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08.12.2015

11:55 Uhr

Verbraucherinsolvenzen

Weniger Deutsche gehen pleite

VonMatthias Streit

Die solide Konjunktur zeigt sich in robusten Arbeitsmarktdaten und einem anhaltenden Rückgang der Verbraucherinsolvenzen. Der Anteil einer Bevölkerungsgruppe an den Pleiten steigt aber erneut.

Verbraucher-Insolvenzen

„Fast jeder Zehnte in Deutschland ist insolvent“

Verbraucher-Insolvenzen: „Fast jeder Zehnte in Deutschland ist insolvent“

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FrankfurtDas Jahr 2015 dürfte für Insolvenzverwalter ein schlechtes werden. Nicht nur die Zahl der Privat- und Unternehmensinsolvenzen sank erneut. Auch die Forderungen gegenüber Gläubigern sind in diesem Jahr deutlich niedriger als noch 2014.

Einen besonders positiven Trend zeichnet sich bei den Verbraucherinsolvenzen ab. Ihre Zahl sank 2015 um 8,6 Prozent auf 79.030. Das ist bereits der fünfte Rückgang in Folge und markiert den niedrigsten Stand seit 2005, teilt die Wirtschaftsauskunftei Creditreform mit. Den Grund dafür sieht sie vor allem im robusten Arbeitsmarkt Deutschlands.

Gleichwohl wird in den Zahlen auch ein besorgniserregender Trend festgehalten: Der Anteil junger Menschen an den privaten Pleiten steigt. Erwachsene unter 30 Jahren stehen für fast ein Sechstel (15,4 Prozent) aller Verbraucherinsolvenzen – ein Anstieg um ein Prozentpunkt gegenüber 2013.

Insolvenzen in Deutschland 2015

Die Summe aller Pleiten

Hierzulande meldeten 2015 insgesamt 126.000 Verbraucher und Unternehmen Insolvenz an. Damit sank die Zahl um 6,5 Prozent – 2014 waren es noch 135.020. Der aktuelle Wert markiert damit den niedrigsten Stand seit 2004.

Quelle: Creditreform

Verbraucher

Der größte Teil der Pleiten entfällt auf die privaten Insolvenzen. Insgesamt meldeten 79.030 Verbraucher Insolvenz an. Das waren 8,6 Prozent weniger als noch 2014. Der Anteil junger Erwachsener stieg jedoch leicht. 2015 war fast jeder sechste Privatpleitier jünger als 30 Jahre. Damit stieg deren Anteil um einen Prozentpunkt in zwei Jahren.

Unternehmen

2015 mussten 23.230 Unternehmen Insolvenz anmelden. Ein Jahr zuvor waren es noch 24.030. Das entspricht einem Rückgang von 3,3 Prozent – und markiert den niedrigsten Wert seit Einführung der Insolvenzordnung 1999.

Schaden für Gläubiger

Mit der absoluten Zahl der Insolvenzen sanken auch die Forderungen der Gläubiger. 2015 belief sich die Summe auf 19,6 Milliarden Euro. Ein Jahr zuvor waren es noch 26,1 Milliarden Euro.

Arbeitsplätze

Die Zahl der durch Insolvenzen bedrohten Arbeitsplätze sank von 264.000 im Jahr 2014 auf 225.000 im Jahr 2015. Dabei gibt es Branchen, in denen Insolvenzen verhältnismäßig häufig auftreten. So kommen etwa in der Baubranche 97 Pleiten auf 10.000 Unternehmen, im Dienstleistungssektor 71. Im verarbeitenden Gewerbe sind es gerade einmal 44.

Dennoch gehörten zum Jahr 2015 auch große Unternehmenspleiten: Allen voran die Insolvenz von Imtech Deutschland sorgte für große Aufregung. Das Unternehmen gehört zu den bekanntesten der Baubranche – und ist beim Bau des Berliner Großflughafens BER involviert. Ebenso traditionsreiche Namen wie die Handelskette Strauss Innovation oder der Kettcar-Hersteller Kettler meldeten in den vergangenen Wochen Insolvenz an. Ein düsteres Bild der wirtschaftlichen Lage in Deutschland?

Keineswegs. Dank Rekordbeschäftigung und stabiler Konjunktur sind in diesem Jahr erneut weniger Unternehmen in die Pleite gerutscht. Mit 23.230 Unternehmen rutschten sogar so wenige in die Pleite wie noch nie seit der Einführung der Insolvenzordnung 1999.

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