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02.09.2014

06:05 Uhr

Wegweiser Finanzberatung

Schleichwerbung für Honorarberater

VonKatharina Schneider

Bekannt machen, aber bloß nicht bewerben. So könnte der Auftrag für ein neues Internetportal zum Thema Finanzberater gelautet haben. Was Politiker nicht wagen, fordern die Verbraucherschützer: eine offensive Empfehlung.

Noch ist das Modell der Honorarberatung wenig bekannt - das soll sich ändern. Getty Images

Noch ist das Modell der Honorarberatung wenig bekannt - das soll sich ändern.

DüsseldorfWas macht eigentlich ein Honorarberater? Und ein Makler? Ein Vertreter? Ein Bankberater? Sie alle haben irgendwie mit Geldanlage zu tun – das ist wohl den meisten Verbrauchern klar. Was genau den Kunden erwartet, wenn er zu diesen Beratern geht, kann aber kaum jemand erklären. Der Wegweiser Finanzberatung soll diese Wissenslücke schließen. Gefördert wird das Projekt durch das Bundesministerium für Verbraucherschutz und kommt beinahe pünktlich zum Inkrafttreten des Honoraranlageberatungsgesetzes.

Sparen können die Deutschen. Aktuell verfügen sie über ein Vermögen von insgesamt mehr als sechs Billionen Euro. Doch ist das Geld erst einmal auf ihrem Konto, wissen viele nicht, wie sie es gewinnbringend anlegen können. Häufig bleibt es einfach auf dem Giro- oder Tagesgeldkonto liegen – und verliert durch die Inflation nach und nach an Wert. Profi-Investoren raten stets zu einer breit aufgestellten Anlage in Wertpapiere. Aber beim Thema Aktien packt viele Deutsche das Grauen und sie denken an die Verluste zurück, die ihnen einst der Neue Markt bescherte.

Geld verloren haben viele aber auch durch Vermögensanlagen, von denen am Ende vor allem der Berater profitierte. Lebensversicherungen, geschlossene Fonds oder Genussscheine sind typische Produkte, mit denen Vermittler hohe Provisionen einstreichen, die dem Kunden aber häufig wenig Rendite bringen oder hohe Verluste bescheren. „Dieses Provisionssystem ist vielen Verbrauchern noch immer nicht bewusst, sie vertrauen darauf, dass der Berater es gut mit ihnen meint“, sagt Dorothea Mohn, Leiterin des Teams Finanzen beim Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv). „Die sinnvollste Schutzmaßnahme ist deshalb ein Verbot der Provisionen.“

Dazu konnte sich die Bundesregierung allerdings noch nicht durchringen: „Die Beratung auf Provisionsbasis ist in Deutschland etabliert und wird von vielen Verbrauchern auch nachgefragt“, sagt Ulrich Kelber, Parlamentarischer Staatssekretär im Verbraucherschutzministerium (BMJV). Änderungsbedarf sieht er zwar: „Wir wollen, dass sich die Honorarberatung zu einer echten Alternative entwickelt und unterstützen dies dadurch, dass wir einen geeigneten rechtlichen Rahmen schaffen.“ Die Entscheidung, ob eine Beratung auf Provisions- oder Honorarbasis in Anspruch genommen werde, „soll aber weiterhin beim einzelnen Verbraucher liegen“.

Das bringt die Honorar-Anlageberatung

Worum geht es?

Provisionen bei der Vermittlung von Geldanlageprodukten sind Verbraucherschützern schon lange ein Dorn im Auge. Ihre Kritik: Berater verkauften Kunden nicht immer die für sie passende Finanzprodukte, sondern solche, bei denen sie hohe Provisionen erhielten. Die Bundesregierung will die Beratung gegen Honorar stärken. Am 1. August 2014 trat das sogenannte Honoraranlageberatungsgesetz in Kraft.

Der Kunde zahlt

Honorar-Anlageberater dürfen sich ausschließlich vom Kunden bezahlen lassen, denn die Beratung soll nur im Interesse des Kunden erbracht werden. Dadurch soll sichergestellt werden, dass der Berater unabhängig bleibt.

Wann Provision fließen darf

Nur unter engen Voraussetzungen darf ausnahmsweise eine Provision fließen. Die muss jedoch unverzüglich nach Erhalt ungemindert an den Kunden ausbezahlt werden, um Interessenskonflikte zu vermeiden. Voraussetzung dafür ist, dass weder das empfohlene Finanzinstrument noch ein in gleicher Weise geeignetes Produkt ohne Provision erhältlich ist.

Das Honorar

Es gibt keine Gebührenordnung. Häufig wird pro Stunde abgerechnet, der Branche zufolge sind es derzeit im Schnitt etwa 150 Euro.

Verbot

Honorar-Anlageberater dürfen sich nicht auf Eigenemissionen, also Finanzinstrumente, die sie selbst aufgelegt haben, beschränken. Auch dürfen sie nicht nur Produkte von Anbietern oder Emittenten anbieten, die mit ihrem Wertpapierdienstleistungsunternehmen verbunden oder wirtschaftlich verflochten sind.

Wohlverhaltenspflicht

Die Palette an Angeboten des Honorar-Anlageberaters unterliegt besonderen Anforderungen: Um ein Produkt zu empfehlen, muss er ein „hinreichenden Marktüberblick“ haben. Er muss seine Angebotspalette auch hinsichtlich der Anbieter und Emittenten der Finanzinstrumente hinreichend streuen und sich hier am Markt orientieren.

Register

Der Begriff „Honorar-Anlageberatung“ ist gesetzlich geschützt. Honoraranlageberater müssen sich daher im Honorar-Anlageberaterregister bei der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) eintragen lassen. Dort sind nur Institute eingetragen, die durch eine Prüfbescheinigung nachweisen, dass sie die besonderen Anforderungen an die Honorar-Anlageberatung erfüllen.

Für Anleger

Anleger können das Honorar-Anlageberaterregister ab dem 1. August auf der Internetseite der BaFin einsehen und prüfen, welche Institute Honorar-Anlageberatung erbringen.

Was sagen die Kreditinstitute?

Sie sehen unter anderem die strikte Trennung von Honorarberatung und Beratung auf Provisionsbasis kritisch. Dies werde in der Praxis kleinere und mittlere Kreditinstitute aufgrund mangelnder Ressourcen zu einer Entscheidung „entweder - oder“ zwingen, sagt die Deutsche Kreditwirtschaft voraus. „Wenn ich nur zwei Berater habe, ist das in der Praxis ein Problem, zum Beispiel bei Urlaub oder Krankheit“, heißt es beim Bundesverband deutscher Banken (BdB).

Dieser Grundgedanke spiegelt sich auch im Wegweiser Finanzberatung wider. Für die redaktionellen Inhalte ist zwar das Institut für Finanzdienstleistungen (iff) aus Hamburg zuständig, doch das BMJV fördert das Portal und hat den inhaltlichen Rahmen vorgegeben. Die unterschiedlichen Beratertypen werden dort sachlich und weitgehend wertfrei dargestellt. Erklärtes Ziel: Der Leser soll in die Lage versetzt werden, einen für sich geeigneten Beratertyp zu finden.

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