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25.01.2012

13:17 Uhr

Telekom-Prozess

Aktionäre hätten sich beraten lassen müssen

Die Entscheidung im Telekom-Prozess vor dem Oberlandesgericht Frankfurt naht. Doch die Chancen für die 17.000 Kläger stehen nicht gut. Die Richterin sieht die Anleger in der Pflicht.

Der damalige Vorstandsvorsitzende der Deutschen Telekom, Ron Sommer, zeigt vor der Deutschen Börse in Frankfurt am Main auf die Anzeigentafel, auf der der Erstausgabepreis von 28,50 DM für die Telekom-Aktie zu lesen ist. dpa

Der damalige Vorstandsvorsitzende der Deutschen Telekom, Ron Sommer, zeigt vor der Deutschen Börse in Frankfurt am Main auf die Anzeigentafel, auf der der Erstausgabepreis von 28,50 DM für die Telekom-Aktie zu lesen ist.

FrankfurtDer Schadenersatz-Prozess gegen die Deutsche Telekom steht vor einer Entscheidung. Das Oberlandesgericht Frankfurt will in dem Mammut-Verfahren erst in drei Monaten entscheiden. Das Gericht werde seine Entscheidung am 25. April bekanntgeben, sagte Richterin Birgitta Schier-Ammann am Mittwoch.

Damit kommt eines der größten Wirtschaftsverfahren Deutschlands einen großen Schritt weiter. Gut 16.000 Kleinanleger wollen von der Telekom insgesamt 80 Millionen Euro. In Frankfurt wird exemplarisch der Fall eines schwäbischen Pensionärs geklärt, der 1,2 Millionen Euro fordert. Er hatte im Jahr 2000 einen Teil seiner Ersparnisse in die „Volksaktie“ gesteckt. 66,50 Euro kostete eine Aktie zum Höhepunkt des Technologie- und Börsen-Hypes - zwei Jahre später waren die Titel für gerade einmal acht Euro zu haben.

Viele Anleger fühlten sich von dem Bonner Unternehmen, das mit Schauspieler Manfred Krug groß Werbung für die T-Aktie gemacht hatte, getäuscht und schalteten Anwälte ein. Auf der Suche nach Beweisen dafür, dass die Telekom ihren Investoren damals nicht die volle Wahrheit erzählt hat, zogen diese den Börsenprospekt für eine Telekom-Kapitalerhöhung zurate. Darin habe der ehemalige Staatskonzern die Anleger mit falschen Angaben getäuscht, argumentieren die Klägeranwälte. Die Telekom widerspricht.

Endgültige Klarheit dürften die Streitparteien aber auch nach der Entscheidung der Richterin nicht haben, da der Fall noch vor den Bundesgerichtshof gehen dürfte.

Bei den Börsengängen der Telekom hätten sich die Anleger nach Auffassung des Oberlandesgerichts Frankfurt bei Nichtverstehen des Börsenprospekts beraten lassen müssen. Man müsse trennen zwischen dem fachlichen Prospekt und der Werbung mit dem Schauspieler Manfred Krug, sagte die Vorsitzende Richterin Birgitta Schier-Ammann am letzten Verhandlungstag im Prozess.

Der von enttäuschten Kleinanlegern angegriffene Prospekt zum dritten Börsengang des früheren Staatsunternehmens im Jahr 2000 hätte auch nicht beliebig simplifiziert werden können, weil dies zu Ungenauigkeiten geführt hätte, sagte die Richterin. Mit dem Prospekt hätten auch institutionelle Anleger informiert werden müssen.

Sie sei allerdings sicher, dass sich der Bundesgerichtshof als nächste Instanz noch einmal mit dem Wissenshorizont des durchschnittlichen Anlegers befassen müsse. Sie persönlich halte es für „fast unmöglich“, juristische oder wirtschaftliche Komplexe in schriftlicher Form allgemeinverständlich zu formulieren. Das könne im persönlichen Gespräch leichter gelingen.

Noch keine Stellung nahm der Senat zu den neuen Angriffspunkten zu globalen Haftungsrisiken, welche die Telekom vom Bund und der Staatsbank KfW übernommen hatte. Dorthin waren die Einnahmen aus dem Börsengang geflossen. Zudem soll die Beteiligung an dem US-Mobilfunker Sprint im Jahr 1999 im Prospekt um rund acht Milliarden Euro zu positiv dargestellt worden sein. Auch hierzu wollen die Richter noch weiter beraten.

Kommentare (8)

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Account gelöscht!

25.01.2012, 14:06 Uhr

@...dritten Börsengang des früheren Staatsunternehmens im Jahr 2000 ...

Da wird wieder mal die beeindruckende Hinterlassenschaft von Rot/Grün in Erinnerung gerufen. Kleinanleger wurden mit TCom-Aktien über den Tisch gezogen. Als Gutmenschen haben Schröder, Eichel und Fischer etwa zur gleichen Zeit, so etwa ab1998, die heutigen Pleitestaaten ins Boot geholt, etwas später erfolgte dann die Aufweichung der Stabilitätskriterien im Euro-Pakt (wie soll Merkel heute auf Stabilität pochen, wenn damals Deutschland der Vorreiter beim Bruch der Stabilitätskriterien war --- hat einer der vielen oberschlauen Merkel-Kritiker darauf eine Antwort?)

Wo sind eigentlich die vielen Millarden aus den UMTS-Versteigerungen geblieben, Herr Eichel?

Querbanker

25.01.2012, 14:49 Uhr

Hoffentlich trifft das OLG eine Entscheidung die die Gier der Kleinanleger bestraft.
Diese Leute riskieren Teile ihres Vermögens und sprkulierten darauf, dass sich das eingesetze Geld verdoppelt.
Wenn diese Spekulation nicht aufgeht, ist der Anleger selbst Schuld. Er hat sich an den Kartentisch gesetzt und er muss sich über die Regeln des Spieles genau informieren. Das ist beim Pokern so und beim Kauf von Aktien.In seiner Giel vergisst der Anleger aber oft, sich informieren zu lassen. Über Risiken. Eine faire Beratung? da muss er ja Geld ausgeben. Er will aber raffen, also weiter blind ohne Beratung spekulieren.
Und wenn es hinterher in die Hosen geht? Ein ganzes Heer von ebenfalls geldgierigen Anwälten lauern auf der Strecke um den Anleger vor Gericht zu vertreten.Mit geradezu abenteuerlichen Paragraphenkonstruktionen aus KWG und BGB die der Anleger vorher nicht wissen wollte und wenn man ihn aufgeklärt hat, bestreitet er das. Beweisen muss man das dann.
Liebe Richter, Ihr seit die faire Instanz, die in Ruhe bewerten kann, dass ein gieriger Kleinanleger eben auch für sein Handeln und die daraus entstehenden Verluste einstehen muss.
Das ist alledings in Zeiten der "Rechtsschutzversicherung" schwer, bei der jede Klage den Porsche für den Anwalt bedeutet. Gäbe es keine gebührenordnung für Anwälte, sondern wäre der Gebührenhöchstsatz bei maximal 500 Euro pro Klage, würde keiner klagen. Wenn aber jeder Mandant so um die 5.000,- Euro einbringt, lohnt sich das Klagen. Egal ob der Anwalt gewinnt oder verliert, rechtsschutz bezahlt ja.

doc_johnny

25.01.2012, 15:10 Uhr

Gewinne hätte sich die Herren Anleger ohne Murren eingesteckt, bei Verlusten wird geklagt: So ein Unsinn.
Ich habe mir oft genug die Finger an Aktien verbrannt, damit muss man leben können. Jetzt sind die Betroffenen nicht Manns genug, um mit den Verlusten zu leben. Typisch Deutsches Querulantentum.

Wenn man Auto fährt, dann kommt halt ab und zu eine Beule rein, was soll's und an der Börse gibt es eben auch immer wieder Verluste. Wer das nicht verträgt, der sollte zu Hause sitzen bleiben und nichts tun oder eben ÖPNV fahren.

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