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19.04.2012

09:52 Uhr

Streitfall des Tages

Wenn Patienten ihren Ärger Luft machen

VonUlrich Lohrer

Eine Zahnbehandlung ist oft teuer und manchmal leider vergeblich. In neuen Bewertungsportale der gesetzlichen Krankenkassen können Patienten die Qualität der Mediziner beurteilen. Das gefällt vielen Dentisten gar nicht.

Der Schmu des Tages. Illustration: Tobias Wandres

In der Rubrik "Der Streitfall des Tages" analysiert Handelsblatt Online eine Gaunerei oder ein Ärgernis aus Bereichen des Wirtschaftslebens. Betroffene erhalten konkrete Unterstützung, können ihren Fall öffentlich machen und mit Gleichgesinnten diskutieren. Illustration: Tobias Wandres.


Der Fall

 

„Als jahrelanger Patient meines Zahnarztes muss ich leider sagen, das dieser allenfalls durchschnittliche zahnärztliche Leistung erbracht hat, der Preis jedoch deutlich Überhöht ist“, beschwert sich ein Privatpatient im Bewertungsportal www.jameda.de.

Wenn Patienten sich über einen Arzt beschweren, richtet sich ihr Zorn meist gegen ihren Zahnarzt. Bei der Unabhängigen Patientenberatung ist jede dritte Beschwerde über Mediziner gegen einen Zahnarzt gerichtet. In den meisten Fällen geht es um Geld, um Kosten, die als überhöht empfunden werden.

Streitfall des Tages: Wenn Ärzte Patienten zu  Unrecht zahlen lassen

Streitfall des Tages

Wenn Ärzte Patienten zu Unrecht zahlen lassen

Ärzte stellen oft Rechnungen, die eigentlich die Krankenkasse zahlen müsste. Die Kassen informieren Patienten falsch, etwa bei Hautkrebsuntersuchungen. Wann Patienten zu unrecht zahlen und wie sie sich wehren können.

Seit Ende Februar diesen Jahres können gesetzlich Versicherte in Fragebögen nun ihren Zahnarzt bewerten. Sie können unter anderem angeben, ob die Mediziner auf Ängste und Schmerzen eingehen oder über die anstehenden Kosten verlässlich informieren. Die großen gesetzliche Krankenkassen, AOK, Barmer GEK und Techniker Krankenkasse (TK), wollen die Bewertung einsehbar machen, wenn sich pro Arzt mehr als zehn Patienten geäußert haben.

Nur die Versicherten der teilnehmenden Kassen können auch Bewertungen abgeben. Das Zahnarztbewerungsportal orientiert sich an einem bereits seit Mai vergangenen Jahres bestehendem Portal zu Haus- und Fachärzten. Viele Ärzte und ihre Verbände zeigten sich nicht erfreut. Kritisiert wurde vor allem, dass die Bewertungsportale wenig hilfreich seien, da sie keine Behandlungsqualität im klinischen Sinne beurteilen könnten.

Wann Patienten warten müssen

Freie Patientenwahl

Jeder Vertragsarzt der kassenärztlichen Vereinigung muss grundsätzlich Patienten aufnehmen und behandeln. Denn mit der Zulassung verpflichtet sich der Arzt, an der kassenärztlichen Versorgung mitzuwirken. Andererseits gilt der Grundsatz der Vertragsfreiheit. Der Arzt kann somit nicht in jedem Einzelfall gezwungen werden, einen Patienten anzunehmen. So kann er eine Behandlung ablehnen – zum Beispiel, wenn die Praxis überlastet, das Vertrauensverhältnis zum Patienten gestört ist, wenn der Patient seine Versicherungskarte nicht vorlegt oder die Praxisgebühr nicht bezahlt.

Notfälle

In Notfällen und im Bereitschaftsdienst darf der Arzt allerdings keinen Patienten abweisen. Für Privatärzte gilt jedoch außer in Notfällen keine Behandlungspflicht.

Ermessenssache

Grundsätzlich ist keine klare Frist für einen Behandlungstermin vorgeschrieben. Die Behandlung darf im Prinzip so lange verschoben werden, wie dies medizinisch vertretbar ist. Bei einer eventuell schweren Krankheit muss der Arzt einen baldigen Termin vergeben. Ist das nicht möglich, muss er den Patienten an einen Kollegen verweisen.

Angemessene Wartezeiten

Es gibt keine eindeutige Frist, wie lange Patienten warten müssen. Es sei denn, der Arzt hat eine vertragliche Vereinbarung mit der Krankenkasse. Eine halbstündige Wartezeit ist im Allgemeinen hinzunehmen, regelmäßiges stundenlanges Schmoren jedoch nicht, so lautet die Faustregel.

Die Relevanz

Nach einer aktuellen Umfrage des Instituts Deutscher Zahnärzte (IDZ) sollen Zahnärzte unter der Bevölkerung ein hohes Ansehen genießen. Die positiven Attribute, wie rücksichtsvoller Umgang mit Patienten und gut organisierte Praxen sollen nach den Umfragen überwiegen. Negativen Nennungen wie, „bevorzugen Privatpatienten“, bieten nicht notwendige Behandlungen an und „verdienen zu viel“ kämen laut Studie angeblich seltener vor.

Doch trotz hoher Ausgaben für Zahnarztkosten, können viele Patienten die medizinische Leistung ihres Zahnarztes nur schwer einschätzen. Bewertungsportale sollen nach Angaben der Kassen die Vergleichbarkeit erhöhen.

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Rund 37 Millionen gesetzlich Versicherte der beteiligten Kassen haben Zugriff auf das Portal und sind aufgefordert, ihre Einschätzung zum letzten Zahnarztbesuch abzugeben. Die drei Krankenversicherungen, die Verbraucherzentralen, Deutscher Behindertenrat, DAG, SHG und die beteiligte Bertelsmann Stiftung riefen weitere Kassen zur Teilnahme auf.

Insgesamt gibt es in Deutschland etwa 55.000 niedergelassene Zahnärzte. In der bereits seit knapp einem Jahr bestehenden Haus- und Facharztbewertung sind bislang aber nur 3500 der rund 130.000 Mediziner verlässlich bewertet.

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Laut der bisherigen Befragung würden 88 Prozent der Patienten ihren Hausarzt bestimmt oder wahrscheinlich weiterempfehlen, aber nur 75 Prozent ihren Facharzt. 17 Prozent würden einen einmal aufgesuchten Facharzt nicht wieder aufsuchen, bei den Hausärzten liegt die Quote nur bei drei Prozent.

Kommentare (7)

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wernie

19.04.2012, 10:46 Uhr

Das im Artikel genannte Bewertungsportal heißt jameda, nicht jamada. Also: www.jameda.de

Account gelöscht!

19.04.2012, 12:05 Uhr

Zahnaerzte sind nicht anders zu behandeln, wie andere Handwerker auch. Bei grosseren Reparaturen immer auf einen verbindlichen Kostenvoranschlag bestehen und ruhig auch Vergleichsangebote von anderen Zahnaerzten einholen. Auch sollte man sich unbedingt die verwendeten Materialen genau beschreiben lassen und den Herstellungsort, beispielsweise bei Zahnersatz. Auch kann man sie "schwarz" arbeiten lassen, um einen besseren Preis zu erhalten.

Hinsichtlich Qualitaet ist es leider auch wie bei den anderen Handwerkern. Versteckte Maengel erkennt man oft erst sehr spaet.

zahnfreund

19.04.2012, 13:31 Uhr

Stubi, so läuft das nicht.
Das Zahnarzt-Patientenverhältnis ist etwas komplexer als ein Auftrag beim Klempner, da es die emotionale Komponente gibt. Die Materialien und der Herstellungsort können vom Patienten nicht beurteilt werden. Hier ist man auf die Erfahrung und Gewissenhaftigkeit des Zahnarztes angewiesen. Kein Zahnarzt macht gerne nur mal so zwischendurch einen Kostenvoranschlag für einen fremden Patienten, der ihn nur für einen Preispoker braucht, und nur wenige Zahnärzte würden schwarz arbeiten.
Ob ein Mißerfolg ein versteckter Mangel ist oder andere Ursachen hat ist auch nicht immer offensichtlich.
Kosten und deren Gründe sollten tatsächlich vorher besprochen und restlos geklärt werden!

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