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06.12.2011

15:13 Uhr

Testamentsregister

So kommen Erben kommen leichter an den Nachlass

VonAnnika Williamson

Damit auch der letzte Wille Beachtung findet, gibt es seit Januar das Zentrale Testamentsregister. Erben können auf zuverlässigere Bearbeitung hoffen - und Streitereien vermeiden, die im Erbfall oft entbrennen.

Ab Januar 2012 wird das Zentrale Testamentsregister eingeführt. ZB

Ab Januar 2012 wird das Zentrale Testamentsregister eingeführt.

DüsseldorfWas sich bisher auf Millionen gelbe Karteikarten in 5000 Standesämtern verteilt hat, soll jetzt in einem digitalen Verzeichnis vereint werden: Seit Januar 2012 gibt es in Deutschland das Testamentsregister, in dem alle Dokumente gespeichert werden, die für die Abwicklung einer Erbschaft relevant sind. "Nachlassverfahren sollen schneller und zuverlässiger werden. Erben müssen dann nicht mehr Wochen und Monate auf die vollständigen Unterlagen über den Nachlass warten, sondern nur noch einen Tag", sagt Thomas Diehn, Geschäftsführer der Bundesnotarkammer.

Besonders innovativ ist so ein digitales Testamentsregister nicht. In 19 anderen Ländern in Europa gibt es schon ähnliche Verzeichnisse, darunter Frankreich, Österreich und Spanien. "Mancherorts gibt es so etwas schon seit Jahrzehnten", sagt Diehn. "Deutschland ist wirklich hintendran."

Bis 2016 sollen aber endlich auch im deutschen Register alle verstaubten Karteikarten digital gespeichert sein. Wer ab nächstem Jahr beim Notar ein Testament aufsetzt, wird außerdem automatisch im Register vermerkt.

Was Erben wissen sollten

Wer kann erben?

Erben können alle, die im Testament bedacht sind. Auch Minderjährige dürfen erben, dann springt aber ein gesetzlicher Vertreter ein. Das sind in der Regel die Eltern. Ohne Testament gilt das gesetzliche Erbrecht.

Was passiert, wenn die Erben unbekannt sind?

Ein Nachlassgericht sichert das Erbe nach pflichtgemäßen Ermessen. Gegenstände können versiegelt und Wertpapiere hinterlegt werden. Das Gericht bestellt einen Nachlasspfleger, der das Vermögen absichert und die Erben ermitteln soll. Der Verwalter haftet bei vorsätzlichen oder fahrlässigen Schäden.

Wer erbt, wenn kein Testament besteht?

In diesem Falle gilt das gesetzliche Erbrecht. Das Gesetz sieht fünf Ordnungen vor: 1. Direkte Abkömmlinge: Ehegatten, eingetragene Lebensgemeinschaften, Kinder, 2. Die Eltern des Verstorbenen, 3. Großeltern und deren Abkömmlinge, 4. Urgroßeltern und deren Abkömmlinge, 5. Ururgroßeltern und deren Abkömmlinge. Jeder Verwandte einer vorherigen Kategorie schließt einen Nachfolger aus. Beispiel: Wenn die Kinder noch leben, gehen die Eltern des Verstorbenen leer aus.

Was ist, wenn der rechtmäßige Erbe bereits verstorben ist?

An die Stelle des Verstorbenen treten seine Abkömmlinge. Beispiel: Ein Verstorbener hat zwei Kinder, von denen eines nicht mehr lebt. An die Stelle des verstorbenen Kindes treten dann seine oder ihre Kinder. 

Wie wird das Erbe aufgeteilt?

Das Erbe wird nach dem Verwandtschaftsgrad aufgeteilt. Beispiel: Wenn der Mann stirbt, erbt seine Frau 50 Prozent. Die beiden Kinder teilen die restlichen 50 Prozent unter sich auf. Bruder und Eltern des Verstorbenen gehen leer aus. Sonderfälle gelten bei einem Ehevertrag mit Gütertrennung.

Was regelt das Testament?

In vielen Fällen möchte der Erblasser von den gesetzlichen Regelungen abweichen. Ein Einvernehmen mit den Erben ist nicht nötig, die Verfügungen können jederzeit widerrufen werden. Eine Alternative ist ein Erbvertrag, der nicht widerrufen werden kann. Ein solcher Vertrag kann auch zwischen Erblasser und Erbe geschlossen werden.

Was ist bei einem Testament zu beachten?

Ein per Handschrift eigenhändig verfasstes, unterzeichnetes Testament bedarf keine Testierung durch den Notar. Der Text muss eigenhändig verfasst sein, ein Diktat reicht nicht: Die Handschrift muss erkennbar sein. Die Form muss gewahrt sein: Die Unterschrift muss in der Regel unter dem letzten Satz stehen und Vor- und Zunamen enthalten. Ort und Zeit sind anzugeben, machen das Testament bei Fehlen aber nicht ungültig. Nachträgliche Streichungen oder Radierungen sind wirksam. Wichtig: Der letzte Wille sollte keine Zweifel aufkommen lassen.

Was steht laut Testament Enterbten zu?

Jedem rechtmäßigem Erben steht unabhängig vom Inhalt des Testamentes ein Pflichtteil des Nachlasses zu. Anspruch haben die Familie sowie Kinder, Enkel, Eltern und Ehegatte. Entfernte Verwandte wie Geschwister, Onkel oder Neffen gehen leer aus. Die Erben haften für die Ansprüche der Pflichtteilberechtigten.

Wann müssen Enterbte auf ihren Pflichtteil verzichten?

In einigen Fällen von Kriminalität, etwa bei einer Freiheitsstrafe von einem Jahr oder Bedrohung des Lebens der Abkömmlinge. Auch eine Verletzung der Unterhaltspflicht kann zum Verlust des Pflichtteils führen.

Diehn hat das Testamentsregister vom Gesetzesvorschlag bis zur Umsetzung begleitet. Jetzt reist er gerade durch das ganze Bundesgebiet und gibt Kurse für Notare und Gerichte, damit nach dem Jahreswechsel gleich alles glatt läuft. 15 bis 20 Millionen Urkunden aus dem gesamten Bundesgebiet werden es am Ende sein, erwartet die Bundesnotarkammer. Viele Deutsche regeln ihren Nachlass nicht mit einem Testament, sondern verlassen sich einfach darauf, dass die Gesetzeslage das Erbe regelt.

Kommentare (1)

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Isabel.Engelhardt

08.12.2011, 10:46 Uhr

Bei dem Punkt "wie wird das Erbe aufgeteilt?" ist ein Fehler enthalten. Nach Ihrer Formulierung komme ich auf 150 %, da Sie schreiben 50 % für die Ehefrau und beide Kinder jeweils 50 %. Richtig ist, dass die Kinder sich die zweite Hälfte teilen, also jeder 25% erhält. Im Einzelfall kann es aber viel komplizierter sein, wenn z. B. der Zugewinn der Ehefrau konkret errechnet wird.
Isabel Engelhardt
Fachanwältin für Erbrecht
Mannheim

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