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07.06.2011

08:59 Uhr

Streitfall des Tages

Wenn Vermittler ihre Provision nicht teilen dürfen

VonUlrich Lohrer

Eine alte Verordnung verbietet die Weitergabe der Abschlussvergütung an die Versicherten. Nun hat ein Vermittler deswegen gegen die Aufsichtsbehörde BaFin verklagt. Was sich für Kunden ändern könnte.

Der Schmu des Tages. Illustration: Tobias Wandres

In der Rubrik "Der Streitfall des Tages" analysiert Handelsblatt Online eine Gaunerei oder ein Ärgernis aus Bereichen des Wirtschaftslebens. Betroffene erhalten konkrete Unterstützung, können ihren Fall öffentlich machen und mit Gleichgesinnten diskutieren. Illustration: Tobias Wandres.

Der Fall

Das Geschäftsmodell des schwäbischen Finanzdienstleisters AVL ist einfach: Keine Beratung, dafür niedrige Gebühren für die vermittelte Finanzprodukte. So erstattet der AVL die von der Versicherung für die Vermittlung einkalkulierte Kosten von fondsgebundenen Lebensversicherungen.

Als Folge, dass er seinen Kunden die von der Versicherung einkalkulierten  Abschlusskosten erstattet, bekam AVL-Geschäftsführer Uwe Lange Post von der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin). Die Behörde droht der AVL eine Geldbuße an, weil er einen 90-prozentigen Rabatt der fondsspezifischen Kosten an seine Kunden abgibt.

Der Grund für die Geldbuße: Der Finanzdienstleister  verstoße gegen die "Bekanntmachung des Reichsaufsichtsamtes für das Privatversicherungswesen – der Vorgängerbehörde der BAFin – vom 8. März 1934". Diese Verordnung untersagt Anbietern und Vermittlern von Versicherungen, Versicherungsnehmer für den Abschluss eines Versicherungsproduktes zu „vergüten“. „An diesem konkreten Beispiel zeigt sich, wie ärgerlich die Regelung für den informierten Verbraucher, aber auch für uns als Vermittler ist“, sagt Uwe Lange, Geschäftsführer von AVL.

Dagegen zieht Lange nun vor Gericht. Er hat gegen die Aufsichtsbehörde eine vorbeugende Unterlassungsklage beim Verwaltungsgericht Frankfurt eingereicht. „Notfalls gehen wir bis zum Europäischen Gerichtshof", sagt er. Denn eine vergleichbare Regelung gibt es in anderen EU-Staaten nicht.

 

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Kommentare (2)

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k3rmit

07.06.2011, 13:18 Uhr

Verstehe ich das richtig, da gibt's einen Vermittler, der seinen Kunden Provisionen abgibt und Vater Staat verbietet ihm das mit einem alten Nazi-Gesetz??

R.T.

07.06.2011, 18:03 Uhr

Ja genau so ist das. Dabei ist das schon längst üblich dass die Kunden das von sich aus fordern. Ich habe in 25 Jahren Vertriebstätigkeit ständig solche Anfragen erhalten.

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