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21.08.2014

19:30 Uhr

Vergleich erreicht

Hypo-Vereinsbank beendet Cum-Ex-Streit

ExklusivEigentlich hatte sich im Cum-Ex-Streit zwischen der Hypo-Vereinsbank und Joram Roth ein Vorteil für das Geldinstitut abgezeichnet. Doch nun wird der Streit mit einem für Roth äußerst vorteilhaftem Vergleich beigelegt.

Die Hypo-Vereinsbank hat einen Streit um Cum-Ex-Geschäfte beigelegt. Mit dem Erben eines Investors schloss die Bank einen für diesen günstigen Vergleich. dpa

Die Hypo-Vereinsbank hat einen Streit um Cum-Ex-Geschäfte beigelegt. Mit dem Erben eines Investors schloss die Bank einen für diesen günstigen Vergleich.

DüsseldorfDie Hypo-Vereinsbank und der Erbe des verstorbenen Berliner Investors Rafael Roth haben sich im Streit um sogenannte Cum-Geschäfte geeinigt. Dies bestätigte mehrere mit den Gesprächen vertraute Personen der digitalen Tageszeitung "Handelsblatt Live" (Donnerstagnachmittag).
Der Vergleich, der unter der Vermittlung des in den USA lebenden Mediators Clemens Vedder zustande kam, sieht Zugeständnisse der HVB im hohen zweistelligen Millionenbereich vor. Die Bank wollte sich auf Anfrage nicht äußern.

2011 hatte die Hypo-Vereinsbank Roth und dessen Geschäftspartner auf mehr als 120 Millionen Euro verklagt. Gemeinsam hatten die Bank und der inzwischen verstorbene Investor eine Gesetzeslücke genutzt. Sie erlaubte es den Beteiligten, sich durch geschickte Leerverkäufe kurz vor dem Dividendenstichtag eine nur einmal abgeführte Kapitalertragsteuer mehrfach erstatten zu lassen. Drei Jahre lang, 2006 bis 2008, lief alles gut. Dann verlangte das Finanzamt 120 Millionen Euro zurück.

Steuertricks mit Aktien: Cum-Ex

Was sind eigentlich „Cum-Ex-Geschäfte“ genau?

Steuerrechtlich sind diese Aktiendeals schon lange heiß umstritten. Bei den auch „Dividendenstripping“ genannten Geschäften geht es um den raschen Kauf und Verkauf von Aktien rund um den Dividendenstichtag, um Kapitalertragssteuern mehrfach vom Fiskus erstattet zu bekommen. Von Banken bekamen sie eine Bestätigung, eine Kapitalertragsteuer abgeführt zu haben, was sie beim Fiskus mehrfach steuerlich geltend machten - obwohl sie so nicht gezahlt hatten. Die Behörden kamen dem erst später auf die Schliche. Sie gehen nun davon aus, dass die Tricksereien illegal waren.

Waren diese Geschäfte auch etwas für Kleinanleger?

Eher nicht. Eine Reihe von Banken sollen laut Presseberichten solche Geschäfte betrieben haben, teils im Eigenhandel, teils im Auftrag vermögender Kunden. Für Kleinanleger ist das Ganze dagegen nichts. Schon alleine deshalb, weil sich der Aufwand bei kleineren Summen nicht rechnet. Sie hätten nur geringe bis keine Chancen gehabt, an solchen Deals zu verdienen.

Warum waren solche Geschäfte überhaupt möglich?

Banken und Investoren nutzten bestimmte Eigenheiten der Abwicklungssysteme an den Börsen, aber auch steuerrechtliche Besonderheiten - und das offensichtlich über Jahre hinweg und mit Wissen von Bund, Ländern und Finanzbehörden. So erklärte der Bundesfinanzhof das Dividendenstripping bereits in einem Urteil aus dem Jahr 1999 für grundsätzlich rechtens. Geschlossen wurde das Schlupfloch aber erst 2012 durch eine Neuregelung der Nachweispflichten. Ob Investoren mit solchen Geschäften eine unzulässige Steuergestaltung betrieben, wird die zentrale Frage bei der mündlichen Verhandlung vor dem Bundesfinanzhof sein. Sie wird allerdings wegen des Steuergeheimnisses aller Voraussicht nach unter Ausschluss der Öffentlichkeit geklärt.

Um wieviel Geld geht es?

So genau weiß das niemand. Weil sehr viele Geschäfte dieser Art in verschiedensten Varianten abgewickelt worden sein sollen, wird die Summe nach Medienberichten auf bis zu zwölf Milliarden Euro geschätzt. An anderer Stelle ist von „nur“ einer Milliarde Euro die Rede, was die ausstehenden Forderungen der Länder betrifft. Alleine die Hypovereinsbank, die früher solche Geschäfte betrieben haben soll, hat für den Fall, dass sie Steuern nachzahlen muss, vorsorglich 200 Millionen Euro zurückgelegt. Auch der krisengeschüttelten HSH Nordbank drohen Steuernachzahlungen, sie hatte Rückstellungen von 127 Millionen Euro angekündigt.

Wer ist an dem Verfahren vor dem BFH beteiligt?

Es geht dem Vernehmen nach um eine Gesellschaft, hinter der Anleger stehen und die ein Depot zur Abwicklung führte sowie ein Finanzamt aus Norddeutschland. Auch der Bund ist involviert. Grund für die unklaren Angaben ist das Steuergeheimnis. Das macht es auch schwierig, einen deutschlandweiten Überblick über das Thema zu bekommen. Von mehr als 50 Verfahren berichtete die „Süddeutsche Zeitung“ unter Berufung auf die Länder. Die Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt, die sich schwerpunktmäßig mit „Cum-Ex-Geschäften“ befasst, lässt nur wissen, dass sie aktuell in vier Verfahren wegen Verdachts der Steuerhinterziehung ermittelt.

Wann fällt die Entscheidung?

Nach einer mündlichen Verhandlung mit Rechtsgespräch treffen die Richter des Bundesfinanzhofes ihre Entscheidung, über die die streitenden Parteien innerhalb von 14 Tagen zu unterrichten sind. Anschließend darf der BFH auch die Öffentlichkeit informieren. Schriftlich liegt das Urteil nach etwa zwei bis drei Monaten vor.

Wie könnte das Verfahren ausgehen?

Das oberste deutsche Steuergericht hat sich schon mehrfach mit dem Dividendenstripping befasst - und es dabei teils für rechtens erklärt. Doch das muss nichts heißen, denn die Richter könnten im aktuellen Fall auch zu einem anderen Ergebnis kommen.

Welche Tragweite hat das Urteil?

Klar ist: Beim Bundesfinanzhof liegen immer Einzelfälle auf dem Tisch - die aber Signalwirkung haben können. Wie die Finanzbehörden die Entscheidung letztendlich umsetzen werden, muss aber abgewartet werden. Möglich wäre beispielsweise auch, dass das Bundesfinanzministerium zu dem Urteil einen sogenannten Nichtanwendungserlass ausgibt, wenn es damit nicht einverstanden ist. Dann wäre die Entscheidung nur auf den konkreten Einzelfall anzuwenden, nicht aber auf andere, vergleichbare Fälle.

Noch Anfang Juli 2014 sah es nicht schlecht aus für die Hypo-Vereinsbank (HVB). Bei einer Verhandlung am Landgericht Frankfurt deutete der Vorsitzende Richter an, dass er die Verantwortung für die Geschäfte bei Roth sehe. Doch der nun geschlossene Vergleich ist äußert vorteilhaft für Roths Erben, Joram Roth. Er wird nicht 120 Millionen Euro an die HVB zahlen, sondern nur einen kleinen Bruchteil dieser Summe.

Weder Roth noch die HVB wollten sich auf Anfrage zu den Details des Vergleichs äußern.

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