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10.11.2011

09:39 Uhr

Streitfall des Tages

Wenn sich der Schuldeneintreiber meldet

VonRenate Reckziegel

Das Geschäftsmodell ist Einschüchtern und Verunsichern: Mit Drohschreiben treiben unseriöse Inkassobüros Geld für angebliche Bestellungen ein. Wann Betroffene reagieren müssen und warum manche für Nichts zahlen müssen.

Der Schmu des Tages. Illustration: Tobias Wandres

In der Rubrik "Der Streitfall des Tages" analysiert Handelsblatt Online eine Gaunerei oder ein Ärgernis aus Bereichen des Wirtschaftslebens. Betroffene erhalten konkrete Unterstützung, können ihren Fall öffentlich machen und mit Gleichgesinnten diskutieren. Illustration: Tobias Wandres.



Der Fall


Ob sie mit ihrer Apotheke zufrieden sei, will die freundliche Anruferin wissen. Die Rentnerin ist überrascht, gibt aber Auskunft. Und schon geht es weiter: Ob sie nicht ein Nahrungsergänzungsmittel kaufen wolle. Die alte Dame verneint. Trotzdem kommen Pakete mit Präparaten an, die sie jedoch gar nicht erst annimmt und postwendend an den Absender zurückschickt.

Doch es geht weiter: Als nächstes landen Zahlungsaufforderungen in ihrem Briefkasten. Zunächst geht es um 100 Euro. Die Rentnerin teilt dem Unternehmen mit, dass sie nie etwas bestellt hat. Vergeblich: Die Firma beauftragt ein Inkassounternehmen, das ausstehende Geld einzutreiben. Mit sämtlichen Gebühren steigt die Summe von Juni bis September auf 195 Euro. Als noch ein Anwalt ins Spiel kommt, beläuft sich das Ganze auf 235 Euro.


Der Experte


„Das ist ein Fall, wie er sich sehr häufig abspielt“, urteilt Christian Gollner von der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz. „Oft ergeben sich Zweifel an einem wirksamen Vertragsschluss.“ Ziel der Machenschaften am Telefon sind bevorzugt alte Menschen. „Wir vermuten, dass solche unseriösen Inkassobüros regelmäßig mit Anbietern zusammenarbeiten, die Kunden Verträge unterschieben.“ Zumindest gibt es laut Gollner auffällige Häufungen zwischen einer bestimmten Masche am Telefon und bestimmten Inkassobüros. „Teilweise haben die beiden Firmen sogar dieselbe Adresse.“

Unseriöse Inkassobüros setzen auf Einschüchterung und spekulieren darauf, dass die Betroffenen entnervt aufgeben und zahlen. Da wird mit gerichtlichem Mahnbescheid gedroht, mit Pfändung des Lohns oder der Rentenansprüche oder mit einem Eintrag bei der Schufa.

Streitfall des Tages: Wie Sie sich gegen Beleidigungen im Internet wehren

Streitfall des Tages

Wie Sie sich gegen Beleidigungen im Internet wehren

Anonyme Schreiber ruinieren im Internet mit zweifelhaften Beiträgen den Ruf von Unschuldigen. Solche Online-Verleumdungen können böse Folgen haben. Doch Betroffene können sich wehren und sogar Google verklagen.

Egal wie unberechtigt die Forderungen sein mögen: Betroffene müssen sich in jedem Fall wehren und von ihrem gesetzlichen Widerrufsrecht Gebrauch machen, lautet Gollners eindringlicher Rat. Und das am besten per Einschreiben mit Rückschein. Wenn sie das nicht tun, wird es für sie unangenehm:

„Auch unberechtigte Forderungen eines Inkassobüros können zu negativen Einträgen in Auskunfteien führen“, erläutert Gollner. Hinzu kommen die Gebühren. Die Höhe der Inkassokosten ist nämlich gesetzlich nicht geregelt. „Da wird einiges draufgeschlagen“, so Gollners Erfahrungen. Wer über längere Zeit hinweg nicht zahlt, muss mit einem gerichtlichen Mahnbescheid rechnen. Das Gericht prüft dabei aber nicht, ob die Forderung rechtmäßig ist. Erfolgt keine Reaktion, droht schnell die Zwangsvollstreckung.

Wie sich Betroffene gegen unberechtigte Forderungen schützen

Urheber ermitteln

Bei einer Zahlungsaufforderung: Prüfen Sie zunächst, für wen das Geld eingetrieben wird. Wenn die Forderung unberechtigt ist, stellen Sie dem Inkassounternehmen gegenüber genau dar, warum aus Ihrer Sicht kein Vertrag zustande gekommen ist.

Telefonterror

Wenn es sich um Verträge handelt, die angeblich am Telefon geschlossen wurden, können Sie einen Mitschnitt des Gesprächs verlangen. Mit ihm lässt sich klären, ob ein Vertrag überhaupt zustande gekommen ist.

Postweg

Schicken Sie Ihre Stellungnahme immer als Einschreiben mit Rückschein an das Inkasso-Unternehmen und informieren Sie gleichzeitig das Unternehmen, mit dem Sie den vermeintlichen Vertrag geschlossen haben.

Gerichtsstand ermitteln

Prüfen Sie, ob das Inkassobüro überhaupt beim zuständigen Land- oder Amtsgericht registriert ist. Das lässt sich im Rechtsdienstleistungsregister auch im Internet kostenlos kontrollieren: http://www.rechtsdienstleistungsregister.de/
Finden Sie keine Registrierung, zeigen Sie das beim zuständigen Gericht an. Denn ein nicht zugelassenes Inkassounternehmen handelt ordnungswidrig. Da können Bußgelder bis zu 5000 Euro verhängt werden.

Fristen einhalten

Folgt trotz Ihrer Einwände ein gerichtlicher Mahnbescheid, muss innerhalb von zwei Wochen Widerspruch eingereicht werden.

Zahlung verweigern

Auf keinen Fall irgendetwas bezahlen, auch keinen anteiligen Betrag. Das gilt als Anerkenntnis der Schuld. Ebenso wenig sollten Sie Ratenzahlungsvereinbarungen unterschreiben.

Schwarze Schafe melden

Hilfe, um sich gegen zweifelhafte Forderungen zu wehren, bieten Verbraucherzentralen und Schuldnerberater. Der Bundesverband Deutscher Inkasso-Unternehmen (BDIU) hat eine Beschwerdestelle eingerichtet, wenn es um Inkassoforderungen einer Mitgliedsfirma geht. Der Verband kann bei Mitgliedern, die sich nicht an Berufspflichten halten, Sanktionen aussprechen und Geldbußen verhängen. Ob das Inkassobüro überhaupt Mitglied im BDIU ist, lässt sich unter http://info.inkasso.de/suchlist.nsf herausfinden.

Kommentare (2)

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Muunoy

10.11.2011, 09:59 Uhr

Also, über den Beitrag bin ich nun wirklich enttäuscht. Die Ratschläge sind vollkommen unpassend. Schließlich handelt es sich um Kriminelle, denen man mit bürokratischen Verfahren des Zivilrechts nicht beikommen kann. Die Masche ist immer dieselbe: Eine Betrugs-Firma erzeugt durch irgendeinen Trick eine geringe Forderung. Ein kriminelles Inkasso-Büro treibt die Forderung in exorbitante Höhen. Danach übernehmen kriminelle Anwälte. Meistens sitze die kriminelle Vereinigung im selben Gebäude. Eine Freundin von mir wurde selbst schon Opfer so einer kirminellen Vereinigung mit Sitz in Speyer. Die zuständige Justiz ist seit über 10 Jahren machtlos trotz über 100 Strafanzeigen. Die Amtsgerichte unterstützen die Betrügereien ja sogar, indem sie immer wieder die offensichtlich völlig unbegründeten Forderungen dann eintreiben. Und das über Jahrzehnte. Aber in der Dt. Justiz sitzen ja Beamte. Da ich aufgrund meiner Aktionen gegen die Betrüger in Speyer selbst in den Fokus der Anwälte gelangte und aufgefordert wurde, sofort hohe Summen zu überweisen, kann ich jedem Betroffenen nur folgende sehr erfolgreiche Methode empfehlen: Sofortiges Strafanzeige stellen mit dem Hinweis an die Staatsanwaltschaft, sich ggf. selbst zu wehren, da bei Untätigkeit der Justiz in jedem Fall Notwehr gegeben ist. Hinweis an die Anwälte, dass man gerne die hohe Summe zahlt. Allerding an die Jungs, die denen die Hütte abfackeln werden. Sorry, aber dann ist tatsächlich sofort Ruhe. Und wieder mal meine Aufforderung an alle, endlich die Staatsgläubigkeit abzulegen. Der Staat toleriert diese Betrügereien wissentlich seit Jahren.

Jammerjammer

10.11.2011, 14:07 Uhr

Na ja, ganz so persönlich wie im ersten Kommentar sollte man es nicht werden lassen. Wobei es in diesem nicht in die verkehrte Richtung geht.
Basis ist die in der heutigen Zeit zumindest in Dtld. gegebene sog. Privatautonomie. Heißt jeder egal wie geistig minderbemittelt darf Verträge abschließen.
Damit geht verantwortung einher, welche dümmlich verletzt wird, wenn solche Firmen Mahn- und Vollstreckungsbescheide zustellen lassen und dort bei dem vermeindlich Betrogenen selbst duch diese von einem Amtsgericht stammenden Schreiben keine Reaktion ausgelöst wird. Dabei ist der Wider- bzw. Einspruch so einfach.
Wer dies nicht tut ist leider dumm wie Stroh und wird im Leben auch sonst nichts auf die Reihe bekommen.
Im Übrigen lohnt es sich durchaus, entsprechende InkassoAnwälte wegen Beihilfe zum Betrug. u.ä. strafrechtlich anzuzeigen. Dort weiß man nämlich regelmäßig um das schmierige und rechtswidrige Geschäftsgebahren. Im Übrigen gibts öffentlich anerkannte Schuldnerberatungsstellen, die sich prima um Rat fragen lassen.

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