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04.01.2012

16:50 Uhr

Verhandlung um Börsenskandal

Erster Prozess um SdK-Affäre beginnt

Im Skandal um manipulierte Aktienkurse beginnt der erste Prozess: Als erster von vier Angeklagten steht der ehemalige Herausgeber eines Börsenbriefs in der kommenden Woche in München vor Gericht.  

Bei der Gerichtsverhandlung geht es unter anderem um Kursmanipulationen mit fast wertlosen Aktien. dpa

Bei der Gerichtsverhandlung geht es unter anderem um Kursmanipulationen mit fast wertlosen Aktien.

MünchenEiner der größten Börsenskandale in Deutschland kommt nach jahrelangen Ermittlungen vor Gericht: Wegen des Verdachts der Kursmanipulation in 165 Fällen muss sich der ehemalige Herausgeber eines Börsenbriefs vom 12. Januar an vor dem Landgericht München verantworten. Dem 47-Jährigen wird Marktmanipulation vorgeworfen, wie das Oberlandesgericht München am Mittwoch mitteilte. Mit ihm sind auch ehemalige Funktionäre der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK) angeklagt. Gemeinsam soll das Quartett den Kurswert zahlreicher Aktiengesellschaften durch gezielt verbreitete Nachrichten beeinflusst und damit Gewinne in Millionenhöhe eingestrichen haben.

Im Prozess geht es zunächst aber nur um den 47 Jahre alten Ex-Herausgeber des Börsenbriefs. Die Vorwürfe gegen die übrigen Angeklagten wurden nach Angaben des Gerichts teilweise abgetrennt. Prozesstermine für sie wurden noch nicht festgelegt.

Die Angeklagten waren seit dem Jahr 2008 im Visier der Ermittler. Damals wurde bekannt, dass einer der früheren SdK-Funktionäre öffentlich angebliche Bilanztricks bei dem Bezahldienstleister Wirecard angeprangert und zugleich auf den fallenden Kurs der Aktie spekuliert haben soll. Nach zweijährigen Vorermittlungen schlugen die Fahnder im Herbst 2010 zu und durchsuchten bei einer Razzia bundesweit und in Österreich 48 Büro- und Privaträume, darunter auch die der SdK in München. Drei Männer wurden festgenommen. Die Razzia war der bislang größte Schlag gegen organisierte Kursmanipulation in Deutschland.

Unter anderem ging es bei den Ermittlungen um Kursmanipulationen mit fast wertlosen Aktien („Pennystocks“), deren Kurs durch gezielt positive Nachrichten erst nach oben getrieben und dann wieder verkauft wurden. Das „Scalping“ genannte Treiben ist eine Marktmanipulation, die strafbar ist und mit bis zu fünf Jahren Gefängnis bestraft werden kann. Bei vielen Anlegern sorgte vor allem die Verwicklung der SdK in die Affäre für Empörung, da sie eigentlich die Aufgabe hat, Aktionäre vor Kursverlusten zu schützen. Für Kleinaktionäre sind Anlegerschutzvereine wie die Sdk oder auch die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) wichtige Anlaufstellen.

Von

dpa

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