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26.11.2015

11:42 Uhr

VW-Kunden und ihre Rechte

„Volkswagen kompensiert nicht alle Schäden“

VonJens Hagen

Obwohl VW mit dem Kraftfahrtbundesamt Dieselgate-Maßnahmen besprochen hat, drohen den Opfern Nachteile. Anwalt Julius Reiter initiiert eine Massenklage gegen VW und sagt, welche Angriffspunkte Halter und Aktionäre haben.

Deutsche Kunden erhoffen sich eine Entschädigung. ap

Logo von Volkswagen

Deutsche Kunden erhoffen sich eine Entschädigung.

Herr Reiter, Sie sammeln derzeit deutsche VW-Kunden ein, die sich an einer möglichen Massenklage gegen den Konzern beteiligen können. Wie viele VW-Besitzer haben sich bereits beteiligt?
Bisher haben sich knapp 50.000 Autobesitzer bei der Stiftung „Stichting Volkswagen Car Claim“ registriert. Wöchentlich kommen mehrere hundert hinzu.

Der Professor an der FOM Hochschule ist Anwalt in der Kanzlei Baum Reiter & Collegen. PR

Julius Reiter

Der Professor an der FOM Hochschule ist Anwalt in der Kanzlei Baum Reiter & Collegen.

Mit wie vielen Betroffenen rechnen Sie bis Ende nächsten Jahres?
Das ist schwer abzuschätzen. Die Zahl wird mit Sicherheit stark anwachsen. Insbesondere sobald erste Informationen zu den tatsächlichen Erfolgsaussichten einer Nachbesserung vorliegen.

VW Chef Matthias Müller erklärte zuletzt: „Der Aufwand für die Nachrüstung ist technisch, handwerklich und finanziell überschaubar“. Warum sollte man sich jetzt bei einer niederländischen Stiftung anmelden, wenn VW alle Probleme beseitigen kann?
Da die Nachbesserung derzeit nicht rechtssicher absehbar ist, sollten sich Interessenten auf jeden Fall anmelden, um Ihre möglichen Ansprüche zu sichern. Es könne auch der Fall eintreten, dass durch die Nachbesserung nicht alle Schäden abgedeckt sind. Dann würde für den unerledigten Rest weiterhin ein Anspruch gegenüber VW bestehen.

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Laut VW und Kraftfahrtbundesamt hält sich der Aufwand in Grenzen. Bei den 2,0 Liter-Liter-Motoren ist nur Software-Update nötig, bei den 1,6-Liter-Varianten kommt zusätzlich ein einfacher Einbau eines Strömungstransformators hinzu. Auch bei den 1,2-Liter-Motoren soll ein Update reichen. Hat sich Dieselgate bald erledigt?
Es bleibt abzuwarten, ob den Ankündigungen auch konkrete Taten folgen werden. Im Übrigen sind dadurch noch nicht alle möglichen Schäden zwangsläufig kompensiert.

Die Pläne von Volkswagen zur Umrüstung von Dieselmotoren

EA 189 2,0 Liter

Nur Software-Update nötig. Geschätzte Arbeitszeit pro Motor etwa 30 Minuten (rund 5,2 Millionen betroffene Einheiten).

EA 189 1,6 Liter

Software-Update und Hardware-Eingriff nötig, letzterer aber weniger umfangreich als zuvor angenommen - es reicht der Einbau eines Strömungstransformators (Gitternetz) vor dem Luftmassenmesser. Geschätzte Arbeitszeit pro Motor weniger als eine Stunde (rund 3 Millionen betroffene Einheiten).

EA 189 1,2 Liter

Vorschläge noch nicht fertig, werden dem KBA noch in dieser Woche vorgestellt. Vermutlich reicht wie beim 2,0-Liter-Motor ein Software-Update aus (rund 300 000 betroffene Einheiten).

Auf welchen Schäden könnten VW-Kunden sitzen bleiben?
Dies sind vor allem die Schäden neben der eigentlichen Leistung. Beispielsweise: Kosten für Mietwagen während der Zeitdauer der Reparatur, eventuell höhere Kraftstoff-Verbrauchskosten aufgrund des Einbaus eines neuen Aggregats oder Steuernachzahlungen.

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