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07.11.2011

09:34 Uhr

Streitfall des Tages

Wie Sie sich gegen Beleidigungen im Internet wehren

VonBarbara Moormann

Anonyme Schreiber ruinieren im Internet mit zweifelhaften Beiträgen den Ruf von Unschuldigen. Solche Online-Verleumdungen können böse Folgen haben. Doch Betroffene können sich wehren und sogar Google verklagen.

Der Schmu des Tages. Illustration: Tobias Wandres

In der Rubrik "Der Streitfall des Tages" analysiert Handelsblatt Online eine Gaunerei oder ein Ärgernis aus Bereichen des Wirtschaftslebens. Betroffene erhalten konkrete Unterstützung, können ihren Fall öffentlich machen und mit Gleichgesinnten diskutieren. Illustration: Tobias Wandres.



Der Fall


Für viele wird das Internet zum Pranger. Als ein Geschäftsmann seinen Namen googelte, fand er zahlreiche Beleidigungen. Auch sein Geschäftsgebaren wurde fälschlich scharf kritisiert. Damit nicht genug: Ein anonymer Nutzer behauptete, er würde seine Visa-Card zur Begleichung von Sex-Rechnungen nutzen.

Solche Äußerungen seien unwahr und ehrenrührig befand der Unternehmer. Der Bloßgestellte fühlte sich in seinen Persönlichkeitsrechten verletzt. Beleidigungen und Falschbehauptungen über sein Geschäftsgebaren und angebliche privaten Vorlieben können unkalkulierbare Folgen haben. Der Mann musste sich wehren.

Die Gegenseite


Besagter Geschäftsmann verklagte daraufhin niemanden geringeren als den Provider Google. So stellt die Firma mit Sitz in Kalifornien die technische Infrastruktur und den Speicherplatz für eine Website und für die unter einer Webadresseeingerichteten Blogs zur Verfügung.

Genau hier hatte die Beleidigung stattgefunden. Hinsichtlich der Blogs, journal- oder tagebuchartig angelegten Webseiten, fungiert Google nämlich als so genannter „Hostprovider“. Seitens Google wurde, wie sollte es anders sein, die Abweisung der Klage beantragt.

Der Streitfall des Tages: Wenn Facebook den Ruf ruiniert

Der Streitfall des Tages

Wenn Facebook den Ruf ruiniert

Viele Facebook-Nutzer finden sich plötzlich in zweifelhafter Gesellschaft wieder. Freunde können Mitglieder ohne Zustimmung bei Hooligan- Sex- oder Nazi-Gruppen einsortieren. Das kann für Betroffene böse Folgen haben.

Die Relevanz


Das Internet ist auf dem Vormarsch. Und je mehr User es gibt umso folgenreicher können dort verbreitete Beleidigungen sein. So sind laut aktueller ARD/ZDF-Onlinestudie 51,7 Millionen Deutsche inzwischen online. Innerhalb eines Jahres sind 2,7 Millionen neue Nutzer hinzugekommen. Immerhin suchen 20 Prozent nach den Unternehmensprofilen in einschlägigen sozialen Netzwerken. Nicht gut, wenn dort dann üble und unzutreffende Kommentare über die Firmen abgeben werden.

Laut Medienberichten sollen im Jahr 2010 rund 25 Prozent der Nutzer eines sozialen Netzwerks nach eigenen Angaben mit Beleidigungen oder Bedrohungen in Berührung gekommen sein. Auch auf den Seiten www.rufmordopfer.com und www.Internetvictims.de geht es hoch her und Betroffene melden sich zu Wort.

Immerhin sollen nach einer aktuellen Studie auch 28 Prozent aller Personalberater das Internet nutzen, um sich potentielle Bewerber vor einer Anstellung einmal genauer anzusehen. Wenn sie dort dann falsche, unter die Gürtellinie zielende Behauptungen finden, kann das sehr ungute Folgen haben. Gleiches gilt für Firmen, die durch Blogger zu Unrecht in Misskredit gebracht werden.

Was tun, wenn man im Netz bloßgestellt wird

Mögliche Rechtsverletzungen

Nur wenn bestimmte Rechte verletzt werden, können Betroffene sich wehren. Das ist beispielsweise der Fall, wenn Verleumdung, die Verletzung von Persönlichkeitsrechten und die Verletzung des Rechts am eigenen Bild im Raume stehen.

Mobber bekannt

Kennt der Betroffene, denjenigen, der da die Inhalte ins Netz stellte, kann er sich direkt an ihn wenden. Er kann dann eine Abmahnung schreiben. Darin sollte dann stehen, welche Rechte verletzt wurden.

Unterlassungserklärung

Wer den Mobber kennt, sollte ihn in der Abmahnung dann zur Abgabe einer strafbewehrten Unterlassungserklärung auffordern. Hilft das nicht, gibt es noch härtere Gangarten.

Schadensersatz

Blieb die Abmahnung ohne Erfolg hilft eine zivilrechtliche Klage auf Schadenersatz weiter. Meist es das effektiver aller ein Strafverfahren, denn die werden gerne schnell eingestellt.

Vorsicht vor Geschäftemachern

Wer im Netzt ein wenig sucht, findet sehr schnell Angebote, die ihm helfen, seinen Ruf in der virtuellen sauber zu halten. Natürlich gegen Bezahlung. Manche verkaufen das auch als Marketingstrategie für Unternehmen. Wer sich auf so etwas einlässt, sollte vorsichtig sein und die Seriosität solcher Anbieter überprüfen.

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