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17.09.2013

14:57 Uhr

Tarife

Durch Gasanbieterwechsel Hunderte Euro sparen

Durch den Wechsel des Gasanbieters können Verbraucher bis zu 755 Euro im Jahr sparen. Die Tester der Zeitschrift „Finanztest“ haben für drei Musterhaushalte in bundesweit 20 Städten die Tarife untersucht.

Test rund ums Gas: Die Tester verglichen bei der Untersuchung die Erdgas-Ausgaben von drei Musterhaushalten mit einem Verbrauch von jeweils 7500, 11.000 und 20.000 Kilowattstunden. dpa

Test rund ums Gas: Die Tester verglichen bei der Untersuchung die Erdgas-Ausgaben von drei Musterhaushalten mit einem Verbrauch von jeweils 7500, 11.000 und 20.000 Kilowattstunden.

BerlinVerbraucher können durch den Wechsel des Gasanbieters je nach Region pro Jahr mehrere hundert Euro sparen. Ein Vergleich unter 20 großen Städten im Bundesgebiet habe ergeben, dass bis zu 755 Euro Ersparnis möglich seien, berichtete die Zeitschrift „Finanztest“ in ihrer Oktober-Ausgabe. Die größten Einsparungen könnten jene Kunden erzielen, die noch nie den Tarif oder Anbieter wechselten.

Für den Anbieter-Vergleich untersuchten die Tester die Gas-Kosten für drei Musterhaushalte in bundesweit 20 Städten von Berlin bis Wiesbaden. Die - mit Abstand - größte Ersparnis können demnach Gaskunden in Leipzig machen. Wenn sie aus dem Grundtarif der Stadtwerke zum Tarif „Montana garant“ der Montana Energiehandel wechseln, sparen sie demnach bei einem Jahresverbrauch von 20.000 Kilowattstunden rund 755 Euro.

In Frankfurt am Main sind laut "Finanztest" Einsparungen von bis zu 481 Euro möglich, in Köln von bis zu 433 Euro.

Auf faire Tarife achten

Wie groß ist die Auswahl an Gasanbietern?

Es gibt mehrere hundert Gasanbieter in Deutschland - immer mehr auch bundesweit. Im Schnitt können Verbraucher laut Vergleichsportal Verivox unter rund einem Dutzend Versorgern wählen.

Wie finde ich den günstigsten Gasanbieter?

Gratis-Preisvergleiche finden sich im Internet. Zur Berechnung des günstigsten Tarifs müssen der Jahresverbrauch in Kilowattstunden laut Jahresabrechnung und die Postleitzahl eingegeben werden. Wenn auf der Gasrechnung der Verbrauch nur in Kubikmetern angegeben ist, kann der Wert mit 9,2 multipliziert werden, um einen annähernden Wert in Kilowattstunden zu erhalten. "Finanztest" warnt, dass Tarife mit Neukundenbonus für gute Plätze in den Ergebnislisten der Vergleichsrechner sorgen - der Bonus aber im zweiten Jahr wegfällt und der Tarif dann oft viel teurer ist.

Was zeichnet einen fairen Tarif aus?

„Finanztest“ rät bequemen Kunden, die viel Preissicherheit haben und nicht jedes Jahr wegen eines Bonus' den Anbieter wechseln wollen, zu Tarifen ohne Fallstricke. Solche fairen Tarife werden monatlich gezahlt, bieten eine mindestens zwölfmonatige Preisgarantie, fixieren den Energiekostenanteil und die Netzentgelte und haben eine Kündigungsfrist, die nicht länger als sechs Wochen ist. Unfaire Tarife sind demnach solche, wo der Kunde Vorkasse zahlen oder eine feste Gasmenge im Paket kaufen muss. Verbraucht er weniger, muss er trotzdem den Paketpreis zahlen. Die Preisgarantie sollte nicht kürzer als die Mindestvertragslaufzeit sein. "Finanztest" weist darauf hin, dass der Preis trotz Garantie steigen kann, wenn Steuern oder Abgaben erhöht werden.

Wie funktioniert der Wechsel?

Meist müssen an den neuen Anbieter per Post, Telefon oder Internet die persönlichen Daten wie Name und Anschrift übermittelt werden, daneben Angaben zum bisherigen Energieversorger, die dortige Kundennummer, die Nummer des Gaszählers sowie der gewünschte Liefertermin. Danach erhält der Kunde eine Bestätigung über den neuen Vertrag. Der neue Anbieter übernimmt dann in aller Regel kostenlos die restlichen Formalitäten wie etwa die Kündigung beim bisherigen Versorger. Teils empfiehlt es sich, als Verbraucher den Stand den Anbieterwechsels zwischenzeitlich bei seinem alten Versorger zu überprüfen.

Wie schnell komme ich aus meinem Vertrag heraus?

Das hängt ganz vom jeweiligen Tarif ab. Wer noch nie gewechselt hat und damit in der Grundversorgung ist, kann jederzeit mit einer Frist von 14 Tagen kündigen. Ansonsten steht die Kündigungsfrist im Vertrag. Bei einer Preiserhöhung hat jeder Kunde das Recht auf eine sofortige Kündigung. Diese muss aber möglichst bald nach Erhalt des Schreibens zur Preiserhöhung folgen. In der Regel dauert es ein bis zwei Monate, bis sämtliche Formalitäten für den Wechsel abgeschlossen sind.

Kann ich plötzlich ohne Gas dastehen?

Nein. Der lokale Versorger ist gesetzlich verpflichtet, alle Haushalte zu versorgen - auch wenn er nicht mehr Vertragspartner ist. Selbst wenn der neue Anbieter pleite geht, muss der örtliche Versorger einspringen. Er darf dann aber auch wieder seinen Grundpreis für das gelieferte Gas verlangen.

Sind für den Wechsel technische Änderungen in meinem Haus nötig?

Nein, denn das Gas kommt nach wie vor vom lokalen Versorger. Die Fremdanbieter speisen ihre Energie lediglich in die allgemeinen Verteilnetze ein und zahlen dem lokalen Versorger eine Gebühr für den Transport bis in den Haushalt.

Die Tester verglichen bei der Untersuchung die Erdgas-Ausgaben von drei Musterhaushalten mit einem Verbrauch von jeweils 7500, 11.000 und 20.000 Kilowattstunden. Berücksichtigt wurden in der Untersuchung demnach nur verbraucherfreundliche Tarife ohne Fallstricke und Bonusklauseln, die an undurchsichtige Bedingungen geknüpft sind.

Einen fairen Tarif zeichnet laut Stiftung Warentest auch aus, dass der Verbraucher monatliche Abschläge zahlt, dass es eine Preisgarantie, kurze Kündigungsfristen und eine kurze Anschlusslaufzeit gibt. So bleibt der Kunde im Fall einer Preiserhöhung flexibel, weil er nicht auf ein kurzes Sonderkündigungsrecht angewiesen ist. Auf diese Kriterien sollten Kunden achten, die mit Vergleichsportalen im Internet einen neuen Tarif suchen.

70 Prozent der Gaskunden hätten mittlerweile schon einmal ihren Gastarif gewechselt, sie befänden sich also nicht mehr in den vergleichsweise teuren Tarifen der sogenannten Grundversorgung, berichtet "Finanztest". Allerdings seien die meisten Verbraucher noch immer bei den Stadtwerken in ihrer Region.

Nur 8,5 Prozent der Verbraucher hätten bislang den Schritt zu einem anderen als dem regionalen Anbieter gewagt, berichtete "Finanztest". Möglicher Hintergrund hierfür könnten die Insolvenzen sein, die es in der Branche in den vergangenen Jahren gab, wie Energieexperte Holger Krawinkel vom Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) der Zeitschrift sagte. Betroffen von Pleitefällen waren unter anderem Kunden bei den Anbietern Teldafax und Flexgas.

Von

afp

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