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19.01.2010

17:15 Uhr

Verschärfte Gesetze

Managerhaftung bleibt eine Farce

VonThomas Schmitt

Manager bleiben im Visier der Politik. Justizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger will als Konsequenz aus der Finanzkrise die persönliche Haftung für Manager verschärfen. Sie denkt insbesondere an längere Verjährungsfristen. Doch das bringt genauso wenig wie der neue Selbstbehalt.

Heinrich von Pierer: Der ehemalige Siemens-Chef zahlt fünf Millionen Euro an sein früheres Unternehmen - sein Eigenanteil an der Korruptionsaffäre. dpa

Heinrich von Pierer: Der ehemalige Siemens-Chef zahlt fünf Millionen Euro an sein früheres Unternehmen - sein Eigenanteil an der Korruptionsaffäre.

FRANKFURT. Zuvor hatte die Regierung schon im neuen Gesetz über Vorstandsvergütungen einen Selbstbehalt zur Pflicht gemacht. Eigentlich sollen die Manager dadurch persönlich haften. Doch das lässt sich inzwischen einfach umgehen: Die Versicherer decken die Lücke über Zusatzpolicen ab. Sie versichern sozusagen den Selbstbehalt. Damit müssen die Manager keine Millionenansprüche mehr fürchten.

Die Prämien für die Manager-Versicherung belaufen sich nach Schätzungen der Allianz für Unternehmen bis eine halbe Mrd. Umsatz zwischen wenigen Hundert und einigen Tausend Euro im Jahr, je nach Art der separaten Versicherung. Für Manager von Dax-Unternehmen könnte die Prämie auch fünfstellig werden.

Viele Manager sind besser abgesichert als vor der Krise

Das ist nicht viel Geld für Vorstände. Die aufgeregte Debatte um den Selbstbehalt in den vergangenen Monaten bezeichnen Versicherungsexperten wie der Anwalt Alexander Mahnke daher auch schon als "Sturm im Wasserglas": Viele Manager seien jetzt breiter und besser abgesichert als vorher. Das politische Ziel, über eine Eigenbeteiligung eine Verhaltensänderung zu erreichen, werde wegen des geringen finanziellen Risikos für Manager wohl nicht erreicht.

Das ist jedoch nicht im Sinne der Politiker, die wie die neue Justizministerin als wichtige Ursache der Krise eine Spielermentalität geißelt: "Gier und Leichtsinn wurden bei manchen Managern nicht nur durch satte Boni geweckt, sondern auch durch zu wenig Haftung und persönliche Verantwortung gefördert." Die Unternehmenslenker hätten ihre Vergütungen zu oft ohne persönliches Risiko erhalten.

Daher will sie nun wenigstens noch die Verjährungsfristen bei einschlägigen Wirtschaftsdelikten verlängern. Haftungsansprüche verjährten bislang zu früh. Aufgrund von Sonderregeln im Aktienrecht könnten Ansprüche gegen Vorstände nur fünf Jahre lang geltend gemacht werden.

Kommentare (1)

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valery

20.01.2010, 07:42 Uhr

Managerdelikte sind Zeichen der buerokratisierung der Privatwirtschaft. Sie zerzetzen Rechte der Eigentuemer. Die Ereignisse in Deutschland erinnern die bregnevzeiten in der UdSSR. Wirtschaft muss von Unternehmern und nich von Angestellten gefuehrt werden. Also - weniger AG und GmbH, mehr Personenfirmen. Es ist das politische Problem der globaler Wirtschaft.

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