Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

25.11.2014

20:19 Uhr

Veranstalter-Pleiten

BGH stärkt Rechte von Urlaubern

Für manchen Arbeitsmüden folgt ein böses Erwachen, wenn der Reiseveranstalter pleitegeht. Damit die Kunden ihr Geld zurück bekommen, müssen sich die Veranstalter absichern. Der BGH nimmt nun Reisebüros in die Pflicht.

Der BGH hat die Rechte von Urlaubern, deren Reiseveranstalter Pleite geht, gestärkt. dpa

Der BGH hat die Rechte von Urlaubern, deren Reiseveranstalter Pleite geht, gestärkt.

KarlsruheDeutsche Reisebüros müssen genau prüfen, ob Urlauber bei einer Pleite ihres ausländischen Reiseveranstalters finanziell abgesichert sind. Das hat der Bundesgerichtshof (BGH) am Dienstag entschieden und damit die Rechte von Reisenden bei einer Insolvenz von EU-Reiseveranstaltern gestärkt. (Az.: X ZR 105/13 und 106/13)

Die Richter gaben damit einem Ehepaar recht, das eine viertägige Flusskreuzfahrt bei einem niederländischen Reiseveranstalter gebucht hatte. Vermittelt wurde die Reise von einem deutschen Internet-Reisebüro. Als der Veranstalter vor Reisebeginn pleiteging, bekamen die beiden ihr Geld nicht zurück.

Eine EU-Richtlinie verlangt, dass sich Reiseveranstalter gegen Insolvenz absichern. So soll garantiert werden, dass Kunden bei einer Pleite keinen finanziellen Schaden erleiden und auch, dass sie aus der Reise zurück nach Hause kommen. Wie sie diese Anforderung rechtlich umsetzen, bleibt nach Angaben der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen den EU-Staaten überlassen.

Deutsche Unternehmen weisen ihre Pleite- Versicherung durch einen sogenannten Sicherungsschein nach.

Im vorliegenden Fall wollte die niederländische Versicherung die Reisekosten nach der Pleite nicht zurückzahlen: Sie hafte nur für Reisen, die in den Niederlanden angeboten und gebucht worden seien, hieß es. Das sei hier nicht der Fall.

Tipps für die Reisekasse

Die Mischung macht's

„Je länger und exotischer die Reise, desto sorgfältiger ausgewählt und gemischter sollte die Reisekasse sein“, sagt Uwe Döhler, Finanzexperte der Zeitschrift „Finanztest“. Bei einem Pauschalurlaub in Europa reiche die Bankkarte plus eventuell einer Kreditkarte. Bei Fernreisen seien versicherte Reiseschecks in Dollar eine gute Alternative. Der Deutsche Reiseverband (DRV) rät generell zu einer Mischung von Barmitteln, Karten und Reiseschecks.

Fernreisen

Eine Variante zu Bargeld und Bankkarten bieten noch immer Reiseschecks. „Für Touristenorte sind Schecks aber eigentlich nicht notwendig“, sagt die BdB-Sprecherin. Im außereuropäischen Ausland und bei längeren Fernreisen seien Schecks in Dollar dennoch eine sichere Alternative. Die Schecks werden an vielen Stellen wie Bargeld behandelt und können ansonsten gegen Unterschrift und Vorzeigen des Ausweises eingetauscht werden.

Ist die Kreditkarte besser als die EC-Karte?

„Sie wird in vielen Ländern häufiger akzeptiert“, sagt Döhler. Aus diesem Grund sei es gut, beides zur Auswahl zu haben. Auch sollte man beachten, dass das neue Bankkarten-System V-Pay des Kreditkartenunternehmens Visa Europe nach Informationen der Stiftung Warentest im außereuropäischen Ausland nicht und teilweise auch in Europa nicht überall akzeptiert wird.

Karte sperren

Sollte es allen Vorsichtsmaßnahmen zum Trotz passieren, dass die Bank- oder Kreditkarte abhandenkommt, sollte die Karte schnellstmöglich gesperrt werden. Dazu kann die Bank direkt kontaktiert werden oder, wie der Deutsche Reiseverband empfiehlt, der Sperr-Notruf, der unter der Telefonnummer 0049 116 116 zu erreichen ist. Der BdB empfiehlt den SOS-Infopass, der eine Vielzahl möglicher Sperrnummern enthält und online verfügbar ist.

Limit am Automaten

Banken begrenzen vielfach aus Sicherheitsgründen für das Ausland das Abhebelimit. Bei vereinzelten Instituten, etwa der Deutschen Bank, ist das Limit außerhalb Europas sogar auf null gesetzt. Um nicht gleich zu Beginn des Urlaubs mit leeren Händen dazustehen, ist es ratsam, vor Reiseantritt bei der Bank anzurufen oder online zu überprüfen, wie hoch der Verfügungsrahmen angesetzt ist und ihn gegebenenfalls zu ändern. Bei der Deutschen Bank steht auf der Karte die 24-Stunden-Hotline, um die Karte mit sofortiger Wirkung freizuschalten.

Reiseschecks

Reiseschecks müssen vor Reiseantritt erworben werden und kosten bis zu zwei Prozent des Kaufwerts. Dafür sind sie über ihren vollen Wert versichert und werden bei Verlust meist innerhalb von 24 Stunden ersetzt. Auch hier sollten Verbraucher möglichst rasch nach Verlust eines Schecks das ausstellende Finanzinstitut anrufen. Wichtig: Vor der Reise müssen Kunden immer einmal auf dem Scheck unterschreiben. Die zweite Unterschrift erfolgt dann beim Tausch gegen Bargeld. Eine Alternative können Prepaid-Kreditkarten sein.

Sollte man Geld in Deutschland oder im jeweiligen Land umtauschen?

„Üblicherweise im Reiseland“, sagt Döhler. Auch hier empfiehlt der Ökonom, nicht das Bargeld zu tauschen, sondern Bargeld am Automaten abzuheben.

Vorsicht beim Geldabheben

Beim Abheben oder Zahlen mit der EC-Karte im Ausland gelten die gleichen Sicherheitshinweise wie in Deutschland. Am Geldautomaten sollte die PIN verdeckt eingegeben werde, damit niemand von der Seite oder von hinten die Geheimnummer ausspähen kann. Das Gleiche gilt beim Bezahlen beim Einzelhändler. „Vor allem sollte man sich seine PIN nirgends notieren“, sagt eine Sprecherin des BdB. Wenn der Kunde seine Pin leichtfertig verwendet, zahlt die Bank den entstandenen Schaden nicht. Die Beweislast kann dann beim Kunden liegen.

Was sollte man bei Reisen in Nicht-Euro-Länder beachten?

Der Urlauber sollte sich vor Reiseantritt über die aktuellen Wechselkurse informieren, die Bargeldverfügungsprovisionen seiner Bezahlkarten kennen und die Auslandseinsatzprovision. Darüber hinaus ist es nach Einschätzung des „Finanztest“-Experten auch hier ratsam, den Großteil der Reisekasse erst vor Ort abzuheben.

Welche Währungen kann man in Deutschland nicht tauschen?

Bei exotischen Währungen müsse man davon ausgehen, dass die Bank das Bargeld erst bestellen muss, sagt eine Sprecherin des Bankenverbands. Der „Finanztest“-Experte Döhler nennt die Reisebank als gute Anlaufstelle für exotische Währungen.

Wie viel Bargeld sollte in der Reisekasse vorhanden sein?

Der DRV empfiehlt, nur eine überschaubare Menge Bargeld mit sich zu führen. Da Bares nicht versichert wird, gilt: „Was weg ist, ist weg.“ Der Bundesverband deutscher Banken nennt als Richtlinie, maximal ein Drittel des Budgets in bar mitzunehmen. „Nur soviel, dass es für den ersten Tag reicht“, sagt Döhler. Dabei sei zu beachten, dass bei Fremdwährungen der Tausch in Deutschland oft teurer ist als das Abheben im Ausland.

Wo gibt es beim Zahlen im Ausland versteckte Kosten?

Manche Händler nehmen nach Aussage des „Finanztest“-Experten einen Preisaufschlag, wenn man mit der Karte bezahlen will. Am Geldautomaten kostet es die Abhebegebühr der eigenen Bank, manchmal ist noch ein Aufschlag für das Institut fällig, das den Automaten betreibt. Dies muss aber vor dem Abheben angekündigt werden. Wem das zu teuer ist, kann einen anderen Automaten suchen.

Das Paar verklagte daraufhin das deutsche Reisebüro als Vermittlerin und waren in den Vorinstanzen erfolgreich: Das Reisebüro habe die vermeintliche Pleite-Absicherung genauer anschauen müssen, hieß es.

Der BGH bestätigte das nun: Das Reisebüro hätte demnach prüfen müssen, ob die Insolvenzversicherung des niederländischen Anbieters auch für in Deutschland gebuchte Reisen gilt und die Reisenden demnach abgesichert sind. Erst dann hätten sie von den Kunden eine Anzahlung verlangen dürfen. Das sei hier jedoch nicht geschehen, so dass das Reisebüro das Geld zurück zahlen müsse.

Von

dpa

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×