Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

15.01.2009

15:04 Uhr

Telekom-Prozess

Anleger-Anwälte beißen auf Granit

Der Prozess gegen die Deutsche Telekom geht in die nächste Runde. Bislang konnten die Anleger-Anwälte nicht nachweisen, dass die Telekom wichtige Angaben in ihrem Prospekt zum dritten Börsengang 2000 verschwiegen hat. Allerdings ging es wieder einmal hoch her vor Gericht.

HB FRANKFURT. Im Prozess Tausender Anleger gegen die Deutsche Telekom ist es am Donnerstag zu einem Schlagabtausch gekommen. Klägeranwälte warfen der Telekom vor, Beweise zu unterdrücken. Deren Rechtsvertreter Bernd-Wilhelm Schmitz konterte vor dem Oberlandesgericht Frankfurt, die Gegenseite wolle den Prozess künstlich in die Länge ziehen. Anleger verlangen insgesamt 80 Millionen Euro Schadensersatz für ihre Kursverluste, weil sie sich von der Telekom und deren Angaben in den Börsenprospekten getäuscht sehen.

Beim ersten Verhandlungstag nach monatelanger Pause ging es erneut um den zentralen Vorwurf, die Telekom habe die fast 40 Milliarden Euro teure Übernahme des US-Unternehmens Voicestream im Prospekt zum dritten Aktienverkauf im Jahr 2000 verschwiegen. Der Kauf wurde gut einen Monat nach der Platzierung der Papiere angekündigt. Der Konzern bestreitet, dass zu dem Zeitpunkt der Aktienplatzierung bereits eine Entscheidung über Voicestream gefallen war.

Die Klägeranwälte hatten durchgesetzt, dass dem Oberlandesgericht Zeugenaussagen von damals beteiligten Telekom-Managern aus einem parallelen Verfahren in den USA vorgelegt wurden. Der Konzern hatte sich für 120 Millionen Dollar 2005 mit den US-Klägern verglichen, weil die Telekom wegen des dortigen Rechtssystems mit einer Laien-Jury enorme Unwägbarkeiten befürchtet hatte.

Rechtsanwalt Peter Gundermann bemängelte nun jedoch, dass die Protokolle an einigen Stellen geschwärzt seien, womit den Klägern möglicherweise Informationen vorenthalten würden. Laut Telekom wurden Stellen unkenntlich gemacht, um Persönlichkeitsrechte zu schützen. Der Vorsitzende Richter Christian Dittrich sieht darin offenbar kein großes Problem: „Herr Gundermann, sie denken ständig, dass andere Leute was ganz Schlimmes machen, was vielleicht nicht der richtige Ansatz ist“, sagte er. Das Gericht will aber dennoch über den Vorschlag von Telekom-Anwalt Schmitz nachdenken, sich die Original-Unterlagen vorlegen zu lassen.

Richter Dittrich bekräftigte zudem seine Aussage, sehr wohl Hinweise auf die Expansionsstrategie im Börsenprospekt zu sehen, auch auf Zukäufe und deren Finanzierung. Gundermann hatte zuvor erneut kritisiert, dass die Telekom ihre Zukaufstrategie und die damit verbundenen Risiken nicht deutlich gemacht habe. Schmitz sprach von einer Verzögerungstaktik. „Wir stellen immer wieder fest, dass sie schlicht den Inhalt ignorieren.“ Der Prozess wird mit einem Musterkläger stellvertretend für 16 000 Aktionäre geführt. Noch hat kein Zeuge die Anklage gestützt. Dittrich gab den Klägeranwälten nun bis Ende April Zeit, noch zu offenen Fragen Stellung zu nehmen. Zudem stehen noch Zeugenaussagen in den USA und Hong Kong aus. „Wir sehen uns in drei bis vier Monaten wieder“, sagte der Richter. Er scheidet Anfang 2010 aus dem Dienst aus.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×