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06.09.2011

14:42 Uhr

Streitfall des Tages

Wenn offene Fonds plötzlich zu sind

VonBarbara Moormann

Viele Immobilienfonds sind in der Krise und werden erst geschlossen und dann aufgelöst. Die Commerzbank möchte jetzt Anleger auszahlen. Lohnt das Angebot? Was Fonds-Inhaber in der aktuellen Lage wissen sollten.

Der Schmu des Tages. Illustration: Tobias Wandres

In der Rubrik "Der Streitfall des Tages" analysiert Handelsblatt Online eine Gaunerei oder ein Ärgernis aus Bereichen des Wirtschaftslebens. Betroffene erhalten konkrete Unterstützung, können ihren Fall öffentlich machen und mit Gleichgesinnten diskutieren. Illustration: Tobias Wandres.

Der Fall

Gerade bekommen Anleger ein ungewöhnliches Angebot. Die Commerzbank bietet an, ihren Fondsanteil zurückzukaufen. Preis: 43,38 Euro pro Anteil. Es geht um die Fondsgesellschaft Allianz Global Investors. Sie löst jetzt ihren Immobiliendachfonds Premium Management Immobilien-Anlagen auf. Das gab sie in einer entsprechenden Pressemitteilung vom 12. August 2011 bekannt.

Zuvor wurde dieser offene Immobilienfonds „Premium Management Immobilien“ (WKN: A0ND6C) zum 27.09.2010 geschlossen. Andere nennen das „eingefroren“. Kapitalanleger können ihre Investmentanteile nicht mehr zurückgeben. Jetzt können sie die immerhin an die Commerzbank verkaufen. Allerdings ist der Preis nicht optimal. Und nur bis zum 15. September dieses Jahres nimmt die Bank die Anteile zurück.

Die Gegenseite

In der erwähnten Pressemitteilung der Allianz Global Investors wird die Fondsauflösung als Vorteil für die Anleger gesehen. Denn die Auflösung des Premium Management Immobilien-Anlagen führe letztlich dazu, dass Anleger schneller an ihr investiertes Kapital kämen. So werde der eingefrorenen Immobilien-Dachfonds „Premium Management Immobilien-Anlagen“ aufgelöst, „um Anlegern schneller wieder Zugriff auf ihr investiertes Kapital zu ermöglichen“, heißt es in der Mitteilung.

Es könnten dann durch die Auflösung des Fonds voraussichtlich bereits im Oktober 2011 knapp 500 Millionen Euro in einer ersten Tranche an Anleger ausgeschüttet werden. Mit dem Verkauf der verbleibenden Vermögenswerte des Fonds werden dann die Erlöse schrittweise an die Anleger ausgezahlt. Seit Schließung des Fonds habe das Portfoliomanagement kontinuierlich Liquidität geschaffen, so dass aktuell etwa 40 Prozent des Fondsvermögens liquide sind.

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Dennoch ist eine nachhaltige Wiedereröffnung des Fonds nach Ansicht der Fondsgesellschaft angesichts der unveränderten Situation bei den offenen Immobilienfonds und des zu erwartenden hohen Volumens an Anteilscheinrückgaben auf absehbare Zeit unrealistisch. Mit Inkrafttreten der Kündigung des Verwaltungsmandats durch Allianz Global Investors am 1. Juni 2012 geht das Mandat an die Depotbank (Commerzbank AG) zur Liquidation der Vermögensgegenstände des Fonds über.

Etwas weiter unten heißt es dann noch in der Mitteilung: „Allianz Global Investors verwaltet für private sowie institutionelle Anleger in Deutschland rund 358 Mrd. Euro und ist damit Deutschlands größter Asset Manager. Dank der Expertenpräsenz an den bedeutendsten internationalen Kapitalmärkten kann Allianz Global Investors frühzeitig neue Anlagetrends identifizieren und seine Kunden über innovative Investmentlösungen daran teilhaben lassen.“ Bei dem Immobiliendachfonds hat das mit der Trenderkennung irgendwie nicht so ganz funktioniert.

Zur Situation der offenen Immobilienfonds

Europa oder global

Es kommt auf die Orientierung an. Die auf Deutschland oder Europa fokussierten Offenen Immobilienfonds verzeichnen im Vergleich zum Juli 2010 einen Anstieg der Liquiditätsquote. Bei Global orientierten Fonds sieht es dagegen nicht so gut aus. Sie müssen zum Teil deutliche Mittelabflüsse hinnehmen. Quelle: Scope.

Höchste Liquidität

Die höchste Liquiditätsquote weist laut den letzter Veröffentlichung der UniImmo: Deutschland mit aktuell 37,2 Prozent (Juli 2010: 33,9 Prozent) auf, gefolgt vom grundbesitz europa mit 33,4 Prozent (Juli 2010: 32,4 Prozent). Hauptgrund für die Mittelzuflüsse: Europa- und insbesondere Deutschlandfonds sind in der Sicht der Anleger weiterhin ein Hort der Stabilität.

Dürftige Verzinsung

Hoher Mittelzufluss ist jedoch kein Garant für Rendite. Die Verzinsung der Liquidität liegt aktuell deutlich unterhalb der durchschnittlichen Performance von Immobilieninvestments. Meist konnte das Management der Fonds die vereinnahmten Anlegergelder noch nicht in vollem Umfang investieren.

Elf zu drei

Noch im Mai hieß es, dass drei Offene Immobilienfonds bereits abgewickelt, also aufgelöst werden. Elf andere Fonds nehmen keine Anteilscheine zurück.

Die wenigsten werden es schaffen

Die Analysten von Scope gehen davon aus, dass nur einem Teil der „geschlossenen“ Produkte ein Neustart mit Erfolg gelingen wird. Auch Vermittler erklären, dass nach wie vor große Unsicherheit über weitere Fondsauflösungen bestehen.

Rückgabedruck

Die aktuell „geschlossenen“ Fonds haben es vor allem deshalb schwer wieder auf die Beine zu kommen, weil sich meist ein hoher Rückgabedruck aufgestaut hat. Zu viele Anleger wollen ihre Anteile zurück geben.

Rücknahme und Börsenpreise

Ein Viertel der Vermittler sieht wenig optimistisch in das 2. Halbjahr. Unter anderem auch deshalb, sich die Rücknahme- und die Börsenpreise der Fondsanteile zum Teil deutlich auseinander bewegt haben.

Kommentare (4)

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Account gelöscht!

06.09.2011, 14:53 Uhr

Hier läuft etwas grundlegend verkehrt:

Offene Immobilienfonds waren seit jahrzehnten ein Hort der Stabilität, mit Risikoklasse 1-2, teilweise sogar gerichtlich bestätigte Mündelsicherheit!

Die Rücknahmeaussetzung war bis 2008 ein quasi theoretisches Risiko, die Entwicklung war in dieser Form nicht vorhersehbar - jeder, der jetzt im Nachhinein (ist man immer schlauer) etwas anderes behauptet, lügt.

Es gibt viele Fälle von Falschberatung, wo risikoreiche Anlagen als sicher postuliert wurden. Gerade bei den Offenen Immofonds kann der Beraterschaft aber kein Vorwurf gemacht werden. Würde jedes noch so unwahrscheinliche Szenario einer Geldanlage (hier Rücknahmeaussetzung) so ausführlich beraten, wie mancher schlaue Anwalt jetzt fordert, wäre eine überschaubare Anlageberatung gar nicht mehr realisierbar.

HelgePetersen

06.09.2011, 18:58 Uhr

Wir werden mit über 70 Klagen und 500 Mandanten deutschlandweit ein deutliches Zeichen setzen.
Die Erfolge zeigen, dass hier etwas nicht stimmt.

HelgePetersen

06.09.2011, 19:22 Uhr

Ja das wäre ja alles ganz gut und schön, wenn die Fonds nicht grundsätzlich umstrukturiert und vor allem neu zusammengebaut worden wären. Ich denke da nur an die Immobilienaktien oder Dachfonds bei denen sehr wackelige Fonds inklusive waren.

Der Berater hätte sich hervor tun können, indem er sichere Fonds wie HausInvest oder DekaImmoS nahm.

Wenn das von einem Berater nicht erkannt worden war, dann hat er die Jahresberichte und Prospekte nicht gelesen. Problem war doch, dass erkennbar gerade der gute Ruf dazu missbraucht worden war, schlechte Produkte zu verkaufen. Genau die Aufgabe des Beraters ist es, dies zu erkennen. Sonst braucht er ja nicht zu beraten.

Wir haben in den Gerichtsverfahren auch durch Gutachtenbeweis gezeigt, dass schon vor Lehmann Brothers sehr wohl erkennbar war, dass bei Fonds wie dem PMIA oder P 2 Value oder DEGI, dass erhebliche Gefahren bestanden!

Die Theorie vom Berater, der es nicht besser wusste kann nicht greifen.

Muss also der Berater hier alte Wissensstände halten, weil die neue Informationslage zu negativ ist. Die Produkte wurden nun einmal in ihren Grundfesten verändert und sind damit von einem Anlageberater ab 2007 nicht mehr zu verkaufen gewesen. Ausnahmen bestätigen natürlich die Regel.
Vor allem wurden sodann ab 2008 die Fonds mit erheblichen Druck durch z.B. die Comba und Dresdner am Markt platziert. Dabei war doch schon ab Mitte 2007 klar, dass die Immobilien wackeln. Wie konnte man da bitte als Berater sogar Fonds verkaufen, die schon einmal vorläufig geschlossen waren?
Nein, unsere Fälle zeigen, wie Opfer gesucht worden sind, die schadhafte Produkte kaufen sollten. Ein guter Berater hat damals von solchen Investments abgeraten, weil er erkannte, dass diese Fonds nicht mehr tragen.

Mögen da Ausnahmen bestehen, die es immer gibt.

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