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19.10.2011

11:32 Uhr

Streitfall des Tages

Wie man den Staat an den Umzugskosten beteiligt

VonBarbara Moormann

Wer mag schon Umzüge? Wenn man doppelt Miete und noch vieles mehr zahlen muss, wird das teuer. Wer wegen eines Jobwechsels umzieht, kann zwar vieles absetzen. Aber Vorsicht: Schwarzarbeit kann gefährlich werden.

Der Schmu des Tages. Illustration: Tobias Wandres

In der Rubrik "Der Streitfall des Tages" analysiert Handelsblatt Online eine Gaunerei oder ein Ärgernis aus Bereichen des Wirtschaftslebens. Betroffene erhalten konkrete Unterstützung, können ihren Fall öffentlich machen und mit Gleichgesinnten diskutieren. Illustration: Tobias Wandres.

Der Fall

Er wohnte einst in X. Dann zog er wegen eines neuen Jobs nach Y. Dort mietete er eine 165 Quadratmeter große Wohnung, genau zu dem Tag, an dem er auch seinen neuen Job antrat. Gleichzeitig zahlte er aber auch für zwei Monate Miete für die Wohnung in Y. Er dachte kurz nach und schrieb diese Kosten für die Y-Wohnung in voller Höhe als Werbungskosten in seine Steuererklärung. Es ging immerhin um 2.281 Euro.

Die Gegenseite

So nicht, meinte der Fiskus. Der zuständige Finanzbeamte akzeptierte unter Hinweis auf eine doppelte Haushaltsführung nur anteilige Kosten für 60 Quadratmeter Wohnfläche. Die Argumentation: Der Umzügler habe bis zum Nachzug seiner Familie einen doppelten Haushalt geführt. Folglich sei der Abzug der Mietaufwendungen auf das für eine Person Notwendige begrenzt. Will heißen: auf eine 60 Quadratmeter große Wohnung zu dem ortsüblich durchschnittlichen Mietzins.

Die Relevanz

Jedes Jahr ziehen in Deutschland rund zwölf Prozent aller Haushalte um. Zumindest war das im Jahr 2007 so, nach einer Studie der Umzug AG. Konkret wechseln fast fünf Millionen Haushalte jährlich ihren Wohnort. Das sind wiederum  8.415.032 Personen. Und nicht jeder schafft es ordnungsgemäß zu kündigen, so dass Doppelmieten immer wieder anfallen. Denn nur rund 50 Prozent der Umziehenden, plant den Umzug im Zeitraum von ein bis drei Monaten im Voraus. Damit ist klar, dass der Rest meist doppelt Miete zahlen muss.

Umzug und Steuern

Pauschalen

Wer nicht alles einzeln in seiner Steuererklärung auflisten will, kann auch eine Pauschale geltend machen. Er braucht dann nichts mit einzelnen Belegen nachweisen. Der Pauschbetrag beträgt für Ledige 641 Euro.

Erstattungen vom Arbeitgeber

Erstattet der Arbeitgeber Umzugskosten, so bleibt der erstattete Betrag bis zur Höhe des Pauschbetrages lohnsteuerfrei. Der Betroffene muss dann seinem Arbeitgeber Unterlagen vorlegen, aus denen die tatsächlichen Aufwendungen sind. Der Arbeitgeber wiederum hat diese Unterlagen als Belege zum Lohnkonto aufzubewahren. Übersteigen die Umzugskosten den Erstattungsbetrag, kann der Arbeitnehmer die höheren Aufwendungen als Werbungskosten absetzen.

Rechnungen

Gerade bei privaten Umzügen ist folgendes zu beachten: Der Fiskus erkennt die Kosten nur dann an, wenn eine Rechnung vorgelegt wird und die Zahlung auf das Konto des Umzugsunternehmens nachgewiesen werden kann. Da nur die Arbeitskosten und die darauf entfallende Umsatzsteuer berücksichtigt werden, muss deren Anteil grundsätzlich getrennt von eventuell angefallenen Materialkosten in der Rechnung gesondert ausgewiesen sein.

Nachweise

Wenn man die Kosten steuerlich geltend machen möchte, ist es ratsam die Fahrten zu beispielsweise Besichtigungsterminen oder Treffen mit  Maklern genau aufzuschreiben und alle Belege dazu aufzuheben. So lassen sich die Gegebenheiten nachvollziehen und gegenüber der Finanzverwaltung glaubhaft machen.

Obergrenzen

Bei den absetzbaren Reisekosten gelten Obergrenzen. Steuerlich absetzbar sind die Reisekosten vom bisherigen zum neuen Wohnort. Fahrtkosten werden jedoch nur bis zur Höhe der billigsten Fahrkarte der allgemein niedrigsten Klasse eines regelmäßig verkehrenden Beförderungsmittels berücksichtigt. Tage- und Übernachtungsgeld werden in diesem Fall höchstens für zwei Reisetage und zwei Aufenthaltstage anerkannt.

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