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20.09.2011

12:19 Uhr

Streitfall des Tages

Wie geprellte Kunden an ihr Geld kommen

VonUlrich Lohrer

Viele Kunden von Energieversorgern, Möbelhäusern oder Reiseveranstaltern gehen in Vorkasse. Wenn das Unternehmen Pleite geht, ist die Vorauszahlung häufig futsch. Wie Kunden von insolventen Firmen an ihr Geld kommen.

Der Schmu des Tages. Illustration: Tobias Wandres

In der Rubrik "Der Streitfall des Tages" analysiert Handelsblatt Online eine Gaunerei oder ein Ärgernis aus Bereichen des Wirtschaftslebens. Betroffene erhalten konkrete Unterstützung, können ihren Fall öffentlich machen und mit Gleichgesinnten diskutieren. Illustration: Tobias Wandres.

Der Fall


Mitte Juni hatte der Energieversorger Teldafax Insolvenz angemeldet und kurz darauf die Energielieferungen eingestellt. Der jeweilige Grundversorger vor Ort stellt zwar für die Verbraucher die Versorgung sicher, aber in der Regel zu einem deutlich höheren Preis.

Am 1. September 2011 teilte der vom Amtsgericht Bonn bestellte Insolvenzverwalter Biner Bähr mit, dass das Insolvenzverfahren für Teldafax eröffnet wurde. Allen bekannten Gläubigern wird nun ein Formular zugeschickt, in dem sie ihre Forderungen anmelden können.

Im Wesentlichen sind dies Teldafax-Kunden, die aufgrund einer künftigen Strom-Lieferung in Vorauszahlung gegangen sind. Wegen der großen Zahl der Gläubiger, wird der Formular-Versand Wochen dauern.

Die Relevanz


Die Verbraucherzentrale Hamburg gibt die Zahl der betroffenen Teldafax-Gläuber auf rund 700.000 Kunden an. So spektakulär die Insolvenz des Energieversorgers aufgrund der hohen Zahl der betroffenen Gläubiger ist, so ist doch nur ein Unternehmen von vielen, die jährlich Insolvenz anmelden.

Nach Angaben des Statistischen Bundesamts meldeten die deutschen Amtsgerichte im vergangenen Jahr 31.998 Unternehmensinsolvenzen. Die Gerichte bezifferten die voraussichtlichen Forderungen der Gläubiger im Jahr 2010 auf rund 39 Milliarden Euro. Im Jahr 2009 beliefen sich die Forderungen sogar auf 85 Milliarden Euro. Dies war die bisher höchste Forderungssumme und war auf die Insolvenzen einiger wirtschaftlich bedeutender Unternehmen zurückzuführen.

Wo es die meisten Pleiten gibt

Insolvenzrisiken nach Branchen und Regionen

Kreditdatenbanken wie Schufa und Creditreform sowie Wirtschaftsauskunfteien werten jährlich die Insolvenzstatistiken aus. Es folgen die interessantesten Ergebnisse.

Bundesländer

Je 10.000 Unternehmen, gingen nach Angaben der Wirtschaftsauskunftei Bürgel am relativ meisten in Bremen (142), in Sachsen-Anhalt (132) und in Schleswig-Holstein (120) Pleite. Die wenigsten Insolvenzen pro 10.000 Unternehmen gab es dagegen in Hamburg (55) und in Baden-Württemberg (75).

Unternehmensgröße

Nach einer Umfrage der Unternehmensberatung Roland Berger unter Insolvenzverwalter, Banker und Finanzinvestoren erwarten die befragten Experten 2011 bei kleineren Unternehmen mit Umsatz von weniger als 10 Millionen Euro ein höheres Risiko, während die Befragten für Großkonzerne faktisch keine Insolvenzgefährdung in diesem Jahr sehen.

Branchen mit hohen Insolvenzrisiko

Die Branchen mit den meisten Insolvenzen je 1000 Unternehmen waren nach der Datenbank der Creditreform im 1. Halbjahr 2010 Call Center und Detekteien (63 von 1000 Unternehmen), Edelmetallbearbeiter (62), Hersteller von Baubedarfsartikel aus Kunststoffen (50), Dämmstoffen (48) und Fertigbauteile (46).

Branchen mit geringem Insolvenzrisiko

Inkassobüros gelten dagegen nach den genossenschaftlichen Kreditinstituten und Tierarztpraxen als Dienstleister mit den relativ wenigsten Insolvenzen.

2009 stellten auch so namhafte Warenhausketten wie Woolworth und Karstadt (Arcandor) den Insolvenzantrag. Von der Insolvenz betroffen war auch das zur Arcandor-Gruppe gehörende Versandhändler Quelle. Das Versandunternehmen wurde aufgelöst und in Teilen verkauft, die Marke "Quelle" gehört heute der Otto Group.

Das Risiko einer Unternehmensinsolvenz besteht für Verbraucher vor allem dann, wenn sie finanziell in Vorleistung gehen. Besonders Branchen mit hohem Anteil an Vorauskasse wie Versandhandel, Energieversorger oder Netzanbieter sowie Branchen mit hohen Kaufsummen wie Bauträger und Bauunternehmen bergen für Verbrauchen Risiken.

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