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09.05.2016

14:05 Uhr

Unterhalt für Kinder

Elterngeld mindert Steuervorteil

VonConstanze Elter

In den ersten Monaten nach der Geburt bleiben Mütter häufig beim Kind und stecken beruflich zurück. Das Elterngeld soll diese Situation ein wenig abfedern. Für Unterhaltszahlende gibt es einen Nachteil.

Der Staat unterstützt sie mit dem Eltengeld. dpa

Eltern

Der Staat unterstützt sie mit dem Eltengeld.

MünsterAußergewöhnliche Kosten entstehen in außergewöhnlichen Lebenssituationen – zum Beispiel dann, wenn ein Paar sich entscheidet, eine Familie zu gründen. Meist muss einer der beiden Elternteile in der ersten Zeit nach der Geburt beruflich und finanziell zurückstecken. Gut, wenn der andere Partner dann für den Unterhalt aufkommen kann.

Steuerlich sind Unterhaltszahlungen begünstigt und als außergewöhnliche Belastung abziehbar – wenn einige Voraussetzungen erfüllt sind. Abzugsfähig sind zum Beispiel Unterstützungsleistungen an Menschen, die Ihnen gegenüber gesetzlich unterhaltsberechtigt sind. Zu diesem Personenkreis zählt beispielsweise der andere Elternteil eines nichtehelichen Kindes. Steuerlich geltend machen können Sie Ihre Zahlungen maximal bis zu einem Unterhaltshöchstbetrag pro Jahr.

Verfügt derjenige, den Sie unterstützen, über eigenes Einkommen, so wird dies auf den Höchstbetrag angerechnet. Dies gilt aber nur dann, sofern die Einkünfte 624 Euro im Jahr übersteigen.

Genau das war der Streitpunkt eines Falles, den jetzt das Finanzgericht Münster zu entscheiden hatte. Ein Mann zahlte seiner Lebensgefährtin und Mutter des gemeinsamen Kinders monatlich Unterhalt. Außerdem erhielt sie Elterngeld in Höhe von rund 650 Euro pro Monat.

Der Kläger rechnete dem Finanzamt vor, dass nur der Betrag, der den Sockelbetrag beim Elterngeld übersteige, als Einkommen der Mutter gelten könne. Beim Sockelbetrag von 300 Euro handele es sich um einen anrechnungsfreien Bezug, den jede Mutter oder Vater erhalte. Das Finanzamt folgte dieser Argumentation nicht und rechnete das gesamte Elterngeld auf den Unterhalt an.

Wann ist das Kind ein Kind?

Minderjährige

Bei Minderjährigen haben die Eltern immer einen Anspruch auf Kindergeld oder einen Kinderfreibetrag. Egal, ob der Nachwuchs schon berufstätig ist oder nicht.

Volljährige unter 25

Bei volljährigen Kindern, die aber das 25. Lebensjahr noch nicht vollendet haben, gibt es nur unter bestimmten Bedingungen Kindergeld, siehe nachfolgend.

Berufsausbildung

Wenn der Nachwuchs eine erste Berufsausbildung macht oder studiert, haben die Eltern weiter Anspruch auf Kindergeld.

Übergangszeit

Zwischen Abitur und Studienbeginn und allgemein zwischen dem Schulabschluss und dem Beginn der Ausbildung liegen oft einige freie Monate. Während einer Übergangszeit von höchstens vier Monaten wird das Kindergeld weiter gezahlt.

Kein Ausbildungsplatz

Wer seine Berufsausbildung nicht fortsetzen kann, da er keinen Ausbildungsplatz bekommen hat, wird in dieser Zeit mit Kindergeld unterstützt. Allerdings muss der Ausbildungswille da sein.

FSJ und FÖJ

Wenn unter 25-Jährige ein freiwilliges soziales (FSJ) oder ökologisches (FÖJ) Jahr leisten, gibt es währenddessen Kindergeld. Das gilt aber nur bis zum 21. Lebensjahr.

Behinderung

Wenn Sohn oder Tochter wegen einer körperlichen, geistigen oder seelischen Behinderung nicht selbst für ihren Unterhalt sorgen können, bekommen die Eltern Kindergeld.

Das Finanzgericht Münster war der gleichen Meinung (Az.: 3 K 3546/14 E). Unter Bezügen seien alle Einnahmen in Geld oder Geldeswert zu verstehen – sofern sie dazu geeignet seien, den eigenen Unterhalt zu bestreiten. Das Elterngeld ist nach Einschätzung der Richter einheitlich als Einkommensersatzleistung zu betrachten: „Weder der Wortlaut der Vorschrift noch sein Sinn und Zweck erfordern eine unterschiedliche Behandlung des Sockelbetrags des Elterngeldes und der darüber hinaus gewährten Beträge.“

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