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10.06.2014

16:41 Uhr

Unwetter-Ersatztransport

Warum Taxi-Fahrer Bahn-Gutscheine ablehnen dürfen

VonSteffen Daniel Meyer

Wegen des heftigen Unwetters fallen in Nordrhein-Westfalen viele Züge aus, und die Deutsche Bahn verteilt Taxi-Gutscheine an ihre Fahrgäste. Diese aber haben ihre Tücken. Denn für einige Fahrer ist nur Bares Wahres.

Ein Mann winkt in Essen vor dem Hauptbahnhof nach einem Taxi: „Das hat die Bahn schon immer gemacht.“ dpa

Ein Mann winkt in Essen vor dem Hauptbahnhof nach einem Taxi: „Das hat die Bahn schon immer gemacht.“

DüsseldorfEine lange Menschenschlange hat sich vor dem Info-Schalter der Bahn in Dortmund gebildet, die Angestellten rufen wie Marktschreier in die Menge: „Essen!“ „Münster!“ „Düsseldorf!“ - „Hier! Düsseldorf!“, meldet sich eine junge Frau. Sie bekommt einen Zettel von dem Bahn-Angestellten in die Hand gedrückt, hört noch „Finden Sie noch drei weitere Personen, die mit Ihnen fahren“ und er geht zurück zum Schalter.

Da der Zugverkehr aufgrund des Unwetters in Richtung Düsseldorf „bis auf weiteres ausfällt“, wie die Anzeigen informieren, verteilt die Bahn Taxi-Gutscheine an die Reisenden. Vor den Hauptbahnhöfen in Nordrhein-Westfalen bilden sich daher große Menschentrauben, die auf Taxen warten.

Laut der Dortmunder Zeitung „Ruhr Nachrichten“ spricht die Dortmunder Taxi-Zentrale von einer „chaotischen“ Lage, so ein Sprecher. „Wir haben alles auf der Straße, was Räder hat.“ Die 650 Dortmunder Taxen hätten trotzdem Wartezeiten bis zu einer Stunde. Einige Fahrer sind über die Regelung nicht sehr erfreut, meiden den Hauptbahnhof oder verlangen Bargeld.

Die junge Frau findet drei weitere Pendler zwischen Dortmund und Düsseldorf. Nach einigem Warten und Winken nimmt sie ein Taxi mit - nachdem mehrere leer an ihnen vorbei gefahren sind. Der Fahrer ist angestellt und bekommt ein Festgehalt - daher macht es für ihn ökonomisch gesehen keinen Unterschied, ob er in Dortmund tätig ist oder bis nach Düsseldorf fährt.

„Für die, die auf Provision fahren, wäre das aber Mist“, sagt er. Lange und extrem kurze Strecken zahlten sich kaum aus. Besser seien viele Strecken mittlerer Länge. Der Deutsche Taxi- und Mietwagenverband (BZP) kann das nicht bestätigen: „Rund 90 Prozent unserer Taxiunternehmen fahren gerne für die Bahn“, sagt BZP-Sprecher Frederik Wilhelmsmeyer.

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