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20.09.2012

16:09 Uhr

Streitfall des Tages

Wie Abzocker Tippfehler im Internet ausnutzen

VonRenate Reckziegel

Ein Tippfehler reicht und Internetnutzer landen auf Seiten, wo sie gar nicht hinwollten. Abzocker nutzen das aus für Werbung oder kriminelle Machenschaften. Welche Seiten betroffen sind und wo Tippfehler teuer werden.

Der Schmu des Tages. Illustration: Tobias Wandres

In der Rubrik "Der Streitfall des Tages" analysiert Handelsblatt Online eine Gaunerei oder ein Ärgernis aus Bereichen des Wirtschaftslebens. Betroffene erhalten konkrete Unterstützung, können ihren Fall öffentlich machen und mit Gleichgesinnten diskutieren. Illustration: Tobias Wandres.

Der Fall

Die Internetadresse der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz lautet www.vz-rlp.de. Sich da zu vertippen ist fast programmiert. Schließlich ist die Buchstabenfolge „pl“ geläufiger als „lp“. Wer also aus Versehen www.vz-rpl.de eingibt, landet auf einer Website, die auf den ersten Blick eine Seite einer Verbraucherzentrale sein könnte. Mit Stichworten wie Verbraucherschutz Online, Baufinanzierung, Geldanlage, Rauchmelder und Mahnverfahren.

Erst beim zweiten Hinsehen zeigt sich: Das ist alles Werbung. Verbraucher, die eigentlich nach einer unabhängigen Beratung gesucht haben, landen unversehens bei Links von Banken, Versicherungen und anderen gewerblichen Anbietern. Das Motiv solcher Online-Trittbrettfahrer: Jeder Klick irritierter Kunden beschert ihnen Werbeeinnahmen.

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Streitfall des Tages

Wenn EC-Kartenbesitzer Betrügern aufsitzen

Die Zahl der Betrugsfälle bei EC-Karten nimmt stark zu. Mit immer neuen Tricks spähen Ganoven die Pins der Betroffenen aus. Warum die Betroffenen häufig auf dem Schaden sitzen bleiben und wann die Bank einspringen muss.

Die Gegenseite

Der Betreiber der Website www.vz-rpl.de ist eine Firma mit Namen „Integral Assets Ltd.“, die laut dem Ländercode KN in Saint Kitts and Nevis, einer Inselgruppe in der Karibik, ansässig ist. Diese Firma unterhält jede Menge weiterer Nachahmer- und Tippfehler-Domains: www. nivea-baby.de beispielsweise oder studievz.de. Insgesamt hat das Unternehmen aus der Karibik derzeit 3203 weiterer Domains für sich gebucht, sagt das Domaintool www.domaintool.com.

Welche Firmen sich erfolgreich wehren

Wetter Online

www.wetteronline.de, ein führender Internetanbieter für Wetterinformationen, ging gegen die Website www.wetteronlin.de vor, klagte auf Unterlassung und bekam Recht. Das Oberlandesgericht Köln wertete die Tippfehler-Domain als Form von Behinderungswettbewerb.

Das Gericht begründet sein Urteil damit, dass durch diese gezielt gesetzte Tippfehler-Domain der Ruf des Internet-Wetterdienstes geschädigt wird. Außerdem gehen dem Unternehmen durch fehlgeleitete Besucher die für seine Existenz wichtigen Werbeeinnahmen verloren. (OLG Köln, Urteil vom 10.02.2012, Az. 6 U 187/11)

Industrie- und Handelskammer

Die Wettbewerbszentrale ging 2009 einer Beschwerde einer Industrie- und Handelskammer nach. Der Trittbrettfahrer hatte eine Tippfehler-Domain mit dem Bestandteil„ihk“ für sich registrieren lassen. Auf dieser Internetseite war fremde Werbung in Form von „sponsored links“ geschaltet.

Alle verwendeten Begriffe auf dieser Website lehnten sich an die Industrie- Handelskammer und deren Kompetenzbereich an (Ausbilder ihk, ihk Prüfungen etc.). Sie erweckte also den Eindruck, eine Seite der IHK zu sein. Die Wettbewerbszentrale wertete das als irreführende geschäftliche Handlung, die den Wettbewerb zum Nachteil der Verbraucher und der Konkurrenten beeinträchtigt.

Ebase

Die Investment-Plattform Ebase (European Bank for Fund Services, www.ebase.de) hat sich mit der FinanzNet Holding als Betreiber der Domain www.ebaseonline.de außergerichtlich geeinigt, dass sich FinanzNet auf seiner Website deutlich als Betreiber zu erkennen gibt. Das Logo von Ebase darf FinanzNet als Kooperationspartner jedoch weiter nutzen.

Der Experte

„Immer wieder erleben wir es, dass Trittbrettfahrer den Namen der Verbraucherzentrale für ihre Zwecke missbrauchen“, sagt Christian Gollner, Rechtsexperte bei der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz. „Der Höhepunkt ist bislang eine Internet-Seite, die das Layout der Seiten der Verbraucherzentralen fast vollständig identisch abbildet.“

Doch dagegen vorzugehen, hält Gollner für ein aussichtsloses Unterfangen: „Die Hintermänner solcher Seiten verstecken sich meist im Ausland und machen sich unerreichbar.“ Und selbst wenn es gelingen sollte, das Betreiben einer Seite zu untersagen, bringt das nach Gollners Einschätzung wenig: „Solche Unternehmen werden nach kurzem Namenswechsel wieder in derselben Sache aktiv.“

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