Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

30.11.2011

12:16 Uhr

Urteil

Bundesfinanzhof erleichtert Kindergeld-Bezug

Der Bundesfinanzhof hat eine Hürde beim Bezug von Kindergeld in einem Urteil beseitigt. Bei der Berechnung des maßgeblichen Einkommens des Kindes sind Semesterbeiträge in vollem Umfang mindernd anzurechnen.

Studienbeiträge müssen bei Entscheidungen über Kindergeldanspruch in vollem Maße mindernd auf das zugrundeliegende Einkommen des Kindes angerechnet werden. dapd

Studienbeiträge müssen bei Entscheidungen über Kindergeldanspruch in vollem Maße mindernd auf das zugrundeliegende Einkommen des Kindes angerechnet werden.

MünchenEltern mit studierenden Kindern können im laufenden Jahr einfacher Kindergeld bekommen. Bei der Berechnung des maßgeblichen Einkommens des Kindes sind die Semesterbeiträge in vollem Umfang mindernd anzurechnen, wie der Bundesfinanzhof (BFH) in München in einem am Mittwoch veröffentlichten Urteil entschied. (Az.: III AZR 38/08)

Kindergeld wird vorbehaltlos bis zur Volljährigkeit gezahlt, danach bis zum 25. Geburtstag, wenn sich das Kind noch in Ausbildung befindet. Allerdings darf das Kind nicht mehr als 8004 Euro (bis Ende 2009: 7680 Euro) verdienen. Maßgeblich ist das zu versteuernde Einkommen.

Wie man das Einkommen senkt

Ein Rechenbeispiel

Ein Kind studiert und hat 2011 in den Semesterferien als Angestellte 9.050 Euro verdient. Als Werbungskosten wird davon automatisch der Arbeitnehmerpauschbetrag von 1.000 Euro abgezogen. Es bleiben Einkünfte von 8.050 Euro. Da der Grenzbetrag derzeit noch bei 8.004 Euro liegt, bestünde kein Anspruch auf Kindergeld. Das ändert sich, wenn weitere Ausbildungskosten - etwa für Studiengebühren, Bücher und Fahrten zwischen der Wohnung und der Uni - nachgewiesen werden können. Betragen diese beispielsweise 2.000 Euro, verbleiben noch Einkünfte von 6.050 Euro - das Kindergeld wäre gerettet.

Arbeitnehmerpauschbetrag

Bei Angestellten werden in Form des Arbeitnehmerpauschbetrags automatisch Werbungskosten in Höhe von 1.000 Euro vom zu versteuernden Einkommen abgezogen. Dafür müssen keine Belege vorliegen.

Arbeitsmittel

Als Arbeitsmittel gelten beispielsweise Schreibmaterialien und Fachbücher. Sie können bei der Steuererklärung als Ausgaben angegeben werden und mindern so das zu versteuernde Einkommen.

Computer-Kauf

Ein Computer kann unter Werbungs- oder Ausbildungskosten bei der Steuer geltend gemacht werden. Hat er mehr als 410 Euro gekostet, muss er über drei Jahre abgeschrieben werden. Bei einem Computer im Wert von 900 Euro sind das also je 300 Euro über drei Jahre.

Weg zur Arbeit

Bei den Ausgaben wird in der Steuererklärung auch der Arbeitsweg berücksichstigt. Für jeden sogenannten Entfernungskilometer werden 30 Cent anerkannt. Ob man zur Arbeit läuft, mit dem Auto oder dem Bus fährt, spielt keine Rolle.

Arbeitskleidung

Kleidung, die man für den Beruf kaufen muss, kann von der Steuer abgesetzt werden. Dazu zählen beispielsweise die weiße Bäckerjacke oder Sicherheitsschuhe.

Versicherungen

Zu den Ausgaben zählen auch Versicherungen. Deshalb können beispielsweise auch die Kranken- und Rentenversicherung von der Steuer abgesetzt werden.

Semesterbeitrag

Studenten können ihren Semesterbeitrag in voller Höhe von ihrem zu versteuernden Einkommen abziehen.

Daher sind die Semesterbeiträge als „ausbildungsbedingter Mehrbedarf“ vom Einkommen abzuziehen, urteilte nun der BFH. Das gelte selbst dann, wenn die Studenten im Gegenzug neben ihrer Immatrikulationsbescheinigung auch ein sogenanntes Semesterticket für den öffentlichen Personennahverkehr bekommen. Denn um studieren zu können, müssten die Studenten den Semesterbeitrag in jedem Fall voll bezahlen, auch dann, wenn sie den öffentlichen Nahverkehr gar nicht nutzen wollen.

Steuervorteil sichern: Wie der Computer das Kindergeld rettet

Steuervorteil sichern

Wie der Computer das Kindergeld rettet

Zum letzten Mal müssen Eltern und ihre volljährigen Kinder jetzt die Einnahmen und Ausgaben genau nachrechnen. Ab 2012 gibt es das Kindergeld unabhängig vom Einkommen des Nachwuchses.

Ab 2012 soll die Einkommensgrenze beim Kindergeld für 18- bis 24-Jährige ohnehin ganz entfallen. Bis zum Abschluss der ersten Ausbildung, längstens bis zum 25. Geburtstag, wird das Kindergeld dann vorbehaltlos gezahlt. Auch während einer Zweitausbildung kann es künftig noch Kindergeld geben, wenn die wöchentliche Arbeitszeit unter 20 Stunden liegt.

Von

afp

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×