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15.09.2014

09:40 Uhr

Umsatzsteuer

Glück beim Pokern, Pech beim Fiskus

VonPaul Lauer

Spielgewinne müssen in Deutschland nicht versteuert werden – eigentlich. Diese Regel gilt aber nicht für professionelle Spieler. Auf ihre Gewinne wird sogar Umsatzsteuer fällig.

Wer beim Pokern Gewinne macht, muss darauf unter Umständen auch Steuern zahlen. dpa

Wer beim Pokern Gewinne macht, muss darauf unter Umständen auch Steuern zahlen.

DüsseldorfAuf den ersten Blick scheint die Regelung eindeutig: Spielgewinne, Wettgewinne, Lotterie- und Lottogewinne sowie Gewinne aus dem Spielcasino sind keine steuerpflichtigen Einkünfte. Auf sie müssen weder Einkommensteuer noch Schenkungsteuer gezahlt werden – und schon gar keine Umsatzsteuer. Erst wenn das gewonnene Vermögen aufs Sparbuch gelegt oder in Wertpapiere investiert wird, unterliegen die daraus resultierenden Zinsen und Dividenden wie üblich der Kapitalertragsteuer.

Aber keine Regel ohne Ausnahme: Fließen solche Gewinne regelmäßig zu, kann das Finanzamt seine Begehrlichkeiten doch nicht mehr zähmen. So geschehen in einem aktuellen Streitfall, der vor dem Finanzgericht Münster landete. Der Kläger hatte über einen Zeitraum von mindestens neun Jahren an Pokerturnieren, Cash-Games sowie an Internetveranstaltungen teilgenommen. Nachdem er bei seinem Arbeitgeber unbezahlten Urlaub genommen hatte, waren die Preisgelder seine einzige Einkommensquelle. Und diese Quelle sprudelte offenbar kräftig.


Mitteilungsfreude wird dem Spieler zum Verhängnis

Indes, die Gewinne gab er in seinen Steuererklärungen nicht an. Zum Verhängnis wurde ihm aber seine Mitteilungsfreudigkeit. So offenbarte er unter anderem in einem Internet-Interview, dass er an zahlreichen Turnieren teilgenommen habe.

So verstehen Sie das Finanzamt

Der Einspruch ist zulässig

Wenn das Finanzamt schreibt, dass der Einspruch zulässig sei, klingt das zunächst einmal gut, aber es ist nur die halbe Miete. Denn dies heißt nur, dass der Steuerzahler die formalen Voraussetzungen für einen Einspruch erfüllt hat – wie etwa das fristgerechte Einreichen.

Der Einspruch ist begründet

Erst bei der Frage, ob der Einspruch begründet ist, prüft das Finanzamt das Anliegen des Steuerzahlers inhaltlich.

Das Finanzamt hilft ab

Im Vokabular des Finanzamts bedeutet „abhelfen“, dass die Beamten dem Einspruch des Steuerzahlers folgen und beispielsweise eine außergewöhnliche Belastung doch als solche anerkennen.

Das Finanzamt gewährt AdV

Eigentlich muss eine Steuernachzahlung trotz eingelegtem Einspruch sofort beglichen werden. Der Steuerzahler kann jedoch AdV – Aussetzung der Vollziehung – beantragen. Das ist jedoch gefährlich, denn wenn der Steuerzahler Jahre später doch zahlen muss, kassiert das Finanzamt nicht nur die Nachzahlung, sondern auch noch saftige Zinsen.

Das Verfahren ruht

Wenn zu einer steuerrechtlichen Frage bereits ein Verfahren läuft, muss ein Steuerzahler, der sich aus den gleichen Gründen ungerecht behandelt fühlt, nicht selbst gegen seinen Steuerbescheid klagen. Es reicht, wenn er Einspruch einlegt und auf das laufende Verfahren verweist. Gewährt das Finanzamt das Ruhen des Einspruchsverfahrens, kann der Ausgang des anhängigen Klageverfahrens entspannt abgewartet werden.

Das Finanzministerium verhängt einen Nichtanwendungserlass

Wenn das Finanzministerium für eine Entscheidung des Bundesfinanzhofs einen Nichtanwendungserlass verkündet, gilt das steuerzahlerfreundliche Urteil nur für den entschiedenen Klagefall. Andere Steuerzahler können sich dann nicht mehr darauf beziehen, sondern müssen gegebenenfalls selbst klagen.

Davon bekam das Finanzamt Wind, das flugs eine Betriebsprüfung ansetzte, die Umsätze des Spielers auf Grundlage der Bareinzahlungen auf seinem Konto schätzte und eine Umsatzsteuernachzahlung verlangte. Dagegen erhob der Spieler Einspruch mit der Begründung, dass er kein Berufsspieler sei und damit auch keine steuerbaren Spielgewinne vorlägen.

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