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22.01.2014

14:18 Uhr

Susanne Klatten rächt sich

Schweigen für Millionen

VonKatharina Schneider

In letzter Minute hat die Quandt-Erbin Susanne Klatten dafür gesorgt, dass ihr Ex-Liebhaber auch noch eine Beugehaft absitzen muss. Er soll verraten, wo ihre Millionen geblieben sind. Das letzte juristische Druckmittel.

Der Antrag auf Erzwingungshaft war ein geschickter Schachzug von Susanne Klatten. ap

Der Antrag auf Erzwingungshaft war ein geschickter Schachzug von Susanne Klatten.

DüsseldorfReden ist Silber, Schweigen ist Gold. Ob so das Credo des Klatten-Erpressers Helg Sgarbi lautet, ist nicht bekannt. Doch der Mann, der von Deutschlands reichster Frau sieben Millionen Euro ergaunerte, scheint sich sehr beharrlich daran zu halten. Lieber verbringt er noch einige Monate mehr im Gefängnis als zu verraten, was er mit dem Geld gemacht hat.

Erzwingungshaft nennen Juristen das letzte Mittel, mit dem Zeugen oder Schuldner zu einer Aussage bewegt werden sollen. Laut Zivilprozessordnung (ZPO, Paragraf 802c) muss ein Schuldner auf Verlangen eines Gerichtsvollziehers Auskunft über seine Vermögensverhältnisse geben. Weigert er sich, kann der Gläubiger bei Gericht einen Haftbefehl gegen den Schuldner erwirken (ZPO, Paragraf 802g). Laut einem Bericht des Magazins Spiegel hat Susanne Klatten genau das getan. Die Folge: Ihr Ex-Liebhaber muss noch länger in Haft bleiben.

„In der Praxis kommt eine solche Beugehaft eher selten vor“, sagt Rechtsanwalt Klaus Leipold aus München. „Wenn Zeugen die Aussage verweigern, obwohl ihnen kein Zeugnisverweigerungsrecht zusteht, reicht häufig schon die Androhung eines Ordnungsgeldes.“ Das darf immerhin bis zu 1000 Euro betragen. Außerdem muss stets auch die Verhältnismäßigkeit einer Haft geprüft werden. Es stellt sich also die Frage, ob die Aussage tatsächlich so wichtig ist, dass sie dieses Mittel rechtfertigt. „Im Fall Klatten sind die Angaben zum Vermögen absolut zentral, deshalb war der Haftbefehl vermutlich recht einfach zu erwirken“, erklärt Leipold.

Die Quandt-Dynastie

Emil Quandt

Die Erfolgsgeschichte der Familie begann mit Emil Quandt, dem zielstrebigen Geschäftsführer der Tuchfabrik Draeger. Dank harter Arbeit und der Ehe mit einer Tuchmacher-Tochter galt er zwar als gesellschaftlich arriviert, dennoch war seine Karriere eher unspektakulär. Aber durch eine präzise Nachfolgeregelung legte Emil den Grundstein für den heutigen Familienbesitz.

Günther Quandt (1881-1954)

Günther Quandt war der älteste Sohn von Emil und ein ganz anderes Naturell als sein Vater. Wo der vorsichtig agierte, griff Günther zu. Er trat energisch auf und wirkte sehr bestimmend auf seine beiden jüngeren Brüder. Der Rahmen eines brandenburgischen Textilherstellers wurde ihm rasch zu eng. Bereits vor dem Ersten Weltkrieg erweiterte er das Unternehmen und danach dehnte er es vor allem durch geschickte Aktiengeschäfte immer weiter aus.

Antonie Ewald (1884-1918)

Günther Quandts erste Ehefrau, die weit ihrer Zeit verschied. Sie zeugte ihm die Kinder Herbert und Hellmut.

Magda Ritschel (1901-1945)

Günthers zweite Ehefrau. Sie ließ sich 1929 scheiden und heiratete zwei Jahre später Joseph Goebbels. Aus der Ehe mit Günther entsprang ein Kind, Harald Quandt. Seine sechs Halbgeschwister tötete Magda 1945 im Führerbunker, damit sie den Untergang der Nazis nicht erleben mussten.

Joseph Goebbels

Mit vielen Nazis pflegte Günther Quandt gute Kontakte, aber Joseph Goebbels hasste er. Die Feindschaft der beiden gründete sich in der Tatsache, dass Goebbels Quandts erste Ehefrau Magda Ritschel geheiratet hatte und es nun einen Rosenkrieg um Harald Quandt gab, den gemeinsamen von Günther und Magda.

Hellmut Quandt (1908-1927)

Günther Quandt hatte seinen ältesten Sohn Hellmut für die Unternehmensnachfolge vorgesehen. Als dieser 1927 unerwartet starb, musste Herbert in die Bresche springen.

Herbert Quandt (1910-1982)

Herbert war als jüngerer Bruder Hellmuts ursprünglich nicht für die Unternehmensnachfolge vorgesehen gewesen, musste 1927 dann aber umso eiliger vorbereitet werden. Er litt unter einem Augenleiden. Dennoch übernahm er seit Kriegsbeginn zunehmend unternehmerische Verantwortung und stand mit dem talentierten Horst Pavel im Machtkampf um die zukünftige Führung. Auch Herbert trat der NSDAP bei und gab sich opportunistisch. Er erbte das Konglomerat 1954 gemeinsam mit seinem Bruder Harald.

Harald Quandt (1921-1967)

Harald war der Sohn von Günther Quandt und Magda Ritschel, wurde aber nach der Scheidung und ihrer Hochzeit mit Joseph Goebbels 1931 im Haus des Reichspropagandaministers erzogen. Als Harald volljährig wurde, ging er zur Wehrmacht. Nach Verwundung und Kriegsgefangenschaft schlug er die vorgezeichnete Berufslaufbahn in den Quandt-Fabriken erst nach dem Kriegsende ein.

Ursel Müstermann

Herbert Quandts erste Ehefrau, sie ließen sich 1940 scheiden. 1937 wurde ihre Tochter Silvia Quandt geboren.

Liselotte Blobelt

Von seiner zweiten Ehefrau ließ sich Herbert Quandt 1959 scheiden. Sie hatten gemeinsam drei Kinder: Sonja Quanft-Wolf (geboren 1951), Sabina Quandt (1953) und Sven Quandt (1956).

Johanna Bruhn

Die 1926 geborene Johanna Bruhn war Herbert Quandts dritte Ehefrau und blieb es bis zu seinem Tod 1982. Mit ihr hatte er die Kinder Susanne Klatten (1962) und Stefan Quandt (1966).

Susanne Klatten

Susanne Klatten gilt als die reichste Frau Deutschlands, weltweit führt sie Forbes auf Rang 44. Ihr Vermögen wird auf knapp 15 Milliarden Dollar geschätzt. 1982 erbten sie das Vermögen von ihrem Vater Herbert – gemeinsam mit ihrer Mutter.

Stefan Quandt

Auch Stefan Quandt gehört zu den reichsten Deutschen. Sein Vermögen wird auf knapp elf Milliarden Dollar geschätzt. In der Forbes-Liste liegt er weltweit auf Rang 72. Der gelernte Wirtschaftsingenieur bündelt seine Aktivitäten in der 1993 gegründeten Holding Delton.

Der Schweizer Sgarbi musste eine sechsjährige Haft wegen gewerbsmäßigen Betrugs und der versuchten gewerbsmäßigen Erpressung absitzen. Außerdem hat ihn das Landgericht Augsburg zur Rückzahlung des erschlichenen Geldes verurteilt, insgesamt 9,5 Millionen Euro plus Zinsen. Sieben Million hatte der Schweizer von Klatten ergaunert, 2,5 Millionen von zwei anderen Frauen. Kennengelernt hatte er die Quandt-Erbin 2007 in einem Wellness-Hotel. Als er sie erpressen wollte, indem er mit der Veröffentlichung von intimen Videos drohte, war Klatten zur Polizei gegangen. Mit einem geschätzten Vermögen von mehr als 14,3 Milliarden Dollar rangiert Klatten unter den bestverdienenden und erfolgreichsten Wirtschaftsgrößen und gilt als reichste Frau Deutschlands. 2013 wurde sie vom Handelsblatt zur Aufsteigerin des Jahres gekürt.

Kommentare (12)

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wolfshund

22.01.2014, 14:49 Uhr

"Klattens Kampf zu Rettung ihrer Ehre.." - wenn das Geld ihre Ehre ist, was offensichtlich scheint, dann ist die Dame: ARM.

Account gelöscht!

22.01.2014, 14:49 Uhr

Diese Frau ist die reichste Frau Deutschlands und hat keine anderen
Sorgen als jemanden wegen lächerlichen 7 Mio. € zuverklagen?

Es war ihr Fehler Sie ist auf Ihn herrein gefallen und jetzt benutzt
Sie jedes juristische Mittel um diesen Mann fertig zumachen.

Ich würde vorschlagen das Sie mal ihre Website:
http://www.skion.de/ updaten sollte.

Die ist eines Milliarden Unternehmens unwürdig.

Wenn ich mir ihre "wirtschaftlichen" Aktivitäten anschaue
dann stelle ich fest das Sie eine einfache Finanz-Investorin ist
ohne realwirtschaftlichen Bezug die grundsätzlich eine Mehrheitsbeteiligung anstrebt.

Offensichtlich ist diese Frau einfach nur machtgeil.

Account gelöscht!

22.01.2014, 14:50 Uhr

Das Thema Quandt und die zugehörige Vermögensbildung ist ja ein Thema für sich.

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