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28.01.2014

14:39 Uhr

Umstrittenes „Scoring”

BGH weist Klage gegen Schufa ab

Die Wirtschafts-Auskunftei Schufa muss ihre Geheimformel zur Einstufung der Kreditwürdigkeit von Verbrauchern nach einem Urteil des Bundesgerichtshofs (BGH) nicht offenlegen. Das System ist nicht unumstritten.

Die Schufa muss nicht die Berechnungsdetails für ihre Bonitätsauskunft veröffentlichen. dpa

Die Schufa muss nicht die Berechnungsdetails für ihre Bonitätsauskunft veröffentlichen.

KarlsruheDie Schufa muss nach einem Urteil des Bundesgerichtshofs (BGH) Verbrauchern keine umfassende Auskunft zur Berechnung ihrer Kreditwürdigkeit geben. Das Gericht teilte am Dienstag in Karlsruhe mit, dass die Revision gegen das Urteil der Vorinstanz zurückgewiesen sei.

Eine 54-jährige Klägerin wollte wissen, wie die Wirtschaftsauskunftei die Werte für ihre Kreditwürdigkeit berechnet hat. Zweimal scheiterte sie mit ihrer Klage. Dann sagte sie sich: „Ich zieh das jetzt durch.“ Bis zum Bundesgerichtshof in Karlsruhe, dem obersten Gericht für Zivilsachen.

Dort wirken die Rechtsgelehrten in den roten Roben am Dienstag nachdenklich. „Die Sache hat doch ein paar Ecken, das will wohlüberlegt sein“, sagt der Vorsitzende Richter Gregor Galke. In der knapp einstündigen Verhandlung fragt er nach, will von Schufa-Anwalt Matthias Siegmann wissen, wie die Schufa denn zu ihrem „Scoring“, zur Bewertung der Bonität, gekommen ist, wenn gar keine Daten über das Zahlungsverhalten der Klägerin vorlagen - „nur um es zu verstehen“.

Genau das verlangt das Bundesdatenschutzgesetz: Scoring-Stellen wie die Schufa müssen „in allgemein verständlicher Form“ darlegen, wie die Wahrscheinlichkeitswerte zur Kreditwürdigkeit zustande gekommen sind. Der Anwalt holt weit aus, verweist auf „wissenschaftlich anerkannte statistisch-mathematische Verfahrensweisen“. Die Klägerin sei bei der ersten Auskunft „ein unbeschriebenes Blatt“ gewesen. Deswegen sei ihre Bewertung anhand einer Vergleichsgruppe ermittelt worden, zu der es ebenfalls keine weiteren Daten gebe. Die genaue Formel müsse Geschäftsgeheimnis bleiben.

Warum aber waren die Ergebnisse für drei Branchen unterschiedlich? Von 81,14 Prozent bei Geschäften mit Telekommunikationsunternehmen bis 92,94 Prozent bei Banken reichten die Scoring-Werte der Klägerin aus dem Landkreis Gießen - je geringer der Wert, desto höher soll die Wahrscheinlichkeit sein, dass sie einen Kredit nicht zurückzahlen kann. „Wie diese unterschiedlichen Werte zustande kommen, ist nicht nachvollziehbar“, sagt ihr Anwalt Wendt Nassall.

Kommentare (7)

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Account gelöscht!

28.01.2014, 16:01 Uhr

Wenn Sie Ihren Handyvertrag per Einschreiben mit Rückschein kündigen, von dem Handyprovider keine Bestätigung erhalten, mehrfach bei der Handyhotline anrufen, dort wegen totaler (vielleicht auch nur vorgetäuschter) Inkompetenz kein Gehör finden,werden Sie vielleicht auf die Idee kommen, den ungerechtfertigten Lastschrifteinzug bei Ihrer Bank zurückzufordern.
Machen Sie das bloß nicht, denn der Handyprovider wird der Schufa und anderen Auskunfteien sofort mitteilen, dass mit Ihrem Konto etwas nicht in Ordnung ist.

Bei größeren Krediten, etwa für einen Hauskauf, könnte das für Sie sehr teuer werden.

Was ich hier beschreibe, ist kein Einzelfall. In den entsprechenden Internetforen finden Sie tausende ähnlicher Berichte.
Leider scheint die Stimme des Bürgers den BGH aber kaum zu interessieren.
Zuvörderst hat hier natürlich der Gesetzgeber versagt. Z.B. die so hoch gehandelte Ministerin Aigner hätte hier Gesetzesänderungen auf den Weg bringen können. Aber sie hat ebensowenig gemacht, wie die mit energischem Anspruch auftretende Künast, die außer flotten Sprüchen gar nichts zu Stande gebracht hat.

Wo steckt eigentlich unser oberster Verbraucherschützer, Herr Billen?

Account gelöscht!

28.01.2014, 16:33 Uhr

"...oberster Verbraucherschützer..."

Auch wieder so eine inhaltsleere Postenbeschreibung, wie die des "Gottes, der immer helfen soll".

th235

28.01.2014, 16:34 Uhr

Kreativer,
wer glaubt, von dem höchsten Gericht, genannt Bundesgerichtshof, ein anderes Ergebnis erwartet zu haben. Derjenige muss naiv und von den deutschen Gerichten nur gut geträumt zu haben. Die obersten Bundesrichter vertreten nicht die Unabhängigkeit im Sinne von GG Art. 97 Abs. 1 i.V.m. GVG § 1 sondern unterliegen der Weisung der gewählten Volksvertreter. Denn von diesen sind sie auch ausgewählt worden.
Das gilt auch für die Richter am Bundesverfassungsgerichtes.
Die Schufa ist eine undurchsichtige von den Banken geführte Mafiaorganisation.
Die Mafia wird durch Staatsanwaltschaft und Gerichte verfolgt und wer verfolgt die Justiz ????

Das ist wie nach BGB § 181 ein In-Sich-Geschäft.
Das ist doch ein Clique von besonderem Ausmaße.
Denn die Bundesrichter haben Angst um ihre Lebensstellung und desweiteren finden dann diese eine gute Stellung in Anwaltskanzleien, die auch öfters vor dem BGH aufgetreten sind.

das der Gesetzgeber in unserer parlamentarischen Demokratie kein Rückgrat hat. müsste doch jedem mündigen Bürger bekannt sein.
Die Volksvertreter lassen doch die Gesetze von Anwaltskanzleien schreiben. Was soll man dazu noch sagen ???
Solange unsere "aufmüpfig" gewählten Volksvertreter so weitermachen, wird sich nichts ändern.
Es grüße die Ukraine, wo das Volk aufbegehrt.

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