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18.04.2016

08:58 Uhr

Umsatzsteuer

Sind Hochzeitsreden eine Kunst?

VonConstanze Elter

Wenn Selbstständige künstlerisch tätig sind, können sie für ihre Leistungen den ermäßigten Umsatzsteuersatz berechnen – zumindest manchmal. Die Details sind strittig, doch ein aktuelles Urteil sorgt für mehr Klarheit.

Nicht immer sind Hochzeitsreden eine Kunst. dpa

Hochzeit

Nicht immer sind Hochzeitsreden eine Kunst.

MünchenDas Umsatzsteuerrecht hat viele Haken und Ösen – vor allem, wenn es darum geht, den ermäßigten Steuersatz richtig anzuwenden. Häufig hängt es davon ab, wer was genau tut. So sind Vorträge und Reden zwar urheberrechtlich geschützte Sprachwerke. Der Ghostwriter, der eine Rede für seinen Auftraggeber schreibt, berechnet also den ermäßigten Steuersatz, weil er Nutzungsrechte nach dem Urheberrecht überträgt. Wer aber einen Vortrag oder eine Rede hält, räumt damit einem anderen keine urheberrechtlichen Nutzungsrechte ein. Hier kommt es darauf an, ob der Vortrag als Darbietung eines Künstlers einzustufen ist.

Dieser Schwierigkeit musste sich ein studierter evangelischer Theologe stellen, der im Kundenauftrag Hochzeits-, Geburtstags-, Trennungs- und Trauerreden hielt. Nach Halten der jeweiligen Rede schickte er seinen Auftraggebern stets ein ausformuliertes Redemanuskript. Für seine Umsätze berechnete der Redner den ermäßigten Steuersatz.

Software für den Steuerdschungel

Steuer-Software

Computerprogramme sind eine gute Alternative zu ellenlangen Steuerformularen. Sie übernehmen das Ausfüllen und geben Tipps zum Steuersparen. Die Kosten für die Software sind sogar von der Steuer absetzbar. In komplizierten Fällen ist ein Lohnsteuerhilfeverein oder ein Steuerberater aber meist die bessere Wahl.

Günstige Programme

Es gibt zwei Klassen von Steuersoftware. Preiswerte und schlichte Lösungen kosten ab zehn Euro und sind teils auch im Supermarkt zu haben. Sie helfen bei einfachen Steuerfällen. Auch das kostenlose Programm Elster-Formular der Finanzämter ist für einfache Fälle geeignet - hier gibt es allerdings keine Steuerspartipps.

Teure Programme

Wer hohe Werbungskosten etwa für Fahrten oder doppelte Haushaltsführung hat, ist mit den umfangreichen und teureren Programmen besser bedient; genauso Kapitalanleger, Immobilienbesitzer und ungeübte Anwender. Wer sich einmal für ein Programm entschieden hat, sollte dabei bleiben. Das spart Zeit fürs Einarbeiten und erleichtert die Übernahme von Daten aus dem Vorjahr.

Installation

Die Installation läuft bei den meisten Programmen problemlos. Das Nachsehen haben manchmal Nutzer von Apple-Computern oder Rechnern mit Linux: Die meisten Programme gibt es nur für Windows. Eine Alternative sind reine Internetprogramme - diese haben manchmal aber nur wenige Detailfragen. Aufpassen sollten Anwender, dass ihnen bei der Installation keine kostenpflichtigen Update-Abonnements angeboten werden.

Aktualisierung

Bei allen Programmen ist direkt nach der Installation eine Aktualisierung Pflicht, weil bei der Programmierung die neuesten Steueränderungen noch nicht berücksichtigt wurden. Die Hersteller verbessern die Programme zudem laufend und merzen dabei Fehler aus. Diese Updates sollte die Software auf jeden Fall kostenlos anbieten.

Erste Schritte

Am Anfang steht bei allen Programmen die Eingabe der persönlichen Daten wie Name, Adresse, Anzahl der Kinder, Steuernummer und zuständiges Finanzamt. Danach wählt das Programm die benötigten Formulare aus.

Menüführung

Die meisten Programme bieten verschiedene Wege zur Eingabe der Daten. Versierte Benutzer können die einfache Formulareingabe wählen, für Einsteiger bietet sich der Interview-Modus an - hier fragt das Programm Schritt für Schritt die nötigen Daten ab. Bei den meisten Programmen tauchen jeweils Steuerspartipps und Erklärungen auf dem Bildschirm auf, auch gibt es teils Verknüpfungen zu Nachschlagewerken oder erklärende Videos. Die Qualität der Tipps unterscheidet meist die preiswerten von den teureren Programmen.

Ab zum Finanzamt

Viele Programme überprüfen die Eingaben der Nutzer direkt bei der Eingabe oder vor dem Abschluss auf Plausibilität. Elster macht das etwas grober, die Kaufsoftware genauer. So lassen sich vor allem Tippfehler und Zahlendreher vermeiden. Zudem informieren die Programme über den Stand der Steuererstattung oder -nachzahlung. Die meisten Programme schicken die Steuererklärung direkt über das Internet an das Finanzamt.

Fehlanzeige, urteilten sowohl das zuständige Finanzamt als auch das Finanzgericht Nürnberg. Die schriftliche Redefassung sei nur ein begleitender, unselbständiger Bestandteil der Leistung, die Rede selbst die Hauptleistung. Urheberrechte würden mit dem Übersenden des Redemanuskripts nicht übertragen – und das Halten der Rede selbst war nach Meinung des Finanzgerichts ebenfalls steuerlich nicht begünstigt, da es sich um keine künstlerische Darbietung mit Eintrittskarte handelte.

Dieser Argumentation konnte der Bundesfinanzhof nicht folgen. Das oberste deutsche Steuergericht stellte klar, dass die Steuerermäßigung für ausübende Künstler nicht davon abhänge, ob von den Zuschauern oder Zuhörern eine „Eintrittsberechtigung“ verlangt werde (Az.: V R 61/14).

Vielmehr komme es darauf an, ob der Trauer- oder Hochzeitsredner ein ausübender Künstler sei. Hier sei es wichtig zu bewerten, ob die Leistungen eine schöpferische Gestaltungshöhe erreichen. Denn die Vorschrift im Umsatzsteuerrecht setzt kein Kulturangebot an die Öffentlichkeit voraus.

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