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17.05.2011

15:47 Uhr

Verbraucherschutz

Honorarberatung fällt im Praxistest durch

VonFrank Matthias Drost, Anke Rezmer, Christian Schnell

Die Politik will die Anlageberatung auf Honorarbasis als gängiges Modell etablieren. Doch kaum ein Kunde will einem unabhängigen Berater mehr als 100 Euro pro Stunde für seine Dienste zahlen.

Verbraucherschutzministerin Ilse Aigner will die Anlageberatung auf Honorarbasis bald gesetzlich regeln. Quelle: dpa

Verbraucherschutzministerin Ilse Aigner will die Anlageberatung auf Honorarbasis bald gesetzlich regeln.

FrankfurtAn der Grundidee gibt es nichts zu mäkeln: Ein Kunde sucht nach unabhängiger Beratung und findet die bei einem Honorarberater. Der muss nicht die Produkte einer Bank, Sparkasse oder eines Versicherers verkaufen, sondern hat allein den Ansatz, aus der kaum zu überblickenden Vielzahl von Produkten das oder die besten auszusuchen. Dafür bekommt er keine Provision von den Finanzhäusern, sondern eine Art Stundenlohn von den Kunden.

Diese Idee gefällt auch Bundesverbraucherschutzministerin Ilse Aigner (CSU). "Ich möchte, dass das Berufsbild Anlageberater auf Honorarbasis gesetzlich geregelt wird", sagt sie gegenüber dem Handelsblatt. "Nur so können wir Missbrauch ausschließen. Der Verbraucher soll ganz klar erkennen, wer ihm gegenüber sitzt: ein unabhängiger Berater oder ein Verkäufer." Die Bundesregierung habe daher beschlossen, zeitnah zu prüfen, wie man dieses Berufsbild gesetzlich regeln könne, sagt die Ministerin. "Für den Verbraucher kann eine unabhängige Honorarberatung eine sinnvolle Alternative zu der in Deutschland bislang üblichen Provisionsberatung sein." Allerdings müsse sich der Honorarberater noch am deutschen Markt etablieren.

So weit Theorie und Pläne der Politik. In der Praxis hat sich das seit einigen Jahren von Politikern wie Verbraucherschützern propagierte Modell bislang aber nicht richtig durchsetzen können. Der Anteil der Honorarberatung an der gesamten Beratung ist verschwindend gering. Kaum ein Kunde will mehr als 100 Euro pro Stunde für diese Leistung ausgeben, hat gerade erst eine Umfrage ergeben. Denn wenn er den Vorschlag des Honorarberaters nicht annimmt, zahlt er dennoch Beratungskosten von einigen Hundert Euro, ohne dass er dafür sein Depot bestückt hat.

Hinzu kommt: Auch bei der Honorarberatung ist der Kunde nicht vor dem eigenen finanziellen Interesse des Beraters gefeit. "Berater machen die Dinge oft unnötig kompliziert, um den Anleger möglichst oft eine Beratung anzubieten", sagt Niels Nauhauser von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg.

Der Verbraucherschützer ist grundsätzlich ein Befürworter der Honorarberatung, "weil man die Finanzberatung strukturell vom Verkauf der Anlageprodukte trennen muss", sagt er. Bei der Verbraucherzentrale zahlen die Ratsuchenden auch eine Gebühr für den Expertenrat.

Um Interessenkonflikte zu vermeiden, müsse auch die Honorarberatung klaren Regeln unterzogen und beaufsichtigt werden, fordert Nauhauser. Alle Berater sollten einheitlich von der Finanzaufsicht Bafin beaufsichtigt werden.


Kommentare (7)

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Account gelöscht!

17.05.2011, 16:58 Uhr

Wann endlich hört diese alberne, nichtsbringende Diskussion über die Frage, wie ein Berater zu vergüten ist, endlich auf?

Hallo liebe Frau Aigner, wir leben nicht mehr in den 70er Jahren, wo ein talentierter Versicherungsverkäufer dem ahnungslosen Max Muster eine unrentable Lebensversicherung verscherbelt.

Heute gibt es Communities, Bewertungsportale u.v.a.m. im Web. Der Markt regelt sich da wunderbar von selbst - wer aus Geldgier nicht bedarfsgerecht berät, bekommt schlechte Feedbacks, die von jederfrau / -mann ohne Aufwand gefunden werden. Über Google ist es bis zum Namen des Beraters manchmal nicht mehr als eine Eingabe und ein Mausklick - schon sieht man, mit wem man es da zu tun hat.

Und noch was:

In vielen Situationen ist es für den Verbraucher durchaus von Vorteil, wenn der Berater nur vergütet wird, wenn es zum tatsächlichen Vermittlungserfolg kommt. Beispielsweise dann, wenn eine Berufunfähigkeitsversicherung mit einer Vorerkrankung gesucht wird oder eine Immobilienfinanzierung für ein Objekt, das nicht jede Bank so einfach finanziert. Wenn da ein Honorarberater 6 Stunden in Rechnung stellt, ohne die vom Kunden gesuchte Finanzierung realisieren zu können, ist keinem Kunden damit gedient!

Warum wird der Kunde immer als so unmündig dargestellt, dass sie/er nicht selbst entscheiden kann, ob die Beratervergütung provisionsbasiert, honorarbasiert oder in Form einer Mischfinanzierung erfolgen soll?

Daniel_Schlingelhof

17.05.2011, 18:50 Uhr

Die entscheidende Frage fehlt: Was kostet den Verbraucher Bank-und Finanzberatung in Deutschland bisher? Meines Erachtens lese ich wieder die Lobby, die natürlich den Wettbewerb mit allen Mitteln scheut. Eine gesetzliche Verankerung ist der richtige Schritt. Mit "Honorar statt Provision" wird der Verbraucher erstmalig in die Lage versetzt, selbst zu entscheiden wie er Beratungsqualität honoriert. Dabei wird selbstredend bei Vermittlung auf Vergütung durch Provisionen verzichtet, d.h. echte Honorarberatung. Wieviel darf die Beratungsstunde kosten? Das regelt Angebot und Nachfrage und: wieviel Leistung darf sein? Sie gehen doch auch zum Friseur Ihrer Wahl in der Bandbreite von: cut´n go oder zum Promi-Friseur ;-)

Finanztiger

17.05.2011, 23:10 Uhr

Wieso ist die Frage, was eine Beratung kosten darf nicht beantwortet worden, Herr Schlingelhof? Im Text wurde klar gesagt, dass die Leute in Deutschland NICHT bereit sind 100,00 Euro und mehr pro Stunde auszugeben.
Deshalb spielt die sog. "unabhängige" Honorarberatung auch keine Rolle.
Es ist einfach so: Das Problem liegt in der Mentalität der Kunden UND der Vorstände der Finanzinstitute!

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