Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

11.06.2014

15:22 Uhr

Sturmschäden

„Manche Baumbesitzer sind selbst Schuld“

VonKatharina Schneider

In NRW laufen nach dem Unwetter die Aufräumarbeiten. Umgestürzte Bäume und abgebrochene Äste sind auf Straßen, Häusern und Autos gelandet. Rechtsanwalt Gerold Happ erklärt, welche Versicherung die Schäden zahlt.

Schäden durch umgestürzte Bäume sollten schnell der Versicherung gemeldet werden. dpa

Schäden durch umgestürzte Bäume sollten schnell der Versicherung gemeldet werden.

Bei dem schweren Unwetter in Nordrhein-Westfalen sind Hunderte Bäume umgestürzt. Diese haben nicht nur die Straßen blockiert, sondern auch Schäden an Häusern, in Gärten und Autos verursacht. Für viele Betroffene stellt sich nun die Frage: Wer zahlt eigentlich den Schaden? Gerold Happ, Rechtsanwalt und Versicherungsexperte von Haus & Grund kennt die Antwort.

Herr Happ, welche Versicherung muss zahlen, wenn ein Baum in meinem Garten umgestürzt ist?
Das kommt darauf an, wohin der Baum gefallen ist. Hat er das eigene Haus beschädigt, ist die Gebäudeversicherung zuständig. Wurde das Haus des Nachbarn getroffen, ist das ein Fall für die Eigentümerhaftpflicht – oder teils auch Grundbesitzerhaftpflicht genannt.

Gerold Happ ist Rechtsanwalt und Geschäftsführer beim Eigentümerverband Haus & Grund.

Gerold Happ ist Rechtsanwalt und Geschäftsführer beim Eigentümerverband Haus & Grund.

Welche Voraussetzungen müssen erfüllt sein, damit die Versicherung tatsächlich zahlt?
Bei der Gebäudeversicherung lautet die entscheidende Frage, ob es tatsächlich stürmisch war. Ein Sturm beginnt bei Windstärke acht, also einer Windgeschwindigkeit von 63 Kilometern pro Stunde. Grundsätzlich sind nur Sturmschäden versichert.

Bei Sturm muss die Wohngebäudeversicherung also immer zahlen?
Nicht unbedingt. Zuvor stellt sich die Frage, ob der Baumbesitzer den Schaden selbst vertreten muss. Selbst Schuld wäre er zum Beispiel dann, wenn er kurz zuvor direkt neben dem Baum einen Pool gebaut hätte und dabei einen Großteil des Wurzelwerks zerstört hätte, so dass der Baum nicht mehr richtig im Boden verankert ist. Auch, wenn er weiß, dass der Baum morsch ist, ist er selbst verantwortlich.

Schwierige Unwetterwarnungen

Kommunikation durch den DWD

Katastrophenschutz, Medien und Bürger sind Adressaten der Unwetterwarnungen des Deutschen Wetterdienstes (DWD). Amtliche Warnungen, die in Deutschland allein Sache des DWD seien, gingen immer an das Technische Hilfswerk, Feuerwehr-Leitstellen, das Rote Kreuz und das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe, sagte DWD-Sprecher Uwe Kirsche. Außerdem seien alle Medien in Deutschland Empfänger der Warnungen

Unwetter-Newsletter

Zusätzlich erhielten rund 60 000 Empfänger die Warnungen per E-mail - diese Unwetter-Newsletter seien beispielsweise für interessierte Bürger gedacht. Seit 2011 informiere der DWD außerdem auf Facebook über drohende Gefahren - am Pfingstwochenende sei die Zahl der Facebook-Freunde um 4000 auf jetzt über 50 000 gestiegen. Im Internet bietet der DWD eine Warnseite.

Vier-Stufen-System

Gewarnt wird bis auf Landkreisebene vor gefährlichen Wettererscheinungen - etwa Hitze oder Sturm, Stark- oder Dauerregen, Schneefall, Schneeverwehungen, Glätte, Tauwetter, Nebel oder Frost. In vier Stufen wird auf Gefahren aufmerksam gemacht: Von der „Wetterwarnung“ (auf der Karte im Internet hellgelb) über die „Warnung vor markantem Wetter“ (orange) bis zur „Unwetterwarnung“ (rot) und „Warnung vor extremem Unwetter“ (dunkelviolett). Diese letzte Stufe werde nur etwa ein Dutzend Mal im Jahr ausgerufen, sagte Kirsche. Am Montagabend galt sie für Teile Nordrhein-Westfalens.

Schwierige Prognosen

In der Regel könne der DWD maximal zehn Stunden im Voraus warnen - bei kleinräumigen Gewittern aber manchmal erst 30 Minuten, bevor der erste Tropfen fällt, sagte Kirsche. Punktgenaue Gewitter-Prognosen gehören nach Aussagen der Meteorologen zu den schwierigsten Aufgaben.

Opfer sind nicht zu verhindern

Trotz ausführlicher Warnungen vor Unwettern sind aus der Sicht des DWD Opfer nicht zu verhindern. Und der volkswirtschaftliche Nutzen des Warnsystems sei schwierig zu beziffern, sagte Kirsche. „Das ist eine der schwierigsten Berechnungen überhaupt.“ Es sei unmöglich zu sagen, wie viele Menschen wegen der Warnung zu Hause geblieben sind.

Nicht jeder Hausbesitzer ist auch Baumexperte, in welchem Fall muss er erkennen, dass der Baum morsch ist?
Der Hausbesitzer ist nur dann selbst Schuld, wenn er seine Sorgfaltspflicht verletzt hat, da er über den schlechten Zustand des Baums Bescheid wissen musste. Wenn zuvor schon Äste abgebrochen sind, der Baum keine Blätter mehr hatte oder der Besitzer von der Gemeinde schon aufgefordert, den Baum zu fällen, kann er sich nicht herausreden. Er muss aber nicht regelmäßig einen Gärtner kommen lassen muss, der die Bäume genau inspiziert.

In NRW wurden manche Bäume komplett entwurzelt, andere sind abgebrochen oder haben nur einzelne Äste verloren. Macht das für den Versicherungsschutz einen Unterschied?
Wenn die Versicherung die Leistung verweigert, weil der Baum „nur“ abgebrochen ist und nicht entwurzelt wurde, sollte der Hausbesitzer auf jeden Fall Widerspruch einlegen. Schließlich gibt es Unterschiede zwischen den Baumarten und das Wurzelwerk ist mal mehr, mal weniger umfangreich. Und selbst wenn der Baum morsch war, muss die Versicherung nachweisen, dass der Hausbesitzer das wissen musste.

Kommentare (1)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Account gelöscht!

11.06.2014, 18:59 Uhr

Bitte entschuldigen Sie meinen Kommentar. Diesen Bericht halte ich für völligen Unsinn. Liebes Handelsblatt, bitte prüfen Sie, ob die Menschen die für Sie schreiben auch Kenntnis von den Dingen haben, über die sie schreiben.
Warum:
Um einen Anspruch aus der Haus-und Grundbesitzerhaftpflichtversicherung generieren zu können, muss der Geschädigte (Hausbesitzer) dem Schädiger (Nachbar), also in diesem Fall dem Baumbesitzer, ein Verschulden nachweisen. Ein Sturm ist üblicherweise "höhere Gewalt", so dass dieser Nachweis nur schwer zu führen ist. Im Übrigen würde die Haftpflichtversicherung nicht den Neuwert (wie eine Gebäudeversicherung) begleichen, sondern nur den sog. Zeitwert. Von daher ist es immer ratsam seine Gebäudeversicherung in Anspruch zu nehmen, denn die zahlt auch ohne Verschulden. Ein Verschulden des Hauseigentümers wird nur dann angerechnet, wenn es sich um grobe Fahrlässigkeit des Versicherungsnehmers (nicht des Nachbarn) handelt. Auch hier wird der Versicherer es aber schwer haben das nachzuweisen.
Den Unsinn mit dem Rückgriff des Haftpflichtversicherers bei Verschulden des VN will ich hier gar nicht kommentieren.

Zum Schluss nur noch ein Hinweis an den Rechtsanwalt Happ: Bitte beschränken Sie sich auf das, was Sie sicherlich gut können. Nämlich in Miet-und Eigentumsfragen zu beraten. Nur Versicherungen sind eine ganz andere Sache.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×