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28.09.2015

13:42 Uhr

Volkswagen und der EA 189

Habe ich einen VW-Schummelmotor?

VonMartin Dowideit, Christian Schnell

VW-Motoren des Typs EA 189 sind „auffällig“ und zeigen bei den Abgaswerten eine „Abweichung zwischen Prüfstandswerten und realem Fahrbetrieb“. Nach und nach gegeben VW, Audi und andere Marken neue Details bekannt.

Das Bild zeigt die Produktion von TDI-Motoren im Audi-Werk Györ im Jahr 2009. ap

Motorenfertigung im Volkswagen-Konzern

Das Bild zeigt die Produktion von TDI-Motoren im Audi-Werk Györ im Jahr 2009.

Der Volkswagen-Konzern bekämpft die Folgen des Abgas-Skandals in den USA. 6,5 Milliarden Euro Rückstellungen bildet der Konzern. Was das für deutsche Kunden des Unternehmens bedeutet.

Was sagt Volkswagen?
Zunächst hatte Volkswagen davon gesprochen, das elf Millionen Motoren des Typs EA 189 Auffälligkeiten zeigen. Diese Zahl sei ein Schätzwert und absichtlich hoch gegriffen, hieß es am 24. September. Ob es tatsächlich 11 Millionen Motoren sind, die überprüft werden müssen, könne nicht genau gesagt werden, so ein sechs Tage nach dem Bekanntwerden des Skandals.

Ist mein Volkswagen betroffen?

EA 189 beschreibt laut VW eine Motorengruppe, die 3-Zylinder-Motoren mit 1,2 Liter und 4-Zylinder-Motoren 1,6 Liter und 2,0 Liter Hubraum umfasst. Die Aggregate sind TDI-Common-Rail-Motoren mit Abgasnorm Euro 5. Der kleine 1,2-Liter-Motor ist nicht sehr oft verbaut worden, die beiden anderen Motoren sind aber Volumenmodelle. Seit Anfang vergangener Woche sei VW dabei, die Daten auszulesen, wo wann welcher Motor hin geliefert wurde.

Globale Motorenfertigung im Januar 2011: Der EA 189 wird zu diesem Zeitpunkt an drei Standorten gefertigt.

Auszug aus einer Audi-Präsentation

Globale Motorenfertigung im Januar 2011: Der EA 189 wird zu diesem Zeitpunkt an drei Standorten gefertigt.

Die betroffenen elf Millionen Fahrzeuge weltweit seien identifiziert, hieß es dann am 26. September. „Ich denke, dass die Händler ab nächster Woche aussagefähig sind“, sagte ein VW-Sprecher. Alle betroffenen Halter sollen angeschrieben werden.

Sind auch andere Marken des Konzerns betroffen?
Der EA 189 ist nach Angaben eines Volkswagen-Sprechers zwischen 2009 und 2014 in Modellen von VW, Audi und Skoda verbaut worden. Widersprüchliche Angaben gibt es bislang, ob auch die Konzernmarke Seat betroffen ist. Gefertigt wurden die Motoren unter anderem in den Werken Salzgitter, im polnischen Polkowice und im ungarischen Györ. In Geschäftsberichten berichtet die VW-Tochter Skoda beispielweise darüber, 68.892 EA-189-Motoren im Jahr 2013 gebaut zu haben und fast 100.000 Stück im Jahr 2014.

Audi teilte am 28. September mit, dass bei ihr weltweit 2,1 Millionen Fahrzeuge betroffen seien. In der Region Westeuropa gehe es um 1,42 Millionen Wagen, in Deutschland um 577.000. In den USA betreffe die Manipulation der Abgastechnik rund 13.000 Fahrzeuge. Betroffen sind Fahrzeuge fast aller Baureihen, denn mit dem Motor wurden sowohl A1, A3, A4, A5 und A6 als auch der Roadster TT sowie die Sportgeländewagen Q3 and Q5 ausgestattet.

Was heißt überhaupt „EA 189“?
Die Abkürzung ist eine VW-interne Bezeichnung. Die Buchstaben „EA“ bedeuten „Entwicklungsauftrag“.

Welche Wagen sind in den USA betroffen?
Die Umweltbehörde des Landes glaubt, dass die Abgaswerte von 482.000 Dieselfahrzeugen im Land nicht mit den auf Prüfständen gemessenen Werten übereinstimmen. In den USA sind die Modelle Jetta, Golf, Beetle, Passat und der Audi A3 betroffen, die zwischen 2009 und 2015 gebaut wurden.

Die Abgas-Tests in Deutschland und Europa

Die Vorgaben in Deutschland

Neue Modelle werden in Deutschland und der EU nach dem Modifizierten Neuen Fahrzyklus (MNEFZ) getestet. Die Tests laufen unter Laborbedingungen, das heißt auf einem Prüfstand mit Rollen. Dies soll die Ergebnisse vergleichbar machen. Der Test dauert etwa 20 Minuten und simuliert verschiedene Fahrsituationen wie Kaltstart, Beschleunigung oder Autobahn-Geschwindigkeiten.

Wer testet?

Getestet wird von Organisationen wie dem TÜV oder der DEKRA unter Beteiligung des Kraftfahrt-Bundesamtes (KBA). Dieses untersteht wiederum dem Verkehrsministerium.

Kritik an Prüfung

Die Prüfungen der neuen Modelle werden von ADAC und Umweltverbänden seit längerem als unrealistisch kritisiert. So kann etwa die Batterie beim Test entladen werden und muss nicht - mit entsprechendem Sprit-Verbrauch - wieder auf alten Stand gebracht werden. Der Reifendruck kann erhöht und die Spureinstellungen der Räder verändert werden. Vermutet wird, dass etwa der Spritverbrauch im Alltag so häufig um rund ein Fünftel höher ist als im Test.

Weitere Prüfungen

Neben den Tests für neue Modelle gibt es laut ADAC zwei weitere Prüfvorgänge, die allerdings weitgehend in der Hand der Unternehmen selbst sind. So werde nach einigen Jahren der Test bei den Modellen wiederholt, um zu sehen, ob die Fahrzeuge noch so montiert werden, dass sie den bisherigen Angaben entsprechen, sagte ADAC-Experte Axel Knöfel. Zudem machten die Unternehmen auch Prüfungen von Gebrauchtwagen, sogenannte In-Use-Compliance. Die Tests liefen wieder unter den genannten Laborbedingungen. Die Ergebnisse würdem dann dem KBA mitgeteilt. Zur Kontrolle hatte dies der ADAC bei Autos bis 2012 auch selbst noch im Auftrag des Umweltbundesamtes gemacht, bis das Projekt eingestellt wurde. In Europa würden lediglich in Schweden von staatlicher Seite noch Gebrauchtwagen geprüft, sagte Knöfel.

Geplante neue Prüfmethode

Die EU hat auf die Kritik am bisherigen Verfahren reagiert und will ab 2017 ein neues, realistischeres Prüfszenario etablieren. Damit sollen auch wirklicher Verbrauch und Schadstoffausstoß gemessen werden ("Real Driving Emissions" - RDE). Strittig ist, inwiefern dafür die bisherigen Abgas-Höchstwerte angehoben werden, die sich noch auf den Rollen-Prüfstand beziehen.

Wie finde ich heraus, ob ein „EA 189“ in meinem Auto arbeitet?
In der Pressemitteilung von Volkswagen am 22. September gab es dazu keine Auskunft, an der detaillierten Motorenliste wurde noch gearbeitet. Nach ersten Einschätzungen des Auto-Club Europas zufolge hat der Verbraucher keine Möglichkeit, selbstständig herauszufinden, ob er betroffen ist. Es bleibe letztlich nur die Möglichkeit, mit dem Auto zum Händler zu fahren und den Fahrzeugschein vorzulegen. „Der Verbraucher kann das nicht selbst feststellen“, so Klaus-Michael Schaal vom Auto Club Europa (ACE).

Volkswagen hatte am Dienstag gesagt, dass die Komplettproduktion des Motors betroffen sei – am Donnerstag klang das dann weniger bestimmt. Im Fahrzeugschein stehe aber im Feld 14, ob der Motor die Euro-5-Norm erfüllt.

Kommentare (60)

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Herr Jordache Gehrli

22.09.2015, 16:36 Uhr

Ha ha ha....was es jetzt für Wort-Kreationen gibt...."VW-Schummelmotor", "Diesel-Affäre", "Abgas-Affäre"....übrigens liebe Männer...zuhause auch etwas aufpassen im Umgang mit Zwiebeln, Kohl und ähnlichen "Abgas-Produkten"....nicht das es noch in den heimischen Wänden ebenfalls zu einer "Abgas-Affäre" kommt!

Herr Walter Schimpf

22.09.2015, 16:43 Uhr

Dieses Land hat einen riesigen "Schummel-Motor" und der heißt: Frau Merkel!

Frau Merkel, Rücktritt jetzt!!

Herr Tom Schmidt

22.09.2015, 16:43 Uhr

Ist die "grüne Plakete" jetzt betroffen oder nicht? Darf man dann mit so einem Auto noch in Innenstädte?

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