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31.07.2014

16:40 Uhr

Verbraucherschutz

Die neuen Pflichten der Honorarberater

VonKatharina Kistler

Ein neues Gesetz soll die Honoraranlageberatung stärken und sie als Alternative zur Beratung auf Provisionsbasis etablieren. Verbraucherschützer sind skeptisch: Sie bezweifeln, dass das Gesetz wirklich weit genug geht.

Handschlag zwischen Kunde und Berater: Oft folgt die Beschwerde. dpa

Handschlag zwischen Kunde und Berater: Oft folgt die Beschwerde.

DüsseldorfWenn es nach Dorothea Mohn geht, gehören Provisionen für Anlageberater generell abgeschafft. „Ich denke, dass das die Beratungsqualität sehr verbessert würde“, sagt die Finanzexpertin des Verbraucherzentrale Bundesverbandes (vzbv). „Ziel sollte es sein, vom provisionsbasierenden Verkauf zu einer unabhängigen Beratung zu kommen.“

Zumindest ihrem Ziel einer unabhängigen Beratung ist der vzbv einen Schritt näher gekommen: Anfang August tritt ein neues Gesetz in Kraft, das eine rechtliche Grundlage für Honorarberatungen schafft, das sogenannte Honoraranlageberatungsgesetz.

„Die Erfahrung hat gezeigt: Provisionsbasierte Beratung kann Fehlanreize setzen“, erklärte das Bundesfinanzministeriums bereits Ende 2012. „Anleger wurden oftmals schlecht beraten und Risiken bestimmter Produkte verschleiert.“ Das neue Gesetz stärke eine unabhängige Beratung durch Honorar-Berater, da diese keine Provisionen einbehalten dürfen. Stattdessen werden sie vom Kunden direkt für ihre Leistungen bezahlt.

Die Bundesregierung will damit Berater, die mit einem Honorar durch den Kunden vergütet werden, fördern. Dadurch sollen Honorarberatungen als Alternative zur Beratung auf Provisionsbasis vorangetrieben werden. Durch das neue Gesetz ist nun auch das Berufsbild des Honorar-Beraters gesetzlich definiert.

Das bringt die Honorar-Anlageberatung

Worum geht es?

Provisionen bei der Vermittlung von Geldanlageprodukten sind Verbraucherschützern schon lange ein Dorn im Auge. Ihre Kritik: Berater verkauften Kunden nicht immer die für sie passende Finanzprodukte, sondern solche, bei denen sie hohe Provisionen erhielten. Die Bundesregierung will die Beratung gegen Honorar stärken. Am 1. August 2014 trat das sogenannte Honoraranlageberatungsgesetz in Kraft.

Der Kunde zahlt

Honorar-Anlageberater dürfen sich ausschließlich vom Kunden bezahlen lassen, denn die Beratung soll nur im Interesse des Kunden erbracht werden. Dadurch soll sichergestellt werden, dass der Berater unabhängig bleibt.

Wann Provision fließen darf

Nur unter engen Voraussetzungen darf ausnahmsweise eine Provision fließen. Die muss jedoch unverzüglich nach Erhalt ungemindert an den Kunden ausbezahlt werden, um Interessenskonflikte zu vermeiden. Voraussetzung dafür ist, dass weder das empfohlene Finanzinstrument noch ein in gleicher Weise geeignetes Produkt ohne Provision erhältlich ist.

Das Honorar

Es gibt keine Gebührenordnung. Häufig wird pro Stunde abgerechnet, der Branche zufolge sind es derzeit im Schnitt etwa 150 Euro.

Verbot

Honorar-Anlageberater dürfen sich nicht auf Eigenemissionen, also Finanzinstrumente, die sie selbst aufgelegt haben, beschränken. Auch dürfen sie nicht nur Produkte von Anbietern oder Emittenten anbieten, die mit ihrem Wertpapierdienstleistungsunternehmen verbunden oder wirtschaftlich verflochten sind.

Wohlverhaltenspflicht

Die Palette an Angeboten des Honorar-Anlageberaters unterliegt besonderen Anforderungen: Um ein Produkt zu empfehlen, muss er ein „hinreichenden Marktüberblick“ haben. Er muss seine Angebotspalette auch hinsichtlich der Anbieter und Emittenten der Finanzinstrumente hinreichend streuen und sich hier am Markt orientieren.

Register

Der Begriff „Honorar-Anlageberatung“ ist gesetzlich geschützt. Honoraranlageberater müssen sich daher im Honorar-Anlageberaterregister bei der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) eintragen lassen. Dort sind nur Institute eingetragen, die durch eine Prüfbescheinigung nachweisen, dass sie die besonderen Anforderungen an die Honorar-Anlageberatung erfüllen.

Für Anleger

Anleger können das Honorar-Anlageberaterregister ab dem 1. August auf der Internetseite der BaFin einsehen und prüfen, welche Institute Honorar-Anlageberatung erbringen.

Was sagen die Kreditinstitute?

Sie sehen unter anderem die strikte Trennung von Honorarberatung und Beratung auf Provisionsbasis kritisch. Dies werde in der Praxis kleinere und mittlere Kreditinstitute aufgrund mangelnder Ressourcen zu einer Entscheidung „entweder - oder“ zwingen, sagt die Deutsche Kreditwirtschaft voraus. „Wenn ich nur zwei Berater habe, ist das in der Praxis ein Problem, zum Beispiel bei Urlaub oder Krankheit“, heißt es beim Bundesverband deutscher Banken (BdB).

Dorothea Mohn vom vzbv hat drei Jahre lang für das Gesetz gekämpft. Sie sagt, sie freue sich, dass es das Gesetz nun gebe, aber mit dem Ergebnis ist sie unzufrieden: „Es ist handwerklich nicht gut umgesetzt.“ Tatsächlich gilt das neue Gesetz nicht für alle Finanzprodukte, sondern lediglich für Wertpapiere und Vermögensanlagen. Andere Kapitalanlagen wie Versicherungen, Bausparpläne oder Spareinlagen sind davon ausgenommen.

Der Finanzexpertin geht die gesetzliche Regelung daher am Kern der Honorarberatung vorbei. „Honorar-Berater müssen in der Lage sein unabhängige Konzepte für eine vollumfängliche Finanzplanung ihrer Kunden erstellen“, sagt die Finanzexpertin. „Die Beratung muss aus einem Guss sein. Deshalb muss ein Honorarberater zu allen Finanzprodukten provisionsfrei beraten.“

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