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08.07.2014

10:51 Uhr

Streitfall

Diese Fallstricke drohen im Home-Office

VonNicole Wildberger

Arbeiten in den eigenen vier Wänden – davon träumen viele Arbeitnehmer. Doch Chefs sind nicht verpflichtet, die Arbeit im Home-Office anzubieten. Wer das nutzt, muss einiges beachten, damit es ein Traumjob bleibt.

Zu Hause arbeiten schafft Freiheiten, es gibt aber auch zahlreiche Pflichten. gms

Zu Hause arbeiten schafft Freiheiten, es gibt aber auch zahlreiche Pflichten.

Sabine W. (richtiger Name der Redaktion bekannt) freute sich riesig – ihr Arbeitgeber, ein großer Verlag, hatte der Einrichtung eines Heimarbeitsplatzes für drei Tage die Woche zugestimmt, nur einen Tag sollte sie im Verlagshaus selbst arbeiten. Dank dieser Regelung glaubte die 34-Jährige, dass sie Sohn, Ehemann, Haushalt und Arbeit besser unter einen Hut bekommen würde. Der Computer steht zu Hause, lange Fahrzeiten entfallen und wirkliche Konzentration auf die eigentliche Arbeitsaufgabe Texten und Korrigieren schien besser möglich.

Doch die Praxis sah anders aus: Absprachen mit Kollegen gelangen nicht, am heimischen Arbeitsplatz wurde sie häufig von der Familie gestört – und letztlich war sie an zwei Tagen, an denen im Verlag Präsenzpflicht vereinbart war, wegen falscher Absprachen nicht anwesend. Der Arbeitgeber reagierte mit einer Abmahnung, nach nochmaligem Fehlen mit einer Kündigung. Der Weg vor das Arbeitsgericht ist absehbar.

Zu Hause arbeiten – dank immer besserer Internetverbindungen scheint das insbesondere bei PC-Arbeitsplätzen für viele Arbeitnehmer das ideale Modell, um Familie und Beruf besser unter einen Hut zu bekommen. Auch für den Arbeitgeber kann das seinen Reiz haben, spart er doch fixe Büro-Kosten. Viele Mitarbeiter aus den Abteilungen Vertrieb und Außendienst erledigten die Kommunikation mit dem Arbeitgeber traditionell häufig vom heimischen Büro aus. Doch was als ideale Lösung daherkommt, sollte gut überlegt und exakt zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer abgesprochen sein. Ansonsten drohen erhebliche Auseinandersetzungen.

Anders als bei Teilzeitarbeit gibt es beim Arbeiten im Home-Office keinen gesetzlich verankerten Anspruch darauf, die eigenen Arbeitsaufgaben ganz oder teilweise vom heimischen Schreibtisch aus zu erledigen. Manchmal finden sich entsprechende Regelungen im jeweiligen Tarifvertrag oder Arbeitgeber und Betriebsrat haben die Option der Heimarbeit in einer Betriebsvereinbarung geregelt.

Home-Office in der Mietwohnung

Mitarbeiter im Home-Office

Grundsatzurteil des BGH, AZ VIII ZR 165/08 besagt, dass die Tätigkeit im Home-Office nicht dem Charakter der Räume als Wohnung zuwiderlaufen darf – dann bewegt sich der Mieter noch im Rahmen der so genannten vertragsgemäßen Nutzung. Entscheidend ist, dass die berufliche Tätigkeit des Mieters nicht nach außen in Erscheinung tritt.

Mitarbeiter II

Im entschiedenen Fall hatte der Beklagte für sich und seine Familie eine Zweizimmerwohnung gemietet, die laut Mietvertrag ausdrücklich „zu Wohnzwecken“ gemietet wurde. Der Beklagte war allerdings als selbstständiger Immobilienmakler von seiner Wohnung aus tätig. Da er dabei auch Mitarbeiter beschäftigte, war die Kündigung des Vermieters nach Ansicht der BGH rechtens.

Kunden im Home-Office

In fortlaufender Rechtsprechung entscheid der BGH im Jahr 2013 (BGH, AZ VIII ZR 213/12), dass ein Musiklehrer, der an drei Tagen in der Woche für 12 Schüler Gitarrenunterricht erteilt, seine Wohnung nicht zu Wohnzwecken nutzt und die Kündigung mit anschließender Räumungsklage rechtens sei.

Kinderbetreuung

Auch wer in seiner Mietwohnung als Tagesmutter fremde Kinder betreuen möchte, kann das in der Regel nicht ohne vorherige Erlaubnis des Vermieters tun, urteilte der BGH (AZ V ZR 204/11). Die Betreuung von ein bis fünf Kindern in der Wohnung sei eine teil-gewerbliche Nutzung, die nicht mehr mit dem Wohnzweck vereinbar sei.

Interessierte sollten also zunächst bei ihrem Arbeitgeber oder der Arbeitnehmervertretung nachfragen, wie das Thema „Home-Office“ im eigenen Betrieb geregelt ist. „Der Betriebsrat hat ein erzwingbares Mitbestimmungsrecht in Fragen der Arbeitszeit, Zeiterfassung und bei technischen Einrichtungen, die zur technischen Überwachung des Arbeitnehmers geeignet sein können – also bei jedem Computer, erklärt Antje-Kathrin Uhl, Fachanwältin für Arbeitsrecht und Partnerin in der Stuttgarter Kanzlei CMS Hasche Sigle.

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