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05.11.2014

16:58 Uhr

Werbungskosten

Paukenschlag für teure Berufsausbildungen

VonKatharina Schneider

Wer nach der Schule sofort eine teure Berufsausbildung beginnt, kann die Kosten dafür steuerlich kaum geltend machen. Das könnte sich bald ändern. Die obersten Finanzrichter wittern eine Diskriminierung.

Eine Demo für bessere Finanzausstattung der Hochschulen. Bei ihren eigenen Finanzen könnten Studenten bald profitieren. dpa

Eine Demo für bessere Finanzausstattung der Hochschulen. Bei ihren eigenen Finanzen könnten Studenten bald profitieren.

DüsseldorfDie erste und die zweite Berufsausbildung sind zwei völlig unterschiedliche Dinge – so sieht es zumindest die Finanzverwaltung. Die Kosten für die zweite Berufsausbildung können deshalb in größerem Umfang von der Steuer abgesetzt werden als die Kosten der ersten Ausbildung. Nach einem Beschluss des Bundesfinanzhofs (BFH) könnte diese Regelung bald gekippt werden, denn die Finanzrichter halten sie für diskriminierend und haben die Frage deshalb dem Bundesverfassungsgericht vorgelegt (Az.: VI R 8/12).

„Der Beschluss ist ein Paukenschlag“, sagt Anita Käding, Steuerberaterin aus Taucha bei Leipzig. Denn noch im Januar dieses Jahres hatte ein anderer Senat des BFH die Unterscheidung bestätigt (Az.: VIII R 22/12). Die Folge bisher: Wer sich in der zweiten Ausbildung befindet, kann seine Ausgaben rund um das Studium bei der Steuererklärung als Werbungskosten geltend machen. Wer sich in der ersten Ausbildung befindet, muss seine Kosten jedoch als Sonderausgaben verbuchen.

Was zunächst nur nach einer Formalität klingt, ist in der Praxis eine klare Benachteiligung für alle, die eine teure Erstausbildung absolviert haben. Der Grund: Die Sonderausgaben sind pro Jahr auf 6000 Euro begrenzt und können nur mit Einkünften verrechnet werden, die im gleichen Jahr erzielt wurden. Wer keine oder nur geringe Einkünfte hat, muss den Steuerbonus ungenutzt verfallen lassen.

Anders ist es bei den vorweggenommenen Werbungskosten, diese können durch den sogenannten Verlustvortrag Jahr für Jahr addiert werden. Der angesammelte Betrag kann in den folgenden Jahren mit den Einkünften aus der Berufstätigkeit verrechnet werden. Bei hohen Ausbildungskosten kann es passieren, dass in den ersten Berufsjahren quasi gar keine Steuern zu zahlen sind.

So verstehen Sie das Finanzamt

Der Einspruch ist zulässig

Wenn das Finanzamt schreibt, dass der Einspruch zulässig sei, klingt das zunächst einmal gut, aber es ist nur die halbe Miete. Denn dies heißt nur, dass der Steuerzahler die formalen Voraussetzungen für einen Einspruch erfüllt hat – wie etwa das fristgerechte Einreichen.

Der Einspruch ist begründet

Erst bei der Frage, ob der Einspruch begründet ist, prüft das Finanzamt das Anliegen des Steuerzahlers inhaltlich.

Das Finanzamt hilft ab

Im Vokabular des Finanzamts bedeutet „abhelfen“, dass die Beamten dem Einspruch des Steuerzahlers folgen und beispielsweise eine außergewöhnliche Belastung doch als solche anerkennen.

Das Finanzamt gewährt AdV

Eigentlich muss eine Steuernachzahlung trotz eingelegtem Einspruch sofort beglichen werden. Der Steuerzahler kann jedoch AdV – Aussetzung der Vollziehung – beantragen. Das ist jedoch gefährlich, denn wenn der Steuerzahler Jahre später doch zahlen muss, kassiert das Finanzamt nicht nur die Nachzahlung, sondern auch noch saftige Zinsen.

Das Verfahren ruht

Wenn zu einer steuerrechtlichen Frage bereits ein Verfahren läuft, muss ein Steuerzahler, der sich aus den gleichen Gründen ungerecht behandelt fühlt, nicht selbst gegen seinen Steuerbescheid klagen. Es reicht, wenn er Einspruch einlegt und auf das laufende Verfahren verweist. Gewährt das Finanzamt das Ruhen des Einspruchsverfahrens, kann der Ausgang des anhängigen Klageverfahrens entspannt abgewartet werden.

Das Finanzministerium verhängt einen Nichtanwendungserlass

Wenn das Finanzministerium für eine Entscheidung des Bundesfinanzhofs einen Nichtanwendungserlass verkündet, gilt das steuerzahlerfreundliche Urteil nur für den entschiedenen Klagefall. Andere Steuerzahler können sich dann nicht mehr darauf beziehen, sondern müssen gegebenenfalls selbst klagen.

Der BFH hatte in dem aktuellen Verfahren insgesamt über sechs Streitfälle zu entscheiden. Darunter waren Steuerpflichtige, die auf eigene Kosten eine Ausbildung zum Pilot absolviert hatten. Kostenpunkt: Rund 70.000 Euro. Danach waren sie als angestellte Berufspiloten für Fluggesellschaften tätig. In anderen Fällen hatten Steuerpflichtige Berufsausbildungen an Universitäten oder Fachhochschulen absolviert und waren danach auf dieser Grundlage beruflich tätig. Ihre Kosten waren jedoch nicht als vorweggenommene Werbungskosten anerkannt worden – so wie es Paragraph 9 Abs. 6 EStG, der Ende Dezember 2011 rückwirkend ab 2004 eingeführt wurde, vorsieht.

Kommentare (3)

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Herr Markus Gerle

05.11.2014, 17:17 Uhr

Was heißt das jetzt? Mein Studium hat auch eine Menge Geld gekostet. Und ich musste mein Studium zum größten Teil selbst finanzieren, weshalb ich vorher gearbeitet hat. Kann ich diese Kosten jetzt noch (viele Jahre später) in der EK-Steuererklärung geltend machen? Wenn nicht, werde ich dann nicht auch diskriminiert?

Frau Ich Kritisch

05.11.2014, 19:02 Uhr

es ist wirklich sehr diskriminierend wenn Leute die keine Steuern zahlen keine Steuern sparen können.

Was ist eigentlich mit den armen "schweinen" die gezwungen sind bereits während der Erstausbildung zu jobben. Wenn die gerade mal soviel verdienen, dass eh keine Steuern anfallen reicht das immer noch um mit Abzug von Werbungskosten auf Null Einkommen zu kommen. Die müssen dann hinterher voll Steuern zahlen. Damit zahlen Sie dann deren Steuern, die es sich vorher leisten konnten nicht arbeiten zu gehen.

Echt toll!!

Das ist die reinste Unterstützung von Reichen!

Frau Ute Umlauf

05.11.2014, 19:40 Uhr

@ Anna Buschmann
Lösen sie sich von ihrem Reichen Wahn. Warum ist der Reiche reich? Weil er qualifizierter, cleverer u. leistungsorientierter ist, wie der Normalo!
Ohne die Steuern u. Spenden Reicher wäre in D eine große Hungersnot!

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