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25.09.2012

10:37 Uhr

Tricks von Herstellern und Händlern

Warum die Garantie nicht immer garantiert ist

VonKatharina Schneider

Bei Reklamationen werden Kunden oft Steine in den Weg gelegt. Um die freiwillige Herstellergarantie zu bekommen, müssen sie beim richtigen Händler kaufen. Und selbst die gesetzliche Gewährleistung wird häufig verweigert.

Bei Gewährleistungen und Garantieversprechen sollten Kunden genau hinschauen. dpa

Bei Gewährleistungen und Garantieversprechen sollten Kunden genau hinschauen.

DüsseldorfAls Kunde zu seinem Recht zu kommen ist gar nicht einfach. Mal tappen Verbraucher in die Schnäppchenfalle und mal wollen Händler von ihrer gesetzlichen Gewährleistungspflicht einfach nichts wissen.
Der Wunsch, ein Markenprodukt zu einem günstigen Preis zu kaufen, scheint aus Kundensicht legitim. Bei diesem Ansinnen müssen Verbraucher jedoch aufpassen, dass sie die Herstellergarantie nicht verlieren. Kaufen sie beim falschen Händler, ist die Garantie oftmals futsch.

„Wir sind in unseren Recherchen auf viele Hersteller gestoßen, die insbesondere bei Onlinehändlern die Garantie streichen“, sagt Georg Tryba von der Verbraucherzentrale NRW. „Für die Kunden ist das sehr ärgerlich.“ Wer beispielsweise eine Kaffeemaschine der Marke Jura beim Online-Händler Amazon kauft, kann sich nicht auf die 25-monatige Herstellergarantie berufen. Bei einem Händler, den der Hersteller autorisiert hat, bekäme er sie.

Das müssen Kunden zur Gewährleistung wissen

Wer gibt die Gewährleistung?

Die Gewährleistung bekommt der Kunde von dem Händler, bei dem er die Ware gekauft hat. Ist das gekaufte Produkt defekt, ist der Händler die erste Anlaufstelle für den Kunden. Denn der Händler ist dafür verantwortlich, dass er einwandfreie Ware verkauft.

Wie lange gilt die Gewährleistung?

Gesetzlich vorgeschrieben ist eine Gewährleistung von zwei Jahren. Nach sechs Monaten kann der Händler allerdings die sogenannte Beweislastumkehr geltend machen. Dann muss der Kunde beweisen, dass der Schaden bereits beim Kauf des Produkts bestand. In den ersten sechs Monaten liegt die Beweislast dagegen beim Händler.

Wo ist die Gewährleistung im Gesetz geregelt?

Den Begriff „Gewährleistung“ kennt das Gesetz nicht, im Bürgerlichen Gesetzbuch (§ 434 BGB) ist von Sachmängeln und einer Verjährung der Mängelansprüche die Rede.

Wann liegt ein Sachmangel vor?

Der Kunde hat einen Anspruch darauf, dass die gekaufte Ware frei von Mängeln ist. Laut Paragraph 434 BGB ist die Sache – also der gekaufte Gegenstand – „frei von Sachmängeln, wenn sie bei Gefahrübergang die vereinbarte Beschaffenheit hat.“ Wurde die Beschaffenheit nicht vereinbart, ist die Sache frei von Sachmängeln, wenn sie sich „für die nach dem Vertrag vorausgesetzte Verwendung eignet“ oder wenn „wenn sie sich für die gewöhnliche Verwendung eignet und eine Beschaffenheit aufweist, die bei Sachen der gleichen Art üblich ist und die der Käufer nach der Art der Sache erwarten kann.“

Sachmangel wegen falscher Montage?

Ein Sachmangel kann gemäß Paragraph 434 BGB auch dann vorliegen, wenn die vereinbarte Montage unsachgemäß durchgeführt wurde oder der Verkäufe eine andere Sache oder eine zu geringe Menge liefert.

Welche Rechte hat der Käufer?

Laut Paragraph 437 BGB hat der Käufer bei einer mangelhaften Sache verschiedene Möglichkeiten: Er kann vom Verkäufer Nacherfüllung verlangen (§ 439), er kann vom Vertrag zurücktreten (§§ 440, 323 und 326 Abs. 5) oder den Kaufpreis mindern (§ 441). Unter Umständen kann er auch Schadenersatz (§§ 440, 280, 281, 283 und 311a) oder den Ersatz vergeblicher Aufwendungen (§ 284) fordern.

Wann kann der Kunde die Art der Nacherfüllung wählen?

Liegt ein Mangel vor, kann der Kunde selbst entscheiden, ob der Verkäufer diesen beseitigen oder eine mangelfreie Sache liefern soll. Allerdings kann der Verkäufer die gewählte Art der Nacherfüllung auch verweigern, wenn diese für ihn mit unverhältnismäßigen Kosten verbunden ist (§ 439 BGB).

Wie oft darf der Verkäufer nachbessern?

Wenn der Verkäufer die Ware nachbessert, hat er dafür zwei Versuche. Ist die Ware dann immer noch defekt, bleiben nur noch die Ersatzlieferung, Preisminderung und der Rücktritt vom Kaufvertrag zur Wahl.

Wann kann der Kunde vom Vertrag zurücktreten?

Wenn der Verkäufer beide Arten der Nacherfüllung verweigert oder sie ihm unzumutbar wären, kann der Käufer vom Vertrag zurücktreten (Paragraph § 440 BGB). Alternativ dazu kann der Kunde auch den Kaufpreise mindern (§ 441 BGB).

Wo muss das Gerät repariert werden?

Der sogenannte Erfüllungsort für die Gewährleistung ist dort, wo die Ware typischerweise benutzt wird, also in der Regel beim Käufer zuhause. Deshalb muss der Händler die defekte Ware sogar beim Kunden abholen. Paragraph 439 BGB besagt: „Der Verkäufer hat die erforderlichen Aufwendungen, insbesondere Transport-, Wege-, Arbeits- und Materialkosten zu tragen“.

Wann verjährt der Mängelanspruch?

Üblicherweise verjährt der Anspruch auf Nacherfüllung oder Schadenersatz nach zwei Jahren. Bei einem Bauwerk sind es fünf Jahre (§ 438 BGB).

Auf den ersten Blick scheint der Verlust von 25 Monaten Garantie verschmerzbar, denn laut Gesetz stehen dem Kunden ohnehin 24 Monate Gewährleistung zu. Diese Gewähr übernimmt der Händler, bei dem das Produkt gekauft wurde. Allerdings besagt sie nicht, dass beispielsweise ein Elektrogerät zwei Jahre lang einwandfrei funktionieren muss, sondern lediglich, dass die Ware zum Zeitpunkt des Kaufs frei von Mängeln sein muss.

„Noch brisanter wird das Problem durch die sogenannte Beweislastumkehr“, sagt Verbraucherschützer Tryba. Denn nach sechs Monaten kann der Händler vom Kunden den Beweis verlangen, dass der Fehler bereits beim Kauf des Produkts vorhanden war. „Das ist für den Käufer aber nur schwer möglich, dafür müsste er ein teures Gutachten anfertigen lassen“, so Tryba. Einen wirklich sicheren Schutz hat der Kunde im Rahmen der Gewährleistung nur im ersten halben Jahr nach dem Kauf.

Garantie ist nicht gleich Gewährleistung

Wer gibt die Garantie?

Eine Garantie wird meist vom Hersteller gegeben. Gesetzlich ist er dazu nicht verpflichtet. Sie darf nicht mit der Gewährleistung gleichgesetzt werden, denn diese bekommt der Kunde vom Händler. Gesetzlich ist eine Gewährleistung von zwei Jahren geregelt.

Was umfasst die Garantie?

Hersteller können den Umfang der Garantieleistungen individuell festlegen, da sie Garantie nur aus Kulanz geben. Sie können sie beispielsweise auf bestimmte Funktionen eines Produkts beschränken.

Welche Bedingungen gelten für die Garantie?

Der Hersteller kann beispielsweise verlangen, dass der Kunde ein defektes Produkt auf eigene Kosten einschickt.

Welche Vorteile hat die Garantie gegenüber der Gewährleistung?

Die gesetzliche Gewährleistung von zwei Jahren vergibt der Händler, bei dem das Produkt gekauft wurde. Es geht dabei um die Frage, ob das Produkt schon zum Zeitpunkt des Kaufs defekt war. Herstellergarantien zielen dagegen meist auf die Haltbarkeitsdauer eines Produkts.

Die Herstellergarantie ist für den Kunden also sehr wertvoll. Geht ein Produkt nach Ablauf der ersten sechs Monate kaputt und kann der Kunde nicht beweisen, dass es schon beim Kauf defekt war, muss er die Reparatur selbst zahlen. „Dann ist es viel wert, wenn der Kunde sich an den Hersteller wenden kann“, sagt Tryba. Den Versand oder etwaige Anfahrtskosten müsse er zwar in diesem Fall meist selbst zahlen, aber wenigstens bleibe er nicht auf den kompletten Kosten sitzen. Umso heftiger kritisiert der Verbraucherschützer, dass die Händler nicht darauf hinweisen, wenn sie nicht vom Hersteller autorisiert sind.

Kommentare (6)

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Auenland

25.09.2012, 12:25 Uhr

Bei den Autoherstellern sollte der Gesetzgeber bei deren "Garantien" mal einen Riegel vorschieben.
Z.B. Mitsubishi 12 Jahre auf Durchrostung.
Da glaubt man, mit dem Blech kann nichts passieren.
Wer dann nach kurzer Zeit, wie in Foren zu lesen ist, aber schon Rostblüten beim Heckscheibenwischer oder an den Türfalzen unten entdeckt, hat auch keine Chance, wenn er wartet, bis das durchgerostet ist:
Die Rostgarantie gilt nur wenn von INNEN (!) nach außen gerostet wird...
Weil das Blech ja auf der Innenseite der Witterung und äußeren Einflüssen ausgesetzt ist.
Das ist keine Kundentäuschung?

Account gelöscht!

25.09.2012, 13:57 Uhr

ob als KUnde verbraucher oder Bürger in D wird man nur noch abgezockt... man hat alle schlechten angewohnheiten aus den US übernommen...

ich sag ja immer "wir habn keinen Markt mehr wir haben Faustrecht"

harryzwo

25.09.2012, 14:20 Uhr

... oder BROTHER Tintenstrahldrucker, die vom Internethändler schon mit Refillpatronen geliefert werden. Im Garantiefall redet sich BROTHER raus an der
Fremdtinte sei was nicht in Ordnung gewesen. Wenn schon
dann soll BROTHER die Garantie nur unter Verwendung
von Originaltinte ausloben; dann wird es eine teure
Garnatieleistung :-( ... oder einfach Kulanz zeigen,
die sich langfristig auszahlt.

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