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18.11.2016

14:32 Uhr

Tool der Woche

Wenn günstiger Strom plötzlich teuer wird

VonMatthias Streit

Im kommenden Jahr steigt nicht nur die Umlage für erneuerbare Energien, sondern auch die Netzentgelte für Strom. Vielen Stromkunden beschert das steigende Preise. Ein Tool zeigt, wo Sie noch günstige Tarife finden.

Die EEG-Umlage steigt 2017 um rund acht Prozent auf 6,88 Cent je Kilowattstunde. dpa

Alt gegen Erneuerbar

Die EEG-Umlage steigt 2017 um rund acht Prozent auf 6,88 Cent je Kilowattstunde.

FrankfurtGeht es um Strompreise, gehört Deutschland in der EU zur absoluten Oberklasse. Mit rund 29 Cent je Kilowattstunde Strom werden die hiesigen Preise nur noch von Dänemark übertroffen, die noch einen Cent mehr je Kilowattstunden berappen müssen.

Der Trend kennt bei den Stromanbietern seit der Jahrtausende mit wenigen Ausnahmen nur eine Richtung: die nach oben. Einige Anbieter geben für das kommende Jahr schon den Takt vor: 172 der über 900 Grundversorger in Deutschland haben für 2017 bereits Preiserhöhungen angekündigt – und viele Verbraucher werden tiefer ins Portmonee greifen müssen.

Ihnen stehen bislang nur elf Anbieter gegenüber, die ihre Kosten senken wollen. Das geht aus einer Untersuchung des Vergleichsportals Check24 hervor. „Bislang hat also etwa jeder fünfte Stromgrundversorger Preiserhöhungen für das kommende Jahr angekündigt, sagt Oliver Bohr, Geschäftsführer Energie bei Check24. „Preisanpassungen weiterer Versorger sind wahrscheinlich.“ Ähnlich äußert sich Martin Brandis, Energieexperte beim Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv). „Wenn die Änderungen zum neuen Jahr greifen sollen, kann es gut sein, dass viele Kunden in den nächsten Tagen noch Post bekommen.“ Steigt der Preis, müssen Grundversorger dies sechs Wochen vorher ankündigen.

Stromkunden müssen steigende Preise allerdings nicht tatenlos hinnehmen: Es gilt ein Sonderkündigungsrecht. Der einfachste Weg, die Mehrausgaben zu umgehen, ist, den Stromanbieter zu wechseln. Welcher Tarif für Sie passt, können Sie etwa mithilfe dieses Tools herausfinden.

Die Beweggründe sind von Anbieter zu Anbieter zwar verschieden. Zwei Hauptursachen dürften jedoch Umlagen und Abgaben sein. So steigt etwa ab Januar die Umlage für Erneuerbare Energien von 6,35 auf 6,88 Cent je Kilowattstunde. Einen Vierpersonenhaushalt mit einem Durchschnittsverbrauch von 5000 Kilowattstunden wird das etwa 26 Euro mehr kosten. Zugegeben: Das wird auf Jahressicht wohl kaum eine Familie in die Privatinsolvenz treiben.

So viele Deutsche haben sich wegen Überschuldung beraten lassen

Erläuterung

Quelle: Überschuldungsstatistik des Statistischen Bundesamts

Die Behörde hat die Zahl von Beratungsgesprächen wegen Überschuldung hochgerechnet auf die Gesamtbevölkerung. Die Angaben beziehen sich auf das Jahr 2014.

unter 20 Jahre

1690 Betroffene

durchschnittliche Schulden: keine Angabe

20 bis 24 Jahre

30.283 Betroffene

durchschnittliche Schulden: 8.205 Euro

25 bis 34 Jahre

127.519 Betroffene

durchschnittliche Schulden: 18.639 Euro

35 bis 44 Jahre

107.478 Betroffene

durchschnittliche Schulden: 35.712 Euro

45 bis 54 Jahre

106.661 Betroffene

durchschnittliche Schulden: 48.183 Euro

55 bis 64 Jahre

59.787 Betroffene

durchschnittliche Schulden: 47.542 Euro

65 bis 69 Jahre

13.375 Betroffene

durchschnittliche Schulden: 50.562 Euro

70 Jahre und älter

13.831 Betroffene

durchschnittliche Schulden: 55.163 Euro

Doch die steigende EEG-Umlage ist nicht der einzige Aufschlag. In vielen Regionen verteuern sich zudem die Netzentgelte, die immerhin ein Viertel der Strompreise ausmachen. Am stärksten legen Sie in Frankfurt zu – um 79 Euro auf 446 Euro. Teurer sind die Netzkosten nur in Leipzig (450 Euro) und Dresden (464 Euro). Den Daten von Check24 zufolge steigen die Stromnetzentgelte im Osten Deutschlands (18 Prozent) durchschnittlich deutlich stärker als im Westen (acht Prozent)

Das Vergleichsportal weist – nicht unbedingt uneigennützig – auf das Sparpotenzial bei einem Anbieterwechsel hin. Für einen Familienhaushalt mit einem Durchschnittsverbrauch von 5000 Kilowattstunden lag die mögliche Ersparnis im Jahr 2010 noch bei 143 Euro. Heute seien schon 333 Euro drin, geht aus der Untersuchung hervor. Das sei nicht zuletzt zahlreichen alternativen Stromanbietern zu verdanken, die traditionellen Grundversorgern wie Stadtwerken Konkurrenz machen.

Kommentare (11)

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Account gelöscht!

18.11.2016, 14:39 Uhr

EEG Subvention-Zwangsabgabe abschaffen und schon reduziert sich der Strompreis um die Hälfte!

Energiewende/EEG = erst kommt die Lüge, dann der Betrug/Selbstbetrug danach macht sich der Mangel breit und zum Schluss die Armut!

Herr Peter Delli

18.11.2016, 14:53 Uhr

Die Verarmung der Bevölkerung geht immer weiter. Wie gut das Bischöfe und Sozialarbeiter, am runden Tisch, die Energie-Wende so erfolgreich begleiten.
Das nächstes Projekt, die E-Karre, schreitet auch vorran, zwar ohne brauchbaren Akku, aber mit schönen Karosserien.

Rainer von Horn

18.11.2016, 15:43 Uhr

Das EEG ist quasi eine staatliche Lizenz, die Allgemeinheit auszuplündern ,mit einem nutzlosen Produkt, für das die Produzenten noch nicht mal eine Vertriebsverantwortung übernehmen müssen und in der Praxis jede Menge ins Netz einspeisen dürfen, ohne Rücksicht auf die aktuelle Nachfrage. Und das zu garantierten Fixpreisen.
Und weil dieses Geschäftsmodell so toll von der deutschen Öffentlichkeit akzeptiert worden ist, hat man mit der weltweiten Armenrettung gleich ein ähnliches hinterhergeschoben. Und weil das so toll ist, wählt der zahlende Bürger alle 4 Jahre die Politiker, die sich solche Geschäftsmodelle ausdenken. So geht Demokratie.

PS: wieso kann Vattenfall für seinen neuen Windpark mit 5 Cent auskommen, während in Deutschland noch fast 20 Cent vergütet werden. Weht der Wind bei den Schweden so viel stärker?! ;-DDDDD

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