Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

15.03.2013

18:29 Uhr

Verbraucherschützer

Banken umgehen Angabe von Provisionen

VonKatharina Schneider

Pünktlich zum Weltverbrauchertag starten Verbraucherschützer einen neuen Angriff auf Banken und Sparkassen: Mit einem Trick sollen sie die Transparenzpflicht bei Provisionen umgehen. Die Kreditinstitute wehren sich.

Wie viel Provisionen streichen Kreditinstitute wirklich ein? Verbraucherschützer prangern mangelnde Transparenz an. dpa

Wie viel Provisionen streichen Kreditinstitute wirklich ein? Verbraucherschützer prangern mangelnde Transparenz an.

DüsseldorfWie viel Provision bekommt ein Berater, der dem Kunden ein Wertpapiergeschäft vermittelt? Eigentlich muss diese Information laut Wertpapierhandelsgesetz offengelegt werden. Viele Banken und Sparkassen nutzen jedoch einen Trick und schweigen. Dabei ist die Information für den Anleger besonders wichtig, denn je größer der Gewinn der Berater, desto fragwürdiger erscheint ihre Unabhängigkeit.

Der Trick der Kreditinstitute ist simpel: Sie kaufen Finanzprodukte nicht stellvertretend für den Kunden, sondern zunächst für sich selbst. Dann veräußern sie diese in Form eines Festpreisgeschäfts weiter an den Kunden. Bei solchen Festpreisgeschäften müssen sie keine Provisionen angeben. Wie viele Institute das machen, hat jetzt die Initiative Finanzmarktwächter der Verbraucherzentralen und des Verbraucherzentrale Bundesverbandes (vzbv) untersucht. Pünktlich zum Weltverbrauchertag stellte der vzbv die Ergebnisse am Freitag vor.

Darüber streiten Verbraucherschützer und Banken

Branche unter Verdacht

Natürlich wollen Banken und Sparkassen etwas daran verdienen, wenn sie Geldanlage-Produkte verkaufen. Doch spätestens seit der Finanzkrise steht die Branche unter verschärftem Verdacht: Preisen Bankberater Angebote deswegen an, weil sie zuerst den Gewinn ihres Instituts im Hinterkopf haben und erst danach die Wünsche der Kunden? Um solche Interessen sichtbar zu machen, müssen Provisionen bei Wertpapieren offengelegt werden. Die Verbraucherzentralen sehen nun aber eine bedenkliche Tendenz, sich um Transparenz zu drücken.

Was kritisieren die Verbraucherschützer?

„Wenn ein Arzt von einem Pharmaunternehmen geschmiert ist und deswegen bestimmte Medikamente verschreibt, verschweigt er einen Interessenkonflikt“, sagt Gerd Billen, Chef des Verbraucherzentrale Bundesverbands (vzbv). Auch bei Finanzprodukten müssten Kunden erfahren, in welchem Maß ihre Bank selbst profitiert. Schließlich böten die Geldinstitute ausdrücklich eine Beratung an, und den Empfehlungen sollten Verbraucher vertrauen können - unabhängig von der Art und Weise, wie eine Geldanlage an den Mann gebracht wird.

Warum kommt es auf die Form eines Finanzgeschäfts an?

Die Verbraucherschützer halten den Geldinstituten vor, die Regeln zur Transparenz umschiffen zu wollen. Gewinne dürften aber nicht wie Staatsgeheimnisse behandelt werden. „Der Geheimnisschleier muss weggeblasen werden“, fordert Billen. „Es macht einen Unterschied, ob in einem Produkt eine Provision von drei oder zehn Prozent steckt.“ Die Vergütung, die eine Bank vom Anbieter erhält, muss sie dem Kunden mitteilen, wenn es sich um klassisches Kommissionsgeschäfte handelt. Dabei beschafft die Bank das Produkt auf Rechnung des Kunden. Teils kaufen Banken Wertpapiere aber auf eigene Rechnung ein und dann zum Festpreis an die Kunden weiter. Nebeneffekt: Eine Informationspflicht zur Gewinnspanne gibt es hierfür nicht.

Was sagt die Bankenbranche?

Die Deutsche Kreditwirtschaft als Dachorganisation von Banken, Sparkassen und Volksbanken weist die Vorwürfe entschieden zurück. Festpreisgeschäfte seien seit langem am Markt etabliert und hätten sich unabhängig von der Debatte um die Offenlegung von Provisionen entwickelt, die erst vor einigen Jahren aufgekommen sei. Anleger schätzten solche Produkte sogar wegen ihrer einfachen Handhabung.

Welche Konsequenzen werden diskutiert?

Kritik gibt es daran, dass Banken Provisionen oft nur schwer verständlich in Prozent ausweisen. „Es sollte der Betrag in Euro angegeben werden, damit man ein Gespür dafür bekommt“, sagt Arno Gottschalk, Finanzexperte der Verbraucherzentrale Bremen. Nötig sei mittelfristig ein Provisionsverbot. Auch Linke-Verbraucherpolitikerin Caren Lay fordert: „Für Berater muss die Zufriedenheit ihrer Kunden und nicht ihr eigener Profit im Mittelpunkt stehen.“ Die Regierung betont, dass Beipackzettel schon jetzt kompakt Risiken und Kosten von Wertpapieren nennen müssen. Bundesverbraucherministerin Ilse Aigner (CSU) setzt zudem darauf, sich eine Beratungsform durchsetzt, für die Kunden ein fixes Honorar zahlen - ohne weitere versteckte Gebühren.

Bei den Kreditinstituten kam die Befragung offenbar nicht gut an. Von 126 angefragten Banken, Sparkassen und Finanzvertrieben beantworteten gerade mal 20 Prozent die Fragen. Etwa die Hälfte der Anleger reagierte gar nicht, ein Viertel antwortete mit allgemeinen Ausführungen. Der Rücklauf der Fragebögen sei ungewöhnlich niedrig, so die Verbraucherschützer. Bei vielen Instituten, die sich zurückmeldeten, haben die Verbraucherschützer jedoch ins Schwarze getroffen: 80 Prozent gaben an, Finanzprodukte auch als Festpreisgeschäfte zu vertreiben. Das gelte besonders beim Vertrieb von Zertifikaten und Investmentfonds.

„Wenn Banken, Sparkassen und andere Wertpapierdienstleister Schlupflöcher nutzen, indem sie Kommissionsgeschäfte formal durch Festpreisgeschäfte ersetzen, um ihre Eigeninteressen am Vertrieb nicht auszuweisen, ist das kein gutes Zeichen für einen fairen Kundenumgang“, sagt Gerd Billen, Vorstand des vzbv. Der Gesetzgeber müsse diese Aufklärungslücken schließen und die gleichen Regeln für Festpreisgeschäfte festsetzen.

Der Kampf um die Provisionen

Worüber streiten Vermittler und Verbraucherschützer?

Die Vergütung von Beratung steht im Fokus, da vermutet wird, dass die derzeit gängige Provisionsvergütung Interessenskonflikte und Fehlanreize auslöst. Dies wiederum kann für ungeeignete Produkte, überflüssige Umschichtung und eine suboptimale Diversifizierung in den Portfolien von Kleinanlegern sorgen.
Quelle: Deutsche Bank Research

Wie fließen Provisionen?

Bei der Provisionsvergütung zahlt der Anleger im Wesentlichen zwei Arten von Entgelten: einen einmaligen Ausgabeaufschlag und jährlich wiederkehrende Gebühren (Bestands-, Verwaltungs- oder Managementprovisionen). Den Ausgabeaufschlag erhält der Berater für seine Vertriebsleistung, die jährlich wiederkehrende Gebühr teilen sich der Produktanbieter und der Berater (bzw. dessen Arbeitgeber). Beide Entgelte fließen nur, wenn der Anleger sich entscheidet, der Anlageberatung zu folgen und das Produkt tatsächlich zu kaufen.

Was tun Honorarberater?

Honorarvergütung basiert entweder auf dem investierten Volumen (Prozentsatz p.a.), einer Gewinnbeteiligung, einem Festpreis oder einer Kombination dieser drei Varianten. Bei einer fixen Entlohnung auf Stundenbasis könnte ein Interesse des Beraters bestehen, sich mehr Zeit zu nehmen. Bei einer Entlohnung auf Basis des Depotvolumens könnte ein Interesse des Beraters bestehen, relativ mehr Zeit für größere Depotvolumen aufzuwenden als für kleinere.

Wie verbreitet sind Provisionen?

Provisionsvergütung ist nach wie vor die am weitesten verbreitete Vergütungsform von Beratung. Sie basiert auf Anzahl/Volumen der Produktverkäufe und ist unterschiedlich je nach Produkt und Anbieter. 46 Prozent der Anleger vermuten daher, dass der Berater seine eigenen Interessen (also die Provisionen) zumindest mit berücksichtigt.

Welches Problem kann ein Provisionsverbot lösen?

Ein Verbot der Annahme von Provisionen kann eine von mehreren Formen der Falschberatung lösen. Diese Form der Falschberatung besteht darin, dass die Bestands- oder Abschlussprovision, die der Berater vom Produktanbieter erhält, den entscheidenden Ausschlag für eine Produktempfehlung gibt. Bestands- und Abschlussprovisionen unterscheiden sich je nach Produkt und auch nach Anbieter.

Bei Kommissionsgeschäften erhält das Kreditinstitut gewöhnlich die Differenz zwischen dem offiziellen Ausgabe- und Rücknahmepreis als Provision – und muss sie dem Kunden mitteilen. Werde das Finanzprodukt im Rahmen eines Festpreisgeschäfts aus dem eigenen Bestand veräußert, enthalte der Preis insgeheim einen Aufschlag, so die Verbraucherschützer. Ihre Forderung: Diese Marge sollen die Kreditinstitute ebenfalls offenlegen.

Kommentare (7)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Lucki

15.03.2013, 13:30 Uhr


...den Nieten in Nadelstreifen wird immer noch ein Hintertürchen gelassen,um ihre Profite zu erhöhen!!Dank der "CDU/CSU plus FDP in Berlin, die ihre Parteispender bei Laune halten,und die Kleinanleger verarschen,werden sie immer abgezockt!

R.T.

15.03.2013, 13:42 Uhr

Das ist der nichtssagendste Artikel, den ich seit langem im HB gelesen habe.
Und leider sind täglich so journalistisch schlechte Beiträge im HB zu finden.

Wo ist denn jetzt der wissenschaftliche Beweis??
Wenn Sie bei einer Umfrage auf eine Response-Quote von 20% kommen, wie kann man denn das Ergebnis denn bitte als repräsentativ hier austreten.
Dazu wieder einmal eine reißerische Überschrift.

So weit unten ist nicht mal die BILD.

verkehrteWelt

15.03.2013, 14:02 Uhr

ich möchte in Zukunft bei jedem Einkauf wissen wie hoch die Marge des Verkäufers ist - im Supermarkt, beim Bäcker ect...die Medien versuchen uns tatsächlich zu vermitteln das nur die Banken gewinnorientiert arbeiten, alle anderen arbeiten nur aus Spaß und Freude am Beruf - lächerlich...

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×