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12.03.2014

20:18 Uhr

Vor dem Urteil

Die große Last des Hoeneß-Richters

VonSara Zinnecker

Heute wird das Urteil gesprochen. Der Prozess hätte für Uli Hoeneß kaum schlechter starten können. Eine Haftstrafe schien unumgänglich. Doch nun darf der Bayern-Boss wieder hoffen. Welche Optionen Richter Heindl hat.

Letzter Prozesstag

Versteinerte Miene: Hoeneß wartet auf sein Urteil

Letzter Prozesstag: Versteinerte Miene: Hoeneß wartet auf sein Urteil

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DüsseldorfUli Hoeneß hat dem Fiskus 27,2 Millionen Euro vorenthalten. Darüber scheint kein Zweifel mehr zu bestehen. Eine Steuerfahnderin hat die Summe anhand neuer Unterlagen berechnet und am Dienstag vor Gericht vorgetragen. Am Mittwoch dann haben sowohl das Gericht als auch die Verteidigung die Höhe der Schuld akzeptiert.

Mit der Einigkeit über die Höhe der Steuerschuld drängt sich für den vierten und geplant letzten Prozesstag aber eine andere Frage in den Vordergrund, nämlich, ob die Selbstanzeige von Hoeneß am Ende gültig war oder nicht. Nachdem am Dienstag noch vieles für eine langjährige Haftstrafe des Beschuldigten sprach, ist seit Mittwoch plötzlich wieder ein Freispruch denkbar.

Tatsächlich sind jetzt verschiedene Varianten möglich: Entweder das Gericht kommt über Nacht zu dem Schluss, dass die höhere Steuerschuld bereits aus der ursprünglichen Selbstanzeige hätte deutlich werden können. In einem solchen Fall läge der Fehler bei der Staatsanwaltschaft, die es innerhalb eines gesamten Jahres nicht geschafft hätte, die Daten richtig zu lesen.

Die Nacherklärung wäre dann wirksam – und Hoeneß könnte sogar frei kommen. Alternativ könnte der vorsitzende Richter Heindl aber auch von einer unvollständigen und somit unwirksamen Steuernacherklärung ausgehen – Hoeneß drohten dann bis zu zehn Jahren Haft.

Die besten Zitate von und über Uli Hoeneß

Hoeneß 2005

„Ich weiß, dass das doof ist. Aber ich zahle volle Steuern.“ (Uli Hoeneß 2005 in einem Interview der „Bild“-Zeitung)

Hoeneß 2009

„Wenn die Unternehmer alle in die Schweiz gehen, ist auch keinem geholfen. Mit einer Reichensteuer geht es dem kleinen Mann kein Stück besser.“ (Hoeneß 2009 in der ZDF-Talkshow „Maybrit Illner“)

Hoeneß 2011

„Wenn früher eine Mark in der Kasse meiner Eltern fehlte, haben wir sie auf dem Boden gesucht. Die Stimmung beim Weihnachtsfest hing entscheidend davon ab, wie gut wir vorher verkauft hatten.“ (Hoeneß im Februar 2011 im „Hamburger Abendblatt“)

„Natürlich will ich Erfolg, aber nicht um jeden Preis. Wenn es um Geld geht, muss man auch mal zufrieden sein.“ (Hoeneß 2011 im Magazin „Brand Eins“)

„Die Finanzwelt zeigt keine Bereitschaft, zur Volkswirtschaft beizutragen. Eine Krankenschwester trägt mehr zur Volkswirtschaft bei als ein Spekulant. Wenn ich sehe, dass Optionsscheine für Reis steigen, sage ich zu meiner Frau: 'Das bedeutet, dass Menschen hungern müssen, weil sie sich keinen Reis mehr kaufen können.'“ (Hoeneß 2011 im Magazin „Brand Eins“)

Hoeneß 2012

„In den vergangenen 20 Jahren sind in der Finanzwelt Menschen am Werk gewesen, die einen katastrophalen Job gemacht haben. Uns wurde vorgegaukelt, dass viele Finanzprodukte so unglaublich wichtig seien. Dabei hatten diese nur ein Ziel: die Taschen gewisser Leute voll zu machen.“ (Hoeneß 2012 in der Zeitung „Die Welt“)

„Unsere Spieler kicken schon jetzt eine Halbzeit fürs Finanzamt, da kommen wir nicht weiter, wenn man 60 oder 70 Prozent nimmt.“ (Hoeneß 2012 in der ARD-Talkshow „Günther Jauch“)

Hoeneß als Wurstfabrikant

„Ich habe für mein Schweinefleisch fünf verschiedene Lieferanten. Ich rufe an, lasse mir die Preise geben und kaufe dann. Für was aber brauchen Banker Schweinebäuche?“ (Wurstfabrikant Hoeneß über Spekulationsgeschäfte von Banken)

Hoeneß vor seinem 60. Geburtstag

„Es ist vielleicht langweilig, aber es soll uns nie schlechter gehen als jetzt. Das ist mein Wunsch. Ich muss nicht nach Hawaii oder auf die Malediven. Wenn ich irgendwann mal Lust dazu habe, werde ich das machen. Aber das ist nicht mein Lebenstraum.“ (Hoeneß Anfang 2012 vor seinem 60. Geburtstag)

Hoeneß vor der Politik

„Ich bin kein Besserwisser, sondern ein Bessermacher.“ (Hoeneß 2010 vor einem Auftritt als Gastredner bei der CSU-Vorstandsklausur)

„Ich habe mit meiner Meinung noch nie hinter dem Berg gehalten. Und bei der Gelegenheit habe ich festgestellt, dass man damit bei der Bundeskanzlerin landen kann. Sie will Leute, die querdenken. Sie will Leute, die ihr nicht nach dem Mund reden. Deswegen bin ich Fan von Merkel!“ (Hoeneß über Gespräche mit Bundeskanzlerin Angela Merkel)

Rummenigge

„Uli ist der Vater Teresa vom Tegernsee, der Nelson Mandela von der Säbener Straße und die Mutter aller Manager.“ (Vorstandschef Rummenigge in seiner Festrede zum 60. Geburtstag von Hoeneß)

„Franz Beckenbauer hat einmal gesagt, wir alle müssen dem FC Bayern dienen. Uli Hoeneß war immer der größte Diener des FC Bayern.“ (Bayern-Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge 2009 über Hoeneß)

Beckenbauer

„Er ist, glaub ich, schon als Manager auf die Welt gekommen.“ (Franz Beckenbauer 2009 über Uli Hoeneß)

Das Gericht wolle den verbleibenden Mittwoch nutzen, um erneut die Unterlagen zu sichten, hieß es nach Ende des dritten Prozesstags. Der ehemalige Steuerfahnder und Fachanwalt für Steuer- und Strafrecht, Michael Weber-Blank, formuliert es etwas plastischer:

„Ich gehe davon aus, dass sich die drei Berufsrichter jetzt zusammensetzen, sämtliche Excel-Tabellen mit Daten und Zahlen an die Wand pinnen, um genau zu verstehen, was die Staatsanwaltschaft bereits im Januar 2013, auf Grundlage der ursprünglichen Selbstanzeige, hätte wissen können.“

Kommentare (10)

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12.03.2014, 21:03 Uhr

Der BGH hat schon sehr exakt beschrieben wie eine strafbefreiende Selbstanzeige auszusehen hat. Das die Steuerfahndung die Steuerlast selbst auszurechnen hat steht nirgendwo. Nicht umsonst sprach der Richter vom "Schuhkarton" an Unterlagen. Die Selbstanzeige mußte - aus Zeitgründen - oberflächlich eingereicht werden. Das geht aber zu Lasten des Steuerschuldners. Das Nachreichen von Unterlagen in der vorliegenden Form führt eindeutig zur Unwirksamkeit. Steht so auch in den BGH-Urteilen.

Account gelöscht!

13.03.2014, 07:27 Uhr

Grosse Last? Versteh ich nicht, einen skrupelloseren Luegner und Verbrecher hat man ja wohl selten gesehen, ab fuer 10-15 Jahre in den Knast.

Account gelöscht!

13.03.2014, 08:50 Uhr

Herr Höneß wird sich gleich 5fach ärgern:
1. weil er seinen Wohnsitz nicht in die Schweiß verlegt hat, um nach Belieben zocken zu können und keine Spekulationssteuern auf Gewinne hätte bezahlen müssen.
2. dürfte er sich darüber ärgern, dass er in Deutschland nicht steuerehrlich war und wahrscheinlich da irgendwie in die Steuerhinterziehung hineingeschlittert ist.
3. dass er sich mit seiner Selbstanzeige selbst ans Messer geliefert hat, obwohl ihm wahrscheinlich nichts bewiesen worden wäre
4. dass er seine Situation noch verschlimmert hat, in dem er freiwillig noch etliche Millionen Steuerhinterziehung draufgepackt hat.
5. dass andere als strahlende Persönlichkeiten dastehen, obwohl sie in Deutschland keine Steuern bezahlen, weil sie ihren Wohnsitz verlegt haben (z.B.Beckenbauer, Boris Becker, Ralf und Michael Schumacher u.a.) und er Höneß wahrscheinlich ins Gefängnis muss und als Buhmann der Nation dasteht, obwohl er in Deutschland viele Millionen Steuern bezahlt und viel Gutes geleistet hat.

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