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12.10.2012

07:34 Uhr

Verbraucherschützer warnen

Wenn Gütesiegel in die Irre führen

Banken werben mit zahllosen Gütesiegeln für Ihre Leistungen und Produkte. Eine Verbraucherzentrale hat diese Praxis untersucht und kommt zu einem vernichtenden Ergebnis. Ein Institut wurde sogar abgemahnt.

Karnevalsorden: Nicht alle Auszeichnungen halten, was sie versprechen. ap

Karnevalsorden: Nicht alle Auszeichnungen halten, was sie versprechen.

DüsseldorfWenn man den zahlreichen Auszeichnungen glauben mag, dürften sich die Kunden der deutschen Banken nicht beschweren. Eine Stichprobe der Verbraucherzentrale NRW unter 15 Banken zeigt: Kaum ein Institut wirbt nicht mit einem Gütesiegel, wie „Testsieger“, als „fairste Bank“ oder schlicht als „beste Bank der Welt“.

Nicht immer scheinen die Leistungen aber so gut, wie die Testate sie erscheinen lassen. Die Kundenvertreter fanden „hinter vielen der in die Hunderte gehenden Auszeichnungen und Testerfolge irritierende Merkwürdigkeiten, bis hin zur Irreführung“.

Als Beispiel führen die Verbraucherschützer die Reklame zweier Institute für kostenlose Girokonten auf der Internetseite von T-Online an. Die Comdirect warb mit dem Titel „Deutschlands beste Bank, Gesamtsieger 2012“ der Zeitschrift Euro. Die Norisbank schmückte sich mit dem Siegel „Top-Online-Girokonto 2011“ der Zeitschrift Focus Money. „Für beide Girokonten-Verkäufer hat es aber nicht mal zum vierten Platz in der Kategorie "Girokonto" gereicht“, schreiben die Verbraucherschützer.

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Die Siegelei ist für viele Testinstitute und Zeitschriften ein gutes Geschäft. Banken geben Beträge im vier- bis fünfstelligem Eurobereich aus, um mit Gütesiegeln werben zu dürfen. Dementsprechend viele Siegel fanden die Verbraucherzentralen, einzelne Institute schmücken sich mit bis zu 56 Auszeichnungen. Allein die Zeitschrift Focus Money soll nach Angaben der VZ NRW beim City Contest 2012 insgesamt 260 Geldinstitute zu Siegern gekürt haben. Die Kreativität bei den Auszeichnungen scheint grenzenlos: „ausgezeichnete Mitarbeiterkommunikation" (Commerzbank) oder „herausragendes Filialdesign“ (Deutsche Bank), der „beste Online-Pressebereich“ (Postbank) oder die „ausgezeichnete Computerisierung“ (Santander Consumer Bank) werden gepriesen. Der Bundesverband deutscher Banken möchte die Untersuchung nicht kommentieren. Auch das Handelsblatt vergibt Gütesiegel, allerdings nach strengen Qualitätskriterien.

Die Verbraucherzentralen kritisieren verzerrende Werbung mit Testaten. Laut VZ-NRW soll etwa die Hanseatic Bank mit der Schulnote „1,9“ für ihr Tagesgeldkonto geworben haben, im Vergleich aber nur den elften Platz erreicht haben. Das „Top“-Siegel für einen Gehaltskonto-Check 2011 der Postbank soll einem siebten Platz entsprochen haben.

Laut der Untersuchung soll fast jedes zweite der beworbenen Siegel aus dem Jahr 2010 oder davor stammen. In diesem Zusammenhang mahnten die Verbraucherschützer die Volkswagenbank ab. Das Focus Money-Siegel „Beste Festgeld Bank (Anlagedauer 3 Monate)“ unter den aktuellen Konditionen soll aus dem Jahre 2007 stammen. „Irreführend“, befanden die Verbraucherschützer, weil eine Zeitangabe sowie eine Angabe des Zinses in Höhe von 0,6 Prozent fehlte. Die Volkswagenbank gibt an, die Internetseite "um die genannten Punkte bereinigt" zu haben.

Weitere Beispiele: Die Commerzbank warb mit der Auszeichnung „Beste Bank 2011“, die eigentlich an die Direkttochter Comdirect ging. Die Mönchengladbacher Santander Consumer Bank bildete warb mit einem „Beste-Bank-der-Welt“-Siegel, mit dem die spanische Mutter Banco Santander ausgezeichnet wurde.

Das Testat der Verbraucherschützer für die Werbepraxis der Banken fällt weniger euphorisch aus: „Tricky wie überflüssig, auf diese Weise wird der Schmuck für die Kundschaft zur verwirrenden Plage - in fast biblischem Ausmaß“.

Von

jha

Kommentare (1)

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Siegelhasser

10.10.2012, 19:44 Uhr

Endlich greift die Presse dieses Thema auf !!! Ich verfolge die Thematik schon seit einiger Zeit und es ist schier lächerlich, wie einfach ein solches Siegel gewonnen werden kann. In der Regel steht ein 'Pseudoinstitut' dahinter - meist mit schickem Namen wie deutsches Institut für ... Wenn man dann mal schaut, wer in dem Institut arbeitet bzw. wo die Büros sind, merkt man, dass diese idR sich ein Büro mit einer Presseagentur teilt, die dann wieder mit einem Verlag verbandelt ist. Es geht also nicht um Kundeninformation sondern rein um Geldmacherei!

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