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30.07.2012

10:37 Uhr

Streitfall des Tages

Wenn Spenden richtig teuer wird

VonBettina Blaß

Wer Geld in einer anderen Währung überweist, muss mit überhöhten Gebühren rechnen. Die hohen Kosten der Banken treffen auch Spender. Wie sich die Banken am guten Gewissen bereichern und Kunden günstig überweisen können.

Der Schmu des Tages. Illustration: Tobias Wandres

In der Rubrik "Der Streitfall des Tages" analysiert Handelsblatt Online eine Gaunerei oder ein Ärgernis aus Bereichen des Wirtschaftslebens. Betroffene erhalten konkrete Unterstützung, können ihren Fall öffentlich machen und mit Gleichgesinnten diskutieren. Illustration: Tobias Wandres.

Irmgard D. ist frustriert. Sie wollte schon immer ein bedürftiges Kind in einem Entwicklungsland unterstützen, hat das aber bisher nie umgesetzt: “Man weiß ja nie, ob das Geld wirklich ankommt, oder ob sich das jemand in die Tasche steckt“, sagt sie.

Nachdem sie jetzt aus erster Hand Informationen über die britische Nicht-Regierungsorganisation Village Africa und deren Arbeitsweise bekommen hat, hat sie sich als Finanzpatin für ein Kund in Tansania gemeldet. „Dem Kleinen wird dadurch ein Schulbesuch ermöglicht, er bekommt medizinische Versorgung, Seife, alle Schulmaterialien, die er braucht - und mich kostet das im Monat nur rund 25 Euro.“

Der Haken an der Sache: Irmgard D. muss das Geld nach Großbritannien überweisen. Auf der Internetseite ihrer Bank liest sie, dass Euro-Überweisungen in der Single Euro Payments Area (Sepa), dem einheitlichen Euro-Zahlungsverkehrsraum, kostenlos sind, und dass Großbritannien eingeschlossen ist, auch wenn man dort in britischen Pfund und nicht in Euro bezahlt.

Sie öffnet das Überweisungsformular, um 20 britische Pfund zu überweisen, das Onlinebankingsystem meldet ihr, Überweisungen seien in der Regel kostenlos. Doch sie muss trotzdem wählen, ob sie die Gebühren tragen möchte, oder ob Sender und Empfänger sich die Kosten teilen. Um die Hilfsorganisation nicht unnötig zu belasten, will sie anfallenden Kosten übernehmen, ist sich aber ziemlich sicher, dass das nicht viel sein kann.

Das böse Erwachen kommt, als sie den Kontoausdruck sieht: Für eine Überweisung von umgerechnet 25 Euro musste sie 18,75 Euro Gebühren zahlen, also 75 Prozent mehr.

Streitfall des Tages: Neun von zehn Bankern beraten schlecht

Streitfall des Tages

Neun von zehn Bankern beraten schlecht

Versicherungen, Wertpapiere oder Baufinanzierung: Neun von zehn Beratern orientieren sich laut Verbraucherschützer nicht am Bedarf der Kunden. Wie sich Betroffene wehren können und an gute Produkte gelangen.

Die Rechtslage

„Ein Klassiker“, sagt Frank-Christian Pauli, Bankreferent beim Verbraucherzentrale Bundesverband in Berlin. „Wenn nicht in Euro überwiesen wird, wird es schnell sehr teuer.“. Das Problem dabei: Die Banken können oft gar nicht genau sagen, wie hoch die Kosten sein werden, weil verschiedene Stellen zwischengeschaltet sind.

Pauli sammelt derzeit Informationen von Bürgern, denen ähnliches passiert ist wie Irmgard D. Einige hat er schon. Besonders schlimm habe es eine Frau 2009 getroffen, die ungarische Forint überwiesen habe: Für 10 Euro musste sie 40 Euro Gebühren bezahlen. „Mit Kostentransparenz hat das nichts zu tun“, sagt Frank-Christian Pauli.

So sparen Sie mit Micropayment

Was sind Micropaymentanbieter?

Da sind spezielle Dienstleister, die auf die Begleichung auch sehr kleiner Beträge spezialisiert sind. Ihr Vorteil: Wer dort registriert ist, muss seine Bankverbindung nur einmal im Netz hinterlegen, und nicht jedes Mal neu eingeben. Viele Onlineshops kooperieren mit mehreren Internetbezahldiensten.

Welche Internetbezahldienste gibt es?

Beispielsweise Paypal. Dieser Micropaymentanbieter gehört zu Ebay. Giropay ist ein Produkt der Sparkassen, der Postbank und Volksbanken Raiffeisenbanken. Click & buy, Paysafecard oder Sofortüberweisung sind andere Anbieter.

Wie funktioniert Paypal?

Bei Paypal muss man sich registrieren und ein Konto anlegen. In den Anmeldeinformationen gibt man ein Referenzkonto an. Ist auf dem Paypalkonto nicht genügend Geld hinterlegt, holt sich Paypal bei einer Überweisung das Geld vom Referenzkonto. Mit Paypal kann man beispielsweise bei Ebay bezahlen, bei den Onlineauftritten von DHL oder Saturn.

Wie funktioniert Giropay?

Bei Giropay hängt es davon ab, ob sich das betreffende Finanzinstitut daran beteiligt. Falls ja, klicken Kunden im Onlineshop den „Bezahlen mit Giropay“-Knopf und werden zum Onlinebanking der eigenen Bank geleitet. Dort wartet bereits ein vorausgefülltes Überweisungsformular darauf, mit einer Transaktionsnummer bestätigt zu werden. Deichmann oder Neckermann sind Giropay-Partner.

Wie funktioniert Click & buy?

Click & buy gehört zur Telekom. Der Kunde registriert sich einmalig und hinterlegt Zahlungsinformationen wie beispielsweise seine Girokontonummer. Zahlt er in einem Onlineshop mit Click & buy, muss er sich nach dem Klick auf die Schaltfläche nur einloggen und den Kauf bestätigen. Click & buy ist zum Beispiel bei iTunes oder im Telekom-Shop integriert.

Wie funktioniert Paysafecard?

Mit Paysafecard erwirbt man eine Art Prepaid-Guthaben in Scheckkartenform. Die Plastikkarten gibt es beispielsweise an Kiosken oder Tankstellen. Über einen Code bezahlt man damit zum Beispiel in der Spiele- und Onlinedating-Welt.

Wie funktioniert Sofortüberweisung?

Auf der Partnershopseite wählt man den entsprechenden Button aus und wird dann auf die Homepage von sofortueberweisung.de weitergeleitet. Dort muss man zunächst die Bankleitzahl eingeben, und sich dann auf der entsprechenden Seite mit seinen Daten fürs Onlinebanking einloggen. Die Überweisung wird mittels Transaktionsnummer ausgeführt.

Und doch ist es rechtens. Denn nur wenn in Euro innerhalb der Europäischen Union überwiesen werde, dürfen dafür keine zusätzlichen Kosten anfallen, für Überweisungen in anderen Währungen können die Banken dagegen zusätzlich Geld verlangen. Übrigens tritt das Problem auch bei Schecks auf. Martin Faust, Professor für Bankbetriebslehre an der Frankfurt School of Finance & Management, wurde selbst Leidtragender dieses Systems. Er hat eine Erstattung in Scheckform über 25 britische Pfund bekommen - und davon blieb ihm am Ende nicht einmal die Hälfte übrig.

Kommentare (2)

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Account gelöscht!

30.07.2012, 13:17 Uhr

Schade, dass viele Organisationen nicht auf dem neusten Stand sind.
Es gibt NGOs, die mit z. B. Paypal ein Abkommen haben, dass diese Organisationen für erhaltenes Geld keine Gebühren zahlen, und die Kosten beim Fremdwährungs-Sender halten sich bei so kleinen Beträgen im Rahmen.
Natürlich will nicht jeder mit Paypal arbeiten - aber Abkommen kann man mit allen Bezahldiensten schließen.

Account gelöscht!

30.07.2012, 14:23 Uhr

Spendengelder bei PayPal? Ist die Geschichte mit Wikileaks schon vergessen? Diese Firma schwingt sich gerne zum Sheriff auf und behält gerne mal Gelder vorerst ein.

Dieses Thema wäre wirklich mal ein Thema für die EU-Kommission, anstatt uns vorzuschreiben wie wir unsere Wohnzimmer zu beleuchten (zum Nutzen der Hersteller von sog. Energiesparlampen) haben und demnächst auch dass wir alle Wassersparende Armaturen (weil in einigen Gegenden im Süden die Einsicht fehlt mit der dort knappen Ressource sparsam umzugehen) einzubauen haben wo schon heute die Leitungen gespült werden weil das Wasser zu lange darin steht.
(Ebay und deren Tochter Paypal wäre auch durchaus mal eine Überprüfung wert, hier wird der Zugang für andere Anbieter systematisch erschwert.)

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