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29.07.2011

14:06 Uhr

Streitfall des Tages

Wenn Versicherer trotz Kündigung abkassieren

VonDörte Jochims

Einige Versicherer mahnen trotz Kündigung Ansprüche an, obwohl die längst verjährt sind. Wer ablehnt wird mit einem Rechtsstreit bedroht. Welche Kunden noch offene Rechnungen haben und wie sich Betroffene wehren können.

Der Schmu des Tages. Illustration: Tobias Wandres

In der Rubrik "Der Streitfall des Tages" analysiert Handelsblatt Online eine Gaunerei oder ein Ärgernis aus Bereichen des Wirtschaftslebens. Betroffene erhalten konkrete Unterstützung, können ihren Fall öffentlich machen und mit Gleichgesinnten diskutieren. Illustration: Tobias Wandres.


Der Fall


Es war kurz vor Beginn einer dreijährigen Börsen-Baisse, als eine Kundin 2001 bei der Bayern-Versicherung eine fondsgebundene Lebensversicherung abschloss. 2004 kündigte sie nach Verlusten entnervt ihre Police. Der Versicherer bestätigte die Kündigung und zahlte ihr den Rückkaufswert aus. 3.980,08 Euro wurden überwiesen.

Einen Monat später teilte der Versicherer der Frau mit, dass ihr irrtümlich 1.067 Euro zu viel überwiesen wurde. Die Kundin weigerte sich jedoch, den Betrag ohne Nachweis über die Forderung zu zahlen. Jahrelang passierte nichts. Im Februar 2010 flatterte ihr plötzlich ein Mahnbescheid ins Haus.

Die Forderung bezifferte ihr ehemaliger Versicherer inzwischen auf insgesamt 1.487,67 Euro. Der Versicherer verlangte zudem, sie solle ihren Widerspruch zurücknehmen. Andernfalls drohe eine Klage. Die Verbraucherin war Mitglied beim Bund der Versicherten (BdV).

Hier stellten Experten fest: Eventuelle Ansprüche sind seit dem 1. Januar 2010 verjährt. „Wir haben geraten, der Forderung nicht nachzukommen“, sagt Thorsten Rudnik, Vorstand beim BdV. Und nachdem die Organisation die Frau unterstützte, gab der Versicherer nach. Der Vorstand des Versicherers bestätigte, dass er keine Klage erheben würde und das Verfahren erledigt sei.

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Die Gegenseite

Die Bayern-Versicherung Lebenversicherungs AG bestätigt, dass die  Versicherungsnehmerin ihre fondsgebundene Police  mit Wirkung zum 1. Juli 2004 gekündigt hat. Sie habe daraufhin einen Rückkaufswert in Höhe von 3.980,08 Euro erhalten. „Leider wurde dieser Rückkaufswert damals nicht korrekt berechnet. Der Bayern-Versicherung ist ein Abrechnungsfehler unterlaufen,“ schreibt Thomas Bundschuh, Leiter der Pressestelle des Versicherers.

Darüber sei die  Kundin informiert worden. Ihr wurde am  6. September 2004 mitgeteilt, dass eine Forderung von 1.071,60 Euro offen ist. Dieser Forderung sei  die Kundin allerdings weder nach diesem ersten Schreiben noch in weiteren (z.B. Schreiben vom 27.09.2004 und 07.12.2004) nachgekommen.

„Wir möchten ausdrücklich darauf hinweisen, dass unsere Rückforderung zunächst zu Recht bestand, die Kundin dieser Forderung aber selbst nach wiederholter Erinnerung und Mahnung nicht nachkam,“ so der Sprecher.  Man habe der Kundin sogar angeboten, die Rückzahlung in monatlichen Raten von 50 Euro abzuleisten. Inzwischen sei  die Forderung tatsächlich verjährt. Man habe dies der Kundin bereits schriftlich mitgeteilt und sich entschuldigt.

Möglichkeiten bei der Altersvorsorge

Betriebliche Altersvorsorge (1)

Jeder Arbeitnehmer hat das Recht, bis zu vier Prozent der Beitragsbemessungsgrenze in der gesetzlichen Rentenversicherung – 2011 sind das 2640 Euro - steuer- und sozialabgabenfrei in die betriebliche Altersvorsorge einzuzahlen.

Betriebliche Altersvorsorge (2)

Zusätzlich können weitere 1800 Euro lohnsteuerfrei investiert werden. Insgesamt können 4440 Euro in eine Direktversicherung oder eine Pensionskasse fließen. Der Verbreitungsgrad der Betriebsrenten ist in Deutschland noch immer gering. Vor allem bei kleineren und mittleren Unternehmen führt die Betriebsrente noch immer ein Schattendasein.

Riester-Rente (1)

Der Staat bezuschusst die private Altersvorsorge mit Zulagen und Steuervorteilen. Riester-Sparer erhalten derzeit 154 Euro Grundzulage pro Person und 185 Euro für jedes Kind. Für Nachwuchs, der nach 2008 geboren ist, gibt es sogar 300 Euro.

Riester-Rente (2)

Voraussetzung für die volle Förderung ist, dass der Sparer vier Prozent seines jährlichen Bruttolohns einzahlt, wobei bis zu 2100 Euro gefördert werden. Außerdem können Beiträge bis zu dieser Höhe steuerlich geltend gemacht werden. Förderberechtigt sind grundsätzlich Angestellte sowie Beamte und deren Ehepartner.

Rürup-Rente (1)

Die Rürup-Rente richtet sich in erster Linie an Selbstständige. Sparer können einen wachsenden Teil der Einzahlungen von der Steuer absetzen.

Rürup-Rente (2)

Aktuell sind es 72 Prozent, bis 2025 soll der Anteil auf 100 Prozent ansteigen. Pro Jahr sind steuerbegünstigte Einzahlungen von bis zu 20.000 Euro (40.000 Euro für Verheiratete) möglich.

Kommentare (1)

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Account gelöscht!

29.07.2011, 13:41 Uhr

Hinweis zu Ihren "Möglichkeiten der Altervorsorge"
Sie sollten dringend erwähnen, daß bei der Altervorsorge "Direktversicherung" und Pensionskasse bei der späteren Auszahlung ...
1. Lohnsteuer einbehalten wird
2. Sozialversicherungsbeiträge mit 15 % einbehalten werden
Bei dieser staatlichen Abzocke schwindet die Lust zur Altersvorsorge auf privater Ebene...!!!
W. Müller-Koppelberg

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