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27.10.2011

12:17 Uhr

Telekommunikation

Bundestag stoppt Telefon-Abzocke

VonKatharina Schneider

Endlich mehr Rechte für alle, die telefonieren und im Internet surfen. Der Bundestag hat heute beschlossen, dass Telefon-Warteschleifen kostenlos sein müssen. Auch Kostenfallen und Knebelparagraphen wurden beseitigt.

Mehr Kostenkontrolle für die Kunden: Bundestag stoppt Telefon-Abzocke. dpa

Mehr Kostenkontrolle für die Kunden: Bundestag stoppt Telefon-Abzocke.

DüsseldorfTelefonieren und im Internet surfen könnte so einfach sein – eigentlich. Doch wenn Verbraucher ihren Vertrag oder gar ihren Wohnort wechseln wollen, gibt es häufig Probleme. Auch Kostenfallen lauern an jeder Ecke, etwa bei Hotline-Anrufen, Call-by-Call-Nummern und Klingelton-Abos. Heute wird die Telekommunikationswelt für Verbraucher ein bisschen besser. Der Bundestag hat das Telekommunikationsgesetz (TKG) verabschiedet, nur der Bundesrat muss noch zustimmen. „Wir begrüßen das Gesetz und sind sehr zufrieden damit“, sagt Lina Ehrig, Telekommunikationsexpertin des Verbraucherzentrale Bundesverbandes (vzbv).

Kostenlose Warteschleifen

Der Anruf bei einer Service-Hotline kostet den Verbraucher häufig Nerven. Daran wird wohl auch das Gesetz nichts ändern. Aber immerhin müssen Kunden in Zukunft weniger für das Telefonat zahlen. Künftig soll nämlich nur die Zeit berechnet werden, in der das Anliegen des Anrufers tatsächlich bearbeitet wird. Die Warteschleife, in der Kunden mit Musik oder der Ansagen wie „bitte warten Sie“ beschallt werden, soll kostenlos sein. Ein persönliches Gespräch mit einem Servicemitarbeiter ist jedoch keine Bedingung für die Zahlungspflicht. Ein Anliegen kann auch mit Computeransagen bearbeitet werden – so etwa, wenn der Kunde beim Telefonbanking eine Überweisung durchgibt.

Ab Inkrafttreten des Gesetzes haben die Unternehmen jedoch noch ein Jahr Schonfrist für die technische Umsetzung. Eine kleine Verbesserung soll es aber schon vorher geben: „Drei Monate nach Inkrafttreten in Gesetzes sollen die ersten 120 Sekunden in der Eingangswarteschleife kostenlos sein“, sagt Ehrig.

Mit dem Vertrag umziehen

Eine zentrale Änderung betrifft Kunden, die umziehen möchten. Bislang ist es nicht möglich, einen bestehenden Festnetz- und Internetvertrag einfach mitzunehmen. Am neuen Wohnort muss ein neuer Vertrag geschlossen werden, auch, wenn der Anbieter der gleiche bleibt. „Das ist für die Verbraucher sehr misslich, denn dadurch sind sie meist auch wieder für 24 Monate an den Vertrag gebunden“, sagt Ehrig. Künftig soll der bestehende Vertrag einfach mit umziehen.

Kunden regionaler Anbieter, die in anderen Städten keinen Anschluss bieten können, sollen mit einer Frist von drei Monaten kündigen können. Das gilt beispielsweise auch, wenn der Anbieter am neuen Wohnort nur eine langsamere DSL-Geschwindigkeit garantieren kann als vertraglich vereinbart wurde. „Bislang konnten die Kunden in solchen Fällen nur auf die Kulanz der Anbieter hoffen“, sagt die Verbraucherschützerin.

Verbesserungspotenzial sieht sie aber immer noch. So ist in dem Gesetz kein Sonderkündigungsrecht vorgesehen für den Fall, dass ein Kunde seine Wohnung – und damit auch den Telefonanschluss – altersbedingt aufgeben muss oder zwei Kunden ihre Haushalte zusammenlegen und deshalb nur noch einen Anschluss brauchen.

Kommentare (3)

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PRhodan

27.10.2011, 13:16 Uhr

Da wird dem ehemaligen staatsunternehmen, der Postbank, aber ein wichtiges Ertragsbein wegbrechen. Und nachdem Ackermann auch bei Merkel unten durch ist, wird er wohl kaum etwas dagegen ausrichten können, um seiner häßlichen Tochter unter die Arme zu greifen.

Account gelöscht!

27.10.2011, 13:39 Uhr

Nach Jahren der Abzocke spare ich vielleicht etwas, um das Vielfache an den EU-Rettungsschirm zu bezahlen. Die Politik hat es drauf - wirklich.

baschtia

27.10.2011, 14:48 Uhr

Schön, dass sich da etwas bewegt. Ich denke es ist ein guter Schritt für den Verbraucherschutz

zu den anderen Kommentaren:
zu PRhodan: Postbank ist nicht Telekom
zu Stubi: interessant, dass man alles Positive mit Negativem bedecken kann. Zu dem Rettungsschirm kann man stehen, wie man will. Dieser Schutz des Verbrauchers sehe ich als eine gute Arbeit der Politik - die leider viel zu spät kommt (Inzwischen sind schon viele Menschen betrogen worden)

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