Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

14.07.2016

12:24 Uhr

S&K-Prozess

Ein Teilgeständnis und vier Befangenheitsanträge

VonKatharina Schneider

Am letzten Verhandlungstag vor der Sommerpause brauchten die Beteiligten im S&K-Prozess gutes Sitzfleisch – erst nach rund elf Stunden war Feierabend. Ob die Richter im August wieder antreten dürfen, ist fraglich.

Schon seit September 2015 stehen die sechs Angeklagten vor Gericht. dpa

S&K-Betrugsprozess in Frankfurt

Schon seit September 2015 stehen die sechs Angeklagten vor Gericht.

FrankfurtDer Prozess um die Frankfurter Immobilien-Gruppe S&K geht mit neuen Superlativen in die vierwöchige Sommerpause: Nach knapp elf Stunden Bruttoverhandlungszeit – abzüglich einiger Pausen – standen am Mittwochabend gegen 20.30 Uhr vier Befangenheitsanträge gegen Richter und Schöffen im Raum. Unklar ist nun, ob die Richter der 28. Wirtschaftsstrafkammer des Frankfurter Landgerichts nach den Ferien weitermachen dürfen. Schelte hatten sie sich unter anderem deshalb eingefangen, weil sie die Ausführungen des S&K-Gründers Jonas Köller unterbrachen, damit ein anderer Angeklagter so etwas wie in Geständnis abgeben konnte.

Die sechs Angeklagten müssen sich bereits seit September vergangenen Jahres vor dem Frankfurter Landgericht verantworten. Sie sollen mit einem verschachtelten Firmen- und Beteiligungssystem etwa 11.000 Anleger um mindestens 240 Millionen Euro gebracht haben. In der mehr als 1.750-seitigen Anklageschrift werfen ihnen die Staatsanwälte schweren bandenmäßigen Betrug und ebensolche Untreue vor. Bereits im Februar 2013 waren sie nach einer großangelegten Razzia in Untersuchungshaft gekommen.

S&K in Zahlen

240.000.000

Nach Angaben der Staatsanwaltschaft Frankfurt sollen die S&K-Gründer und ihre Komplizen Anleger um mindestens 240 Millionen Euro gebracht haben.

11.000

Die S&K-Unternehmensgruppe verfolgte unterschiedliche Geschäftsmodelle. Beispielsweise wurden geschlossene Fonds aufgelegt und Rückzahlungsansprüche von Lebensversicherungskunden erworben. Laut Staatsanwaltschaft Frankfurt sollen rund 11.000 Anleger geschädigt worden sein.

3150

Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft Frankfurt umfasst 3150 Seiten. Darin wurden sieben Personen angeschuldigt. Das Verfahren gegen den Rechtsanwalt und Notar Igor P. wurde vom Landgericht Frankfurt jedoch abgetrennt.

2200

Nach Angaben hat die Staatsanwaltschaft Frankfurt wurden bei den Ermittlungen 2200 Bankkonten ausgewertet.

1774

Zu Beginn der Hauptverhandlung muss ein Teil der Anklageschrift verlesen werden. Dieser sogenannte Anklagesatz umfasst rund 1774 Seiten.

1200

Am 19. Februar 2013 waren 1200 Ermittlungsbeamte und 15 Staatsanwälte zu einer deutschlandweiten Razzia gegen die S&K Unternehmensgruppe und verbundene Unternehmen ausgerückt.

150

Zur S&K-Gruppe sollen 150 verbundene Unternehmen gehört haben.

50

Bei Eröffnung der Hauptverhandlung hat die 28. Große Wirtschaftsstrafkammer des Landgerichts Frankfurt zunächst 50 Verhandlungstage angesetzt.

22

Laut Aushang am ersten Verhandlungstag werden die sechs Angeklagten insgesamt von 22 Anwälten vertreten.

9

An der Hauptverhandlung nehmen neun Richter teil: drei Berufsrichter – der Vorsitzende und zwei beisitzende Berufsrichterinnen – sowie zwei Schöffen (Laienrichter). Zudem sind zwei weitere Berufsrichter als sogenannte Ergänzungsrichter und zwei weitere Schöffen als Ergänzungsschöffen vor Ort.

6

Auf der Anklagebank sitzen die beiden S&K-Gründer Stephan Schäfer und Jonas Köller und vier weitere Beteiligte: Der ehemalige leitende S&K-Angestellte Marc-Christian S., der Unternehmer Daniel F. sowie Hauke B. und Thomas G., ehemals Geschäftsführer des Hamburger Fondsemissionshauses United Investors.

Schon seit dem 16. März dieses Jahres wehrt sich Köller im Rahmen einer ausführlichen Stellungnahme gegen die Vorwürfe. Er erklärt etwa die Funktionsweise und die Absichten der Geschäftsmodelle und schildert sein Verhältnis zu Mitgründer Stephan Schäfer sowie den vier anderen Geschäftspartnern. An diesem Mittwoch hätte er damit eigentlich fortfahren sollen, aber nun wollte sich auch der Angeklagte Daniel F. dringend äußern. Nachdem er bereits im Vorfeld bei einem Termin zur Verkündung eines Haftfortdauerbeschlusses eine Stellungnahme vorgetragen hatte, wollte er dies im Sitzungssaal vor allen Richtern und Schöffen wiederholen und Fragen dazu beantworten.

Die Richter der 28. Wirtschaftsstrafkammer gestanden es ihm zu. Die Fürsorgepflicht gebiete das, meinten sie. Köller habe sich bereits an 19 Hauptverhandlungstagen eingelassen und werde noch mehrere weitere Tage benötigen. Vor diesem Hintergrund und wegen der anstehenden Sommerpause sei es Daniel F. nicht zuzumuten, noch zu warten. Ob die teilgeständige Stellungnahme tatsächlich Auswirkungen auf die Haft haben werde, sei noch offen, doch die Haftfrage müsse ständig geprüft werden, sagten die Richter.

Dossier zum Download : Der Aufstieg und Fall von S&K

Dossier zum Download

Premium Der Aufstieg und Fall von S&K

Sie lebten in Prunk und Protz – auf Kosten tausender Anleger: S&K ist einer der spektakulärsten Betrugsfälle in Deutschland. Nun stehen die Chefs vor Gericht. Lesen Sie alles über die Gründer, ihre Masche und ihre Helfer.

F. schilderte dann, wie er im Frühjahr 2011 seine vorherigen Geschäftspartner verlassen hatte und sich auf der Suche nach neuen Kooperationen befand. Über von ihm als „Nachrangvehikel“ bezeichnete Anlageprodukte wollte er Mezzanin-Kapital einwerben. Seine beste Freundin Dorothee Schöneich, die ehemalige Chefin des Magazins „Finanzwelt“, habe ihn dann mit den S&K-Gründern bekannt gemacht. Schnell habe sich daraus eine Zusammenarbeit entwickelt, er habe Anlegergelder eingeworben und diese zunächst als Darlehen an S&K weitergereicht.

Das Geschäftsmodell von S&K habe er bewundert, da der günstige Ankauf und anschließende Weiterverkauf von Immobilien so einfach und gleichzeitig lukrativ gewesen sei. „Ich dachte, endlich einen leistungsfähigen Partner gefunden zu haben“, schilderte F. seine Gedankengänge. Zum heutigen Zeitpunkt sei ihm allerdings bewusst, dass sein Verhalten möglicherweise rechtswidrig gewesen sei. Auch als Zweifel an der Werthaltigkeit der S&K-Immobilien aufgekommen seien, habe er nicht gehandelt. Ab Ende 2012 habe er die Gefährdung von Anlegergeldern in Kauf genommen. „Wäre ich heute nochmal in der Situation, würde ich für alle Immobilien eigene Gutachten erstellen lassen“, beteuerte er.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×