden liegen, die Ihnen nichts abgeben wollen oder an Ihrer These "leistungslos".

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