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23.01.2015

17:47 Uhr

Verschwundene Anleger-Millionen

Wölbern-Fonds verklagen Bird & Bird

VonGertrud Hussla

Wölbern-Fonds klagen gegen die Kanzlei Bird & Bird auf 166 Millionen Euro Schadensersatz. Drei Anwälte hatten deren Ex-Chef Heinrich Maria Schulte beraten. Der Vorwurf: Sie sollen ein Betrugsschema ausgeheckt haben.

Ehemaliger Wölbern-Invest-Sitz in der Hamburger Hafencity: Das Fondhaus und Anwälte von Bird & Bird arbeiteten hier Seite an Seite. Carsten Dammann für Handelsblatt

Ehemaliger Wölbern-Invest-Sitz in der Hamburger Hafencity: Das Fondhaus und Anwälte von Bird & Bird arbeiteten hier Seite an Seite.

DüsseldorfSie feierten auf dem Hamburger Presseball und trafen sich im vornehmen Club der Optimisten. Ihr Mandant lud auch mal zum Heliskiing. Tägliche Kulisse war der Blick auf die Elbe, aus deckenhohen Fenstern. Im feinsten Rahmen haben sich die Akteure bewegt. Eine Klage behauptet nun: Gemeinsam mit ihrem Auftraggeber hätten sie weit über hundert Millionen Euro Anlegergeld verschwinden lassen.

Auf 250 Seiten beschäftigt sich der Schriftsatz mit den letzten zwei Jahren des insolventen Fondshauses Wölbern Invest. Die Kläger: 29 geschlossene Immobilienfonds des Fondshauses mit insgesamt 30.000 Anlegern und der Insolvenzverwalter von Wölbern Invest. Gerichtet ist die Klage gegen die Kanzlei Bird & Bird in der die drei Protagonisten im fraglichen Zeitraum tätig waren. Die Fonds verlangen 166 Millionen Euro Schadensersatz. Drei Juristen haben seinerzeit den früheren Geschäftsführer und Inhaber von Wölbern Invest, den Medizinprofessor Heinrich Maria Schulte beraten. Die Anwälte sollen ihm geholfen haben, eine dreistellige Millionensumme aus den Fonds zu stehlen.

„Eine wahrhaft internationale Kanzlei, ausgerichtet am Mandanten: Leidenschaft und Know-how, Vorteile erzielen und Service bieten. Das ist Bird & Bird.“ So wirbt die Sozietät auf ihrer Webseite. „Vorteile erzielen“, das haben einige vielleicht zu wörtlich genommen. Die Vorwürfe gegen das Hamburger Anwalts-Trio wiegen schwer.

Größte Anwaltskanzleien

Freshfields Bruckhaus Deringer

Die Nummer eins in Deutschland heißt Freshfields Bruckhaus Deringer. Die Kanzlei beschäftigt laut Juve 472 Anwälte und macht einen Jahresumsatz von 355 Millionen Euro.

CMS Hasche Sigle

Die Nummer zwei in Deutschland ist CMS Hasche Sigle. Die Kanzlei beschäftigt laut Juve sogar 534 Anwälte, macht dabei aber einen Jahresumsatz von „nur“ 251 Millionen Euro.

Hengeler Mueller

Hengeler Mueller ist Deutschlands Nummer drei. Die Kanzlei beschäftigt laut Juve 236 Anwälte und macht einen Jahresumsatz von 217,9 Millionen Euro.

Clifford Chance

Die Nummer vier in Deutschland heißt Clifford Chance. Die Kanzlei beschäftigt laut Juve 323 Anwälte und macht einen Jahresumsatz von 196 Millionen Euro.

Linklaters

Der fünfte Rang unter Deutschlands Kanzleien belegt Linklaters. Hier sorgen 270 Anwälte für 178 Millionen Euro Jahresumsatz.

Bird & Bird

Bird & Bird sind in Deutschland die Nummer 21. Die Kanzlei beschäftigt laut Juve 168 Anwälte und macht einen Jahresumsatz von 65,8 Millionen Euro.

Es geht in der Klage nicht nur um Pflichtverletzung, sondern auch um Mittäterschaft der drei ehemaligen Bird & Bird - Anwälte. Um den Vorwurf der sittenwidrigen, vorsätzlichen Schädigung. Insgesamt 190 Millionen Euro soll Schulte aus den Töpfen einzelner Fonds geholt haben. Für sich persönlich, für seine maroden Medizinfirmen und für immer neue Löcher im Firmengeflecht. Nur ein Bruchteil der Summe floss wieder zurück. Schulte befindet sich seit 2013 in Untersuchungshaft und muss sich in einem Strafverfahren verantworten. Er hat bislang alle Vorwürfe bestritten.

Ohne die Hilfe seiner juristischen Berater von Bird & Bird hätte Schulte das Geld nicht wegschaffen können, will nun die neue zivilrechtliche Klage der Wölbern-Fonds vor dem Landgericht Hamburg beweisen. (Az. 327/0 637/14) Sie stützt sich dabei auch auf die bisherigen Ermittlungen der Staatsanwaltschaft in dem Verfahren gegen Schulte. Die drei Anwälte sollen Ideengeber, Ausführende und Gutachter eines Systems gewesen sein, das die Anleger der Immobilienfonds um große Teile ihrer Altersversorgung gebracht hat.

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