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22.08.2011

10:34 Uhr

Streitfall des Tages

Wenn Paarungswillige bei der Suche ausgenutzt werden

VonBettina Blaß

Eine verlockende Zielgruppe für Agenturen, die den Singles einen Partner vermitteln möchten. Allerdings: Nicht alle Anbieter sind seriös. Wer den falschen erwischt, zahlt viel Geld - und bekommt nichts dafür.

Der Schmu des Tages. Illustration: Tobias Wandres

In der Rubrik "Der Streitfall des Tages" analysiert Handelsblatt Online eine Gaunerei oder ein Ärgernis aus Bereichen des Wirtschaftslebens. Betroffene erhalten konkrete Unterstützung, können ihren Fall öffentlich machen und mit Gleichgesinnten diskutieren. Illustration: Tobias Wandres.

Der Fall

Geschieden ist der Berliner Frührentner, 60, und auf der Suche nach einer Partnerin. Im Anzeigenblatt „Berliner Woche“ sieht er die Annonce einer Frau in seinem Alter. Was er liest, spricht ihn an. Er fasst sich ein Herz und wählt die Telefonnummer, die unter der Anzeige steht.

Dort erreicht er jedoch nicht die Dame aus der Anzeige, sondern eine Betreuerin des Singletreff Mikado. Um festzustellen, ob er denn zu der Dame in der Anzeige passe, müsse er einmal vorbeikommen und einige Fragen beantworten, sagt man ihm. Der Frührentner lässt sich darauf ein.

Was dann passiert, kann er sich selbst nicht ganz erklären. Fakt ist, dass er nach diesem Treffen einen blassgelben Vertrag in der Hand hält, den er unterschrieben hat. Dadurch hat er sich verpflichtet, eine Aufnahmegebühr in Höhe von 74 Euro zu zahlen. „Zusätzlich fallen über eineinhalb Jahre Gebühren in Höhe von monatlich 70 Euro an“, sagt Rechtsanwalt Thomas Hollweck, den der rüstige Rentner eingeschaltet hat.

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Die Vertragsbedingungen, in denen steht, was genau die Kunden für ihr Geld bekommen, sind in grau auf die Rückseite des Aufnahmevertrages gedruckt. Wer sie genau durchliest, stellt fest, dass der Singletreff keine Partnervermittlung anbietet, wie man aus der Anzeige in der Berliner Woche schließen könnte.

Vielmehr versteht er sich als „Freizeit- und Freundschaftsclub“. Wer wie der Berliner Partnersuchende Mitglied wird, erwirbt lediglich das Recht, an Veranstaltungen wie beispielsweise Radtouren, Kegeln oder chinesischen Entspannungsübungen wie QiGong teilzunehmen, die Mikado anbietet. „Einige dieser Veranstaltungen sind wiederum kostenpflichtig, so dass weitere Gebühren bezahlt werden müssen“, sagt Hollweck.

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Die Dame aus der Anzeige hat der Rentner jedoch nie kennengelernt. Kein Wunder. In den Allgemeinen Geschäftsbedingungen im Internet schreibt der Freizeitclub nämlich: „Gegenstand der Vereinbarung ist ausdrücklich nicht ein fortdauerndes und wiederkehrendes dienstvertragliches Tätigsein irgendwelcher Art, das auf ein unmittelbares Zustandekommen einer Partnerschaft oder einer Ehe gerichtet ist“.

Das jedoch, so Rechtsanwalt Hollweck, stehe nicht in den Vertragsbedingungen, die der Rentner vorgelegt bekam.

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Kommentare (3)

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minu_mach

11.10.2011, 20:16 Uhr

Bin dem Club auch am 28.07.11 beigetreten in der Annahme es sei eine Partnervermittlung. Durch die Visistenkarte von Herzblatt, Partnervermittlung, die mir übergeben wurde liegt hier nach § 123 Abs. 2 BGB eine arglistige Täuschung vor, denn dieselbe Person hat als Vertretungsberechtigte des Single Mikado Treff den Vertrag gegengezeichnet.

OnkelEd

21.08.2012, 19:47 Uhr

genau das selbe ist mir auch passiert, ebanfalls bei Herzblatt. Hast du im Nachhinein irgend etwas erreichen können um aus dieser Sache schadlos rauszukommen?

Alexandra

11.11.2012, 19:11 Uhr

Wie der Rechsanwalt Hollweck schreibt, dieser Mikado Club ist nach allen Seiten abgesichert.
In diesem Staat bedeutet Recht haben noch lange nicht im Recht sein.
Ich bin diesem Club beigetreten, habe unterschrieben und ging davon aus, es handelt sich nur um ein Quartal a`74€.Danach war ich beim Verbraucherschutz, wo man mir erklärte, dass die Anwälte sich die Zähne daran ausbeißen würden. Arglistige Täuschung wollte ich bei der Polizei zur Anzeige bringen, wurde erst gar nicht angenommen. Einem Anwalt für Zivilrecht bezahlte ich seine Aussage -keine Erfolgschance-. Und nun bin ich sehr enttäuscht über unsere Gesetze und wie man uns als Verbraucher nicht!!!schützt.Na ja, auch über meine eigene Dämlichkeit.Eine Sammelklage (10 Personen) beim Staatsanwalt könnte eventuell noch ein 1.Schritt zur Schadensbegrenzung sein.
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