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16.09.2012

15:04 Uhr

Überhöhte Rechnungen

Die Tricks der Steuerberater

VonBarbara Moormann

Insider bemerken eine Zunahme von Beschwerden über Steuerberater-Rechnungen. Schwarze Schafe rechnen schon mal 25.000 Euro zu Unrecht ab. Wie Berater abkassieren und Mandanten sich dagegen wehren können.

Steuererklärung: Die Rechnungen von Steuerberatern sorgen häufig für Streit. dpa

Steuererklärung: Die Rechnungen von Steuerberatern sorgen häufig für Streit.

Ibiza ist eine tolle Insel. Und wer da mal Urlaub machte, denkt schnell darüber nach, ob er dort nicht eine Immobilie kauft. In der Praxis ist solch ein Kauf aber kompliziert. Vor allem die steuerlichen Aspekte sollten seriös geklärt werden.

Also fragte eine geneigte Interessentin bei ihrem Steuerberater in Dortmund nach, wie das Ferienhäuschen zu versteuern sei. Die Antwort kam auf Papier und war recht allgemein gehalten. Wesentlich konkreter war dagegen die Rechnung, die dann folgte. Die Anfrage ins Blaue kostete stolze 470 Euro. Drei Stunden Arbeit a 125 Euro plus Steuern und noch andere Gebühren.

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Eine Suche bei Google kam schnell zu besseren Ergebnissen. Die Betroffene ärgerte sich über die Rechnung und schrieb eine E-Mail an die Dortmunder Kanzlei. Die Replik ließ nicht lange auf sich warten. Es kam ein Brief mit folgendem Text: „Anliegend eine kleine Aufmerksamkeit, um den Ärger schneller zu vergessen“. Die Aufmerksamkeit bestand aber nicht in einem deutlichen Abschlag von der Rechnung, sondern in einem Blumengutschein über 20 Euro.

Darf ein Steuerberater dürftige Informationen zu Hochpreisen abrechnen? Es kann sich für Mandanten durchaus lohnen die Rechnungen ihrer Beratern unter die Lupe zu nehmen. Rechtsanwältin Dr. Corina Seiter aus Delmenhorst ist unter anderen auf Streitigkeiten zwischen Mandanten und Steuerberatern spezialisiert und bestätigt aus ihrer Erfahrung: „Ich würde schon sagen, dass Beschwerden über Steuerberater-Rechnungen, im Übrigen ebenso wie Beschwerden über Kostennoten von Rechtsanwälten, in den letzten Jahren zugenommen haben“. Doch liegt das nicht allein daran, dass es Zunahme unrechtmäßiger Honorarabrechnungen gibt. Oft sind solche Gebühren-Beschwerden ein beliebter Versuch von Mandanten, sich vor der Zahlung des Honorars zu drücken.

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Nora Schmidt-Kesseler, Hauptgeschäftsführerin der Bundessteuerberaterkammer sieht es so: „Steuerberater werden nicht maßloser. Das zeigt die relativ geringe Zahl von Gebührenstreitigkeiten. Komplett falsche Rechnungen sind sehr selten“. Sie weist auf eine häufige Quelle für Kontroversen hin: Dies sind Aufträge ohne Preisabsprachen. Sie empfiehlt, dass jeweils vorab Honorarfragen, eventuell auch Auftragserweiterungen oder -kürzungen geklärt werden sollten. Im mittlerweile gestiegenen Wettbewerbsdruck sei es für Steuerberater immens wichtig, qualitativ hochwertige Serviceleistungen anzubieten. Darin inbegriffen sei auch eine fehlerfreie Rechnungslegung.

Kommentare (16)

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DDR2

16.09.2012, 16:06 Uhr

Dank unseres Steuerrechts hat die Zunft der Steuerberater Hochkonjunktur. Selbst scheinbar einfache Steuerfälle können ohne Hilfe von Beratern nicht mehr von den Steuerbürgern selbst erledigt werden.
Die jetzt laufende Welle der Steuerabzocke bei Rentnern mit der Forderung nach Steuererklärungen rückwirkend bis 2005 und Abgabefrist von 4 Wochen birgt ein hohes Beschäftigungs- und Honorarpotential in sich. Wobei die 90-jäjhrigen noch nicht einmal mehr unterschreiben können, gheschweige denn verstehen, was da passiert.
Dieser Staat dreht wirklich durch und schwingt die Keule gegen seine Schwächsten.
Ich sehe schon die Schlagzeile:"Knast: 90-jähriger Demenzkranker hinterzog jedes Jahr 30 Euro", darunter ein Bild, wie Schwerpunktstaatsanwaltschaft und GSG9 den Delinquenten im ROllstuhl abführen.
So einen starken Staat haben wir uns doch immer gewünscht, oder?

Mitbuerger

16.09.2012, 16:36 Uhr

Ich jedenfalls mache meine Steuererklärungen, und da waren auch schon sehr komplizierte Fälle dabei, immer selbst. Wenn ich etwas nicht weiß, dann frage ich entweder beim Finanzamt per Telefon nach oder gebe die Dinge nach "Gefühl" an, verbunden mit einem Schreiben, in dem ich den Sachverhalt und die Begründung für meine Angaben schildere. Das hat bisher immer geklappt und falls die Sachbearbeiter es anders wollten habe die es dann schon anders gemacht - übrigens nie zu meinem Nachteil.

HvdH

16.09.2012, 17:10 Uhr

Es werden 2 Fälle aufgegriffen, um eine gesamt Branche zu verunglimpfen. Die Gebührenordnung der Steuerberater ist seit der Euro-einführung nicht angepasst worden. Bei nur 2% Inflationsrate haben sich die Einkommen der Berater um 32,7% gesenkt. Was würden unsere Ärzte zu so einer Entwicklung sagen.

Wenn denn nach Gebührenordnung abgerechnet wird, hat der Berater fünf Kriterien zu bewerten:
- Umfang der Tätigkeit
- Schwierigkeit der Tätigkeit
- Bedeutung der Angelegenheit für den Kunden
- Einkommens- und Vermögensverhältnisse des Kunden
- Besondere Haftungsrisiken des Auftrages.
Nun können alle Beteiligten überlegen wie das im Falle des Ankaufs einer spanischen Immobilie zu bewerten ist. Kein gesichertes Grundbuch, erheblicher Vermögenstransfer, ggf. Steuerkalkulation unter Progressionsvorbehalt in Deutschland, spanische Besteuerung der selbstgenutzten Immobilie, etc.
Klar da reicht es wenn man die Fragen kennt und alles googelt. Hauptsache wenn es schief geht, kann man den Steuerberater in Anspruch nehmen. Da ich nicht weiß was der Mandant von seinem Steuerberater wissen wollte, kann ich nicht einschätzen, ob das Honorar angemessen war. Aber im Hinblick auf die mögliche Fragestellung, erscheint mir das Honorar nicht angemessen. Geht man davon aus, dass so eine Immobilie selbst in schlichter Ausstattung und in B - Lage nicht unter Euro 120.000 zu haben ist, dann beträgt auf Basis von § 21 StbGebO unter Ansatz der Mittelwertgebühr und der Mehrwertsteuer die angemessene Gebühr Euro 960,39. Der Kollege hat entweder einen Freundschaftspreis abgerechnet oder die Anfrage war so beschränkt, dass eine einfache Antwort genügte. Die zitierte Rechtsanwältin argumentiert nicht seriös. Vielleicht hat sie auch nur eine Profilneurose und möchte die Gelegenheit nutzen über das Handelsblatt für ihre vermeintliche Expertise zu werben.

Ulf C. Hermanns - von der Heide vBp. Stb.
Mitgliede des Gebührenausschusses
der Steuerberaterkammer Schleswig Holstein

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