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11.08.2016

16:25 Uhr

Strom und Gas

Deutsche Verbraucher zahlen Milliarden Euro zu viel

Schon länger raten Verbraucherschützer, jährlich den Energietarif zu überprüfen – oft lässt sich so eine Menge Geld sparen. Einer Studie zufolge zahlen wechselunwillige Verbraucher bis zu zehn Milliarden Euro zu viel.

Viele Verbraucher zahlen zu viel, weil sie bei ihren alten, zu teuren Tarifen bleiben. dpa

Gaspreis

Viele Verbraucher zahlen zu viel, weil sie bei ihren alten, zu teuren Tarifen bleiben.

BerlinDeutschlands Verbraucher könnten einer Analyse zufolge Milliarden sparen, wenn sie in günstigere Strom- und Gastarife wechseln würden. Allein beim Strom kämen pro Jahr rund 5,6 Milliarden Euro zusammen, berechnete das Vergleichsportal Verivox. Beim Gas belaufe sich das Einsparpotenzial auf jährlich rund 4,4 Milliarden Euro. Verbraucherschützer raten, jedes Jahr die Energietarife zu prüfen.

Ein zentraler Grund für die hohen Sparmöglichkeiten bei Strom und Gas ist laut den Verivox-Angaben vom Donnerstag, dass rund ein Drittel aller Stromkunden und ein Viertel der Gaskunden ihre Energie im sogenannten Grundversorgungstarif beziehen. Dabei handelt es sich um Tarife, zu denen der lokal stärkste Versorger grundsätzlich jeden Kunden in seinem Einzugsgebiet mit Strom oder Gas beliefern müssen. Wer überhaupt noch nie den Tarif oder den Anbieter gewechselt hat, zahlt für gewöhnlich den – vergleichsweise teuren – Grundversorgungstarif.

Beim Strom kostet laut Verivox der Grundversorgungstarif in einer Gemeinde im Jahr durchschnittlich 172 Euro mehr als das jeweils günstigste verfügbare Alternativangebot, bei einem Verbrauch von 2400 Kilowattstunden. Bei 15,4 Millionen Kunden im Grundversorgungstarif ergebe sich somit ein Sparpotenzial von rund 2,7 Milliarden Euro.

Beim Gas beträgt der durchschnittliche Tarifunterschied den Angaben zufolge 441 Euro im Jahr; die rund 3,1 Millionen Gaskunden in der Grundversorgung könnten somit 1,3 Milliarden Euro im Jahr sparen. Hier wurde ein Verbrauch von 15.000 Kilowattstunden zugrunde gelegt.

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Verivox betrachtete außerdem Kunden, die zwar noch beim örtlichen Versorger Strom oder Gas beziehen, jedoch den Tarif mindestens einmal gewechselt haben. Bei diesen sogenannten Sondervertragskunden sieht das Portal Sparmöglichkeiten von rund 2,9 Milliarden Euro beim Strom und 3,1 Milliarden Euro beim Gas. Da Sondervertragskunden den Angaben zufolge zudem mehr Energie verbrauchen als Bezieher in der Grundversorgung, ging das Portal hier von einem Jahresverbrauch von 3600 Kilowattstunden beim Strom und 30.000 Kilowattstunden beim Gas aus.

„Die Preisspanne zwischen teuren und günstigen Angeboten zeigt, dass der Wettbewerb auf dem Energiemarkt wirkt“, erklärte Jan Lengerke von Verivox. Würden allein jene Verbraucher, die noch in der teuren Grundversorgung sind, diese Preisunterschiede nutzen, könnten sie zusammen bis zu vier Milliarden Euro pro Jahr einsparen.“

Die Energie-Expertin der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen, Christina Wallraf, sagte den Zeitungen der Funke-Mediengruppe, bei Berechnungen für das Bundesland hätten sich „sehr ähnliche Größenordnungen abgezeichnet“. Sie empfahl Haushalten, einmal pro Jahr die Energietarife zu überprüfen.

Von

afp

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