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09.11.2015

15:24 Uhr

Urteil des BFH

Das Trinkgeld bleibt steuerfrei

VonConstanze Elter

Wenn Kellner Trinkgeld bekommen, ist das ein steuerfreier Zusatzverdienst. Doch was passiert, wenn der Chef die Gelder einsammelt und anschließend verteilt? Ein Urteil des Bundesfinanzhofs dürfte die Angestellten freuen.

Bei dem Dankeschön der Kunden schlägt der Fiskus nicht zu. dpa-tmn

Trinkgeld

Bei dem Dankeschön der Kunden schlägt der Fiskus nicht zu.

MünchenIn vielen Dienstleistungsbranchen spielt das Trinkgeld als finanzielles Zubrot eine große Rolle. Das gilt gerade dann, wenn das Grundgehalt nicht sonderlich hoch ist. Das Prinzip dabei kennt jeder: Insbesondere in der Gastronomie gibt man dem Kellner als zufriedener Kunde in der Regel ein Trinkgeld. Indirekt profitiert dabei auch das Unternehmen, denn zufriedene Kunden kommen gerne wieder.

Diese freiwilligen Trinkgelder sind in voller Höhe steuerfrei. Dieser Steuervorteil ist allerdings an einige Voraussetzungen geknüpft: Das Geld muss sich auf eine Arbeitsleistung beziehen, von einem Dritten kommen und zusätzlich zu dem, was ohnehin zu zahlen ist, gegeben werden.

Tipps zur Steuererklärung

Abgabefrist

Wer seine Einkommensteuererklärung für das Jahr 2015 selbst anfertigt, muss sie bis zum 31. Mai 2016 abgegeben. Wer mehr Zeit braucht, kann beim Finanzamt einen Antrag auf Fristverlängerung stellen. Erledigt ein Steuerberater oder ein Lohnsteuerhilfeverein die Steuererklärung, endet die Frist erst am 31. Dezember 2016.

Nachfragen vermeiden

Damit das Finanzamt die Steuererklärung schnell bearbeiten kann und keine Nachfragen stellen muss, sollten Steuerzahler zu allen Rückforderungen Belege mitschicken. Um die Werbungskosten zu begründen, kann es hilfreich sein, den ausgeübten Beruf möglichst genau anzugeben.

Anleitung zur Steuererklärung

Wer seine Steuererklärung selbst erledigt, sollte auf jeden Fall die Anleitung (von dort aus auf Steuerformular > Einkommensteuer > Einkommensteuer 2014 klicken) lesen, die das Bundesfinanzministerium in seinem Formularkatalog veröffentlicht. Das Finanzamt setzt voraus, dass der Steuerzahler sich diese Anleitung genau durchgelesen hat.

Steuererklärung kopieren

Um den Steuerbescheid später kontrollieren zu können, sollten Steuerzahler eine Kopie ihrer Steuererklärung behalten - entweder gedruckt oder gespeichert als Datei.

Rechtsprechung beachten

Bevor Steuerzahler ihre Erklärung beim Finanzamt abgeben, sollten sie sich über laufende Verfahren zum Steuerrecht informieren. Häufig lässt sich die Rechtsprechung auf den persönlichen Fall übertragen. Auch, wenn ein Sachverhalt noch nicht endgültig geklärt ist, kann es sich lohnen die Ausgaben bei der Steuererklärung geltend zu machen. Bei positivem Prozessausgang besteht auch nach vielen Jahren noch die Chance auf eine Steuererstattung.

Elektronische Übermittlung

Seit 2012 sind sehr viel mehr Steuerzahler verpflichtet, ihre Steuererklärung elektronisch zu übermitteln. Unternehmer müssen nahezu sämtliche Steuererklärungen für den Veranlagungszeitraum 2011 elektronisch an das Finanzamt übermitteln. Ausgenommen von dieser Pflicht sind Arbeitnehmer, die keine sogenannten Gewinneinkünfte haben.

Der Bundesfinanzhof (BFH) musste nun prüfen, ob auch für Saalassistenten in Spielbanken diese Steuervergünstigung greift. Das Ergebnis: Freiwillige Zahlungen von Spielbankkunden an die Saalassistenten für das Servieren von Speisen und Getränken können steuerfreie Trinkgelder sein (Az.: VI R 37/14).

Der Fall war insofern strittig, als dass die Trinkgelder in der Spielbank täglich erfasst und gesammelt wurden. Laut Tarifvertrag erhielten die Saalassistenten aus diesem Aufkommen monatlich vorab einen pauschalen Anteil von rund 100 Euro. Der Rest wurde nach einem Punktesystem verteilt, das sich nach der Länge der Betriebszugehörigkeit richtete, und mit der monatlichen Lohnabrechnung ausgezahlt. Auch dies war im Tarifvertrag festgelegt. Eine Verteilung nach geleisteten Arbeitsstunden oder erwirtschaftetem Trinkgeldanteil war nicht vorgesehen.

Der betroffene Steuerpflichtige hatte in dem Jahr auf diese Weise knapp 3000 Euro steuerfreies Trinkgeld von seinem Arbeitgeber erhalten. Bei einer Lohnsteuer-Außenprüfung befanden die Beamten jedoch, dass die Beträge zu Unrecht steuerfrei ausgezahlt worden seien. Der Bundesfinanzhof sah dies anders: Die Trinkgelder, die die Besucher der Spielbank an Saalassistenten zahlten, seien eindeutig steuerfrei, da alle entscheidenden Voraussetzungen erfüllt seien.

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