Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

16.02.2016

17:32 Uhr

S&K-Verfahren

„Ich möchte mich bei den Anlegern entschuldigen“

VonKatharina Schneider

Fünf Monate nach Eröffnung der Hauptverhandlung kommen im S&K-Verfahren die beiden angeklagten Hamburger Unternehmer zu Wort. Einer entschuldigte sich bei den Geschädigten, der andere gab sich kämpferisch.

Ein Schild mit der Aufschrift „S&K Sachwert AG“ im Gerichtssaal des Landgerichts in Frankfurt. dpa

S&K-Betrugsprozess in Frankfurt

Ein Schild mit der Aufschrift „S&K Sachwert AG“ im Gerichtssaal des Landgerichts in Frankfurt.

FrankfurtIm Betrugsverfahren um die Frankfurter Immobiliengruppe S&K kommen knapp fünf Monate nach Eröffnung der Hauptverhandlung auch Angeklagte zu Wort. Am Dienstag waren die beiden Hamburger Unternehmer Thomas G. und Hauke B. an der Reihe. Sie waren über das Fondsemissionshaus United Investors mit S&K verbunden.

Ihre Stellungnahmen hätten kaum unterschiedlicher ausfallen können: Der eine hielt sich kurz und gab sich demütig. Der andere klang kämpferisch und verteidigte sich detailliert gegen die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft.

S&K in Zahlen

240.000.000

Nach Angaben der Staatsanwaltschaft Frankfurt sollen die S&K-Gründer und ihre Komplizen Anleger um mindestens 240 Millionen Euro gebracht haben.

11.000

Die S&K-Unternehmensgruppe verfolgte unterschiedliche Geschäftsmodelle. Beispielsweise wurden geschlossene Fonds aufgelegt und Rückzahlungsansprüche von Lebensversicherungskunden erworben. Laut Staatsanwaltschaft Frankfurt sollen rund 11.000 Anleger geschädigt worden sein.

3150

Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft Frankfurt umfasst 3150 Seiten. Darin wurden sieben Personen angeschuldigt. Das Verfahren gegen den Rechtsanwalt und Notar Igor P. wurde vom Landgericht Frankfurt jedoch abgetrennt.

2200

Nach Angaben hat die Staatsanwaltschaft Frankfurt wurden bei den Ermittlungen 2200 Bankkonten ausgewertet.

1774

Zu Beginn der Hauptverhandlung muss ein Teil der Anklageschrift verlesen werden. Dieser sogenannte Anklagesatz umfasst rund 1774 Seiten.

1200

Am 19. Februar 2013 waren 1200 Ermittlungsbeamte und 15 Staatsanwälte zu einer deutschlandweiten Razzia gegen die S&K Unternehmensgruppe und verbundene Unternehmen ausgerückt.

150

Zur S&K-Gruppe sollen 150 verbundene Unternehmen gehört haben.

50

Bei Eröffnung der Hauptverhandlung hat die 28. Große Wirtschaftsstrafkammer des Landgerichts Frankfurt zunächst 50 Verhandlungstage angesetzt.

22

Laut Aushang am ersten Verhandlungstag werden die sechs Angeklagten insgesamt von 22 Anwälten vertreten.

9

An der Hauptverhandlung nehmen neun Richter teil: drei Berufsrichter – der Vorsitzende und zwei beisitzende Berufsrichterinnen – sowie zwei Schöffen (Laienrichter). Zudem sind zwei weitere Berufsrichter als sogenannte Ergänzungsrichter und zwei weitere Schöffen als Ergänzungsschöffen vor Ort.

6

Auf der Anklagebank sitzen die beiden S&K-Gründer Stephan Schäfer und Jonas Köller und vier weitere Beteiligte: Der ehemalige leitende S&K-Angestellte Marc-Christian S., der Unternehmer Daniel F. sowie Hauke B. und Thomas G., ehemals Geschäftsführer des Hamburger Fondsemissionshauses United Investors.

Beinahe auf den Tag genau drei Jahre ist es her, seit die Frankfurter Beamten den Geschäften der S&K-Gruppe und verbundener Unternehmen ein Ende gesetzt haben. Bei einer Großrazzia hatten sie Büros durchsucht und die Firmengründer, Stephan Schäfer und Jonas Köller, sowie weitere Verdächtige festgenommen. Vor dem Landgericht Frankfurt müssen sich die S&K-Gründer und vier Geschäftspartner wegen schweren gewerbs- und bandenmäßigen Betrugs sowie ebensolcher Untreue verantworten. Alle sechs befinden sich seit ihrer Festnahme in Untersuchungshaft.

Thomas G., trug am Dienstag im Wesentlichen seinen Lebenslauf vor, beschrieb seine Ausbildung zum Industriekaufmann, den beruflichen Werdegang mit diversen Positionen in der Baubranche und seine familiären Verhältnisse. Dabei machte er klar, dass er vom Fondsgeschäft eigentlich keine Ahnung gehabt habe. „Ich stand dem Thema geschlossene Fonds ein wenig ängstlich gegenüber“, sagte er. Doch bei United Investors habe er keine Fonds konstruiert, sondern diese lediglich vertrieben. In diese Tätigkeit sei er von dem ebenfalls angeklagten Hauke B. eingearbeitet worden.

Dossier zum Download : Der Aufstieg und Fall von S&K

Dossier zum Download

Premium Der Aufstieg und Fall von S&K

Sie lebten in Prunk und Protz – auf Kosten tausender Anleger: S&K ist einer der spektakulärsten Betrugsfälle in Deutschland. Nun stehen die Chefs vor Gericht. Lesen Sie alles über die Gründer, ihre Masche und ihre Helfer.

Ergänzend fügte G. hinzu: „Ich möchte mich bei allen Anlegern entschuldigen, die ihr Vertrauen in mich gesetzt und Geld verloren haben.“ Doch eine bloße Entschuldigung dürfte den Anlegern nicht reichen. Laut Anklage soll die S&K-Gruppe mit einem verschachtelten Firmen- und Beteiligungssystem mehr als 11.000 Anleger um mindestens 240 Millionen Euro gebracht haben. Vor dem Landgericht Frankfurt müssen sich die S&K-Gründer - Stephan Schäfer und Jonas Köller - sowie vier weitere Männer seit September 2015 wegen schweren gewerbs- und bandenmäßigen Betrugs sowie ebensolcher Untreue verantworten.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×