Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

31.05.2012

10:00 Uhr

Studie

Die Erbschaftswelle rollt

VonJessica Schwarzer

In den kommenden Jahrzehnten wird in Deutschland so viel wie nie vererbt. Eine Studie der Postbank zeigt, was die Deutschen erben, wie sie auf den Erbfall vorbereitet sind und warum es so häufig Streit ums Erbe gibt.

Testament: Keine Vorsorge für den Todesfall zu treffen, kann unangenehme Folgen haben. dpa

Testament: Keine Vorsorge für den Todesfall zu treffen, kann unangenehme Folgen haben.

DüsseldorfMehr als jede fünfte Erbschaft in Deutschland wird künftig sechsstellig sein. Und die Chance, ein Eigenheim zu erben, verdoppelt sich. Das ist das Ergebnis einer repräsentativen Studie der Postbank in Zusammenarbeit mit dem Institut Allensbach. „Das Erbvolumen wird drastisch und auf ein historisches Niveau steigen“, sagt Michael Meyer, Retailvorstand der Postbank.

Bisher sei gut die Hälfte aller Erbschaften in Deutschland maximal 25.000 Euro wert gewesen. Nachlässe dieser Größenordnung werden künftig aber nur noch fast ein Viertel so häufig vorkommen. Dafür nimmt die Zahl der Erbschaften im Wert von mindestens 100.000 Euro um fünfzig Prozent zu. Die Deutschen sind ein Volk von Erben.

Der Erben-Report: Die Prasser, die Labilen und die Gierigen

Der Erben-Report

Die Prasser, die Labilen und die Gierigen

Ein Blick hinter die Kulissen der sonst so verschwiegenen wohlhabenden Familien: Fünf spektakuläre Fälle zeigen, mit welchen Problemen Erben zu kämpfen haben, wenn der Nachlass nicht sorgfältig geregelt wurde.

Ablesen lässt sich das auch am Erbschaftssteueraufkommen. Nach Zahlen des statistischen Bundesamtes Destatis und des Arbeitskreises Steuerschätzung zahlten die Bundesbürger im vergangenen Jahr 4,246 Milliarden Euro Erbschaftssteuer. Im Jahr 2016 dürfte diese Summe auf 4,661 Milliarden Euro ansteigen.

Bargeld spielt bei Erbschaften allerdings immer seltener eine Rolle. Die Deutschen setzen immer öfter auf das Eigenheim. Das Immobilienvermögen der 65-Jahrigen und Älteren wird sich bis 2030 glatt verdoppeln. Kein Wunder, dass Häuser und Wohnungen künftig in zwei von drei Erbschaftsfällen eine Rolle spielen. Die Häufigkeit, ein Eigenheim zu erben, wird sich damit verdoppeln.

Fast jeder Immobilienbesitzer schätzt, dass sein Haus oder seine Wohnung mindestens eine Viertel Million Euro wert ist. „Mancher mag ja bei der Schätzung daneben liegen“, sagt Meyer. „Doch selbst mit einem hohen Abschlag bleibt durch die Vielzahl der Fälle ein riesiges zukünftiges Volumen an vererbten Immobilienwerten.“ Die Bundesbank schätzt den Wert aller privaten Immobilien in Deutschland auf rund 5.200 Milliarden Euro. Bei etwa 19 Millionen Haushalten mit Immobilienbesitz ergibt dies rechnerisch tatsächlich ein Mittelwert von 260.000 Euro. Davon müssen allerdings die laufenden Kredite noch abgezogen werden.

Fallstricke

Erbfolge

Ohne Testament gilt die gesetzliche Erbfolge. „Stirbt ein Ehepartner, erbt der überlebende Partner“, erklärt Thomas Diehn, Geschäftsführer der Bundesnotarkammer. „Gibt es Kinder – egal, ob ehelich oder unehelich – erben diese ebenfalls.“ Dann bekommt der Ehepartner 50 Prozent und die Kinder teilen sich die verbleibenden 50 Prozent zu gleichen Teilen. Bestand beim Erbfall Gütertrennung, hätten die dritte Ehefrau und die beiden Kinder je ein Drittel geerbt. Gibt es weder Ehepartner noch Kinder, erben die Eltern des Verstorbenen. Sie sind übrigens auch Erben, wenn der Verstorbene verheiratet war, aber keine Kinder hatte. „Ohne gültiges Testament kann es dann zu ungewollten Erbengemeinschaften kommen“, so Diehn. „Die Eltern müssen sich dann mit ihrer Schwiegertochter oder ihrem Schwiegersohn einigen – nicht immer eine einfache Konstellation.“ Das lässt sich durch eine intelligente Nachlassplanung vermeiden.

Teurer Erbschein

Liegt ein Testament vor, muss kein Erbschein beim Nachlassgericht erstellt werden. Dieser Erbschein ist übrigens deutlich teurer als ein Testament beim Notar. Wer einen Nachlass über 200.000 Euro regelt, zahlt beim Notar 424 Euro für ein Testament. Der Erbschein kostet mindestens 714 Euro, die mit einer notariellen Urkunde gespart werden können.

Verschwundener letzter Wille

Erben müssen wissen, dass es ein Testament gibt und wo sie es finden. Wer sein Testament beim Notar oder Amtsgericht hinterlegt, kann dies im „zentralen Testamentsregister“ (ZTR) registrieren lassen. Die Registrierung kostet einmalig 15 beziehungsweise 18 Euro. „Es soll vor allem gewährleisten, dass ein Testament im Erbfall auch schnell gefunden wird“, sagt Diehn.

Berliner Testament

Wählen Eheleute ein Berliner Testament, dann setzen sie sich gegenseitig als Alleinerben ein. Sind beide tot, erben die Kinder zu gleichen Teilen. Wichtig: Der überlebende Elternteil kann diese Quote nicht verändern. Es sei denn, es gibt eine entsprechende Klausel, die dies erlaubt. Auch ein neues Testament des länger Lebenden gilt nicht – das Berliner Testament geht immer vor.

Erbengemeinschaft

In vielen Fällen kommt es zu den so unbeliebten Erbengemeinschaften. Drei Geschwister erben beispielsweise gemeinsam ein Miethaus, das Haus der Eltern und ein Barvermögen. Das lässt sich durch Testamente steuern beziehungsweise intelligent aufteilen.

Kommentare (21)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Account gelöscht!

31.05.2012, 10:38 Uhr

Um die Einnahmen aus diesen Erbschaften für den Staat so gering wi emöglich zu halten hat die Partei der Besserverdienenden im gesetz der Steuergeschenke für Hoteliers auch die Absenkung der Erbschaftssteuer für vermögen > 1Mio€ auf einen internationalen Niedrigstsand verankert.

Die entgangenen Steuern müssen nun die arbeitenden Bürger über verbrauchssteuern und Abgaben erbringen.

Und die Medien wurden auch gut abgelenkt. Von Zeit zu Zeit regt mansich über die geschenke der FDP an die Hoteliers auf, die Steuergeschenke an reiche Erben hat man vergessen!

John

31.05.2012, 10:51 Uhr

Eine vom Staat erhobene Todessteuer ist asozial und pervers.

Auch hier gilt : Wird der verkommene Staat zu dummgeil und gierig,bekommt er gar nichts.

Die Menschen ziehen dorthin,wo vernünftige Zustände herrschen.

Privatier

31.05.2012, 11:03 Uhr

Da könnte der Staat ansetzen. Steuern auf Arbeit total runter auf Null! Dafür Erbschaftssteuer, über einem großzügigen Freibetrag, rauf auf 70%.
Nach dem Motto: lasst es den arbeitenden Lebenden, die Toten nehmen nichts mit. Wer's zu Lebzeiten nicht ausgibt ist selber schuld.
Dann würde sich Arbeit auch wieder lohnen!
Gleichzeitig würde die Anhäufung von Megavermögen von Wenigen, die volkswirtschaftlich total schädlich sind, erschwert.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×